Das sagen Selmer zur geplanten Landratskandidatur von Bürgermeister Mario Löhr

rnLandratswahl 2020

Seit Dienstag, 8. Januar, ist klar: Mario Löhr soll SPD-Landratskandidat werden Was sagen Selmer dazu? Wir haben uns umgehört. Die Reaktionen sind überwiegend positiv.

Selm

, 09.01.2019, 11:25 Uhr / Lesedauer: 4 min

Dass Mario Löhr Landratskandidat der SPD werden soll, betrachten Marita und Klaus Nowak, die wir auf dem Wochenmarkt getroffen haben, eher mit gemischten Gefühlen. „Wir sind da hin- und hergerissen“, gibt die 62-jährige Marita Nowak zu. „Bevor er hier war, ist in Selm nichts passiert. Er hat einiges angestoßen, es gibt aber auch viele negative Stimmen“, gibt sie zu bedenken. Der 67-jährige Klaus Nowak bestätigt die Meinung seiner Frau: „Wir stehen dem Ganzen eher skeptisch gegenüber.“ Er habe schon einmal ein persönliches Gespräch mit dem Bürgermeister geführt. „Ich hatte ihm einen bösen Brief geschrieben, wegen der hohen Grundsteuer. Daraufhin hat er mich zum Gespräch eingeladen, und das ist dann auch sehr sachlich verlaufen“, räumt der Selmer ein. Was die Nowaks auf jeden Fall positiv sehen: Löhr sei ein Politiker, der nicht ausweicht, sondern offen mit den Leuten spricht.

Diemo Andrae (50) mit Tochter Kimberly (10).

Diemo Andrae (50) mit Tochter Kimberly (10). © Martina Niehaus

Nah an den Menschen

Das sieht auch eine 57-Jährige so, die ihren Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich glaube, er ist sehr nah dran an den Menschen. Er hat als Bürgermeister bewiesen, dass er sich auch kritischen Fragen stellt. Und ich könnte mir vorstellen, dass er auch ehrlich dahintersteht.“ Sie sei Löhr bereits selbst in der Vergangenheit wegen eines politischen Streitthemas begegnet. „Damals hat er sich der Kritik gestellt, ist nicht ausgewichen. Das finde ich gut, auch wenn nicht jeder mit seinen Entscheidungen einverstanden ist.“ Dann fügt die Selmerin noch hinzu: „Das was Mario Löhr angeht, macht er mit voller Tatkraft und gesundem Ehrgeiz. Ich traue ihm das Amt des Landrats zu.“

Kurz und knapp fasst dann der 50-jährige Diemo Andrae seine Meinung zu dem Thema Landratskandidatur zusammen: „Das macht er bestimmt ganz gut, das kriegt er wohl hin.“ Seine Frau Bianca (46) fügt hinzu: „Ich glaube, wenn es so kommen sollte, wird er da einen guten Job machen.“

Kritik: Löhr macht, was er will

Auch in den sozialen Netzwerken gehen die Meinungen über die Löhr-Kandidatur auseinander: „Selm sieht nicht mehr so aus, wie es mal war“, kommentiert auf Facebook Userin Michaela Overhoff. Und: „Der Herr macht, was er will und wir sollen noch Danke sagen?“ Ebenfalls auf Facebook schreibt Christopher Nieß: „Man muss kein SPD-Fan sein, aber wenn man ehrlich ist und die Augen aufmacht und es neutral betrachtet, muss man zugeben, dass sich in Selm einiges tut, zum Beispiel Wohngebiete, eine neue Mitte, Sportplatz, Baumarkt, Skateranlage und neue Arbeitsplätze entstehen. Ich wohne seit 30 Jahren hier und kann mich nicht daran erinnern, dass während einer anderen Bürgermeisteramtszeit so viel in Selm entstanden ist.“

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Thomas Orlowski: Lohn seiner guten Arbeit

Thomas Orlowski.

Thomas Orlowski. © Tobias Weckenbrock

Wir haben auch Selmer Politiker befragt. Einer davon ist Thomas Orlowski, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Selm. Für ihn ist die Tatsache, dass Mario Löhr auf den Sessel des Landrats wechseln möchte „ein Verlust für Selm“. Andererseits: „Es ist aber auch der Lohn seiner guten Arbeit in Selm.“ Er könne nachvollziehen, dass Mario Löhr nach elf Jahren als Bürgermeister dann eine neue Herausforderung sucht.Auf die Frage, ob die Kandidatur Löhrs Auswirkungen auf seine Arbeit als Bürgermeister bis 2020 haben könnte, antwortet Orlowski: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Auswirkungen hat. Ich kenne Mario Löhr als Mann, der zu Ende bringt, was er anpackt. Sein Ziel ist, die wesentlichen Bausteine der Regionale abzuschließen.“ Hat die SPD Selm denn schon einen Kandidaten als Nachfolger Löhrs im Bürgermeisteramt im Köcher? Orlowski: „Es hat einen Plan B gegeben, weil noch nicht klar war, ob Mario Löhr als Landrat kandidieren will.“ Einen Namen nennt der SPD-Fraktionschef nicht. Die Aufgabe, einen geeigneten Kandidaten zu finden, obliege einer Findungskommission der SPD. Laut Orlowski gehören der Kommission neben der Stadtverbandsvorsitzenden Jutta Steiner und Mario Löhr auch noch weitere Ratsmitglieder an. Er selber sitze nicht in der Kommission. Nach den eigenen Ambitionen auf das Bürgermeisteramt befragt, sagt Orlowski: „Ich habe mir bis heute keine Gedanken darüber gemacht, weil nicht feststand, ob Mario Löhr Landrat werden möchte.“

Dieter Kleinwächter: Auswahl ohne parteipolitische Brille

Dieter Kleinwächter.

Dieter Kleinwächter. © Karim Laouari


Dieter Kleinwächter, Chef der CDU-Ratsfraktion, weiß seit gestern Morgen von der avisierten Löhr-Landratskandidatur: „Mario Löhr hat mich angerufen und ich habe ihm gratuliert. Er wird jetzt ja noch zwei Jahre Bürgermeister sein. Aber wir in Selm müssen jetzt nachdenken, wie es mit dem Bürgermeisteramt weiter geht.“ So werde die CDU darüber nachdenken, wen sie für das Bürgermeisteramt nominiert. „Dann müssen die Parteimitglieder darüber entscheiden.“ Werden Namen gehandelt? „Nein, es werden keine Namen gehandelt“, sagt Kleinwächter. „Tatsache ist, dass es schwierig wird. Der Bürgermeister hinterlässt große Fußstapfen und die müssen gefüllt werden.“ Zudem müsse man jemanden finden, der dazu bereit sei, dieses Amt auszufüllen. Muss ein CDU-Kandidat CDU-Mitglied sein? Klare Antwort von Kleinwächter: „Wir müssen zum Wohl der Stadt eine Auswahl treffen, ohne durch die parteipolitische Brille zu gucken.“

Maria Lipke: UWG-Kandidat nicht ausgeschlossen

Maria Lipke.

Maria Lipke. © Tobias Weckenbrock

„Ich bin nicht überrascht“, sagt Maria Lipke, Chefin der UWG-Fraktion, auf Anfrage. „Mario Löhr hat ja schon lange davon gesprochen, dass er das machen möchte. Er wird ein guter Landrat werden.“ Sorgen habe sie, was nach Löhr in Selm passieren wir. Bis dahin, davon sei sie überzeugt, werde Mario Löhr „seine Sachen in Selm gut zu Ende bringen“. Und dann? Wird die UWG einen Bürgermeisterkandidaten oder eine Kandidatin ins Rennen schicken? „Das ist nicht auszuschließen“, sagt Maria Lipke. Sie selber wird es nicht sein: „Ich höre 2020 definitiv im Rat auf.“

Werner Sell: Für die SPD die beste Wahl

Werner Sell.

Werner Sell. © Tobias Weckenbrock


Einer, der seit Langem mit Löhr im Rat zusammenarbeitet, ist Werner Sell, bis zum 31. Dezember 2018 Mitglied der Partei Die Linke und deren Selmer Fraktionschef. Seine Meinung zur Löhr-Kandidatur: „Für die SPD im Kreis Unna ist Löhr die beste Wahl, die sie treffen konnte. Er ist ein Macher.“ Er sei überzeugt davon, dass Mario Löhr der richtige Landrat für den Kreis Unna wäre. „Er wird eine andere Politik als Michael Makiolla betreiben, aber nicht zum Schaden des Kreises Unna.“ Für Selm sei der Schritt, den Mario Löhr geht, bedauerlich. „Er hat hier viel bewegt und ich persönlich habe mit ihm, trotz Meinungsverschiedenheiten in manchen Punkten, gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet.“

Thomas Staschat: Nächster Schritt auf der Kariereleiter

Thomas Staschat.

Thomas Staschat. © Malte Woesmann

Thomas Staschat, fraktionsloses Mitglied des Selmer Rates, sagt zur Kandidatur Mario Löhrs: „Ich freue mich sehr für ihn, dass er den nächsten Schritt auf der Karriereleiter erklimmen kann.“ Mario Löhr sei es als Bürgermeister gelungen, die politischen Mehrheiten hinter sich zu vereinen. „Der nächste Bürgermeister ist gut beraten, es ähnlich zu tun.“

Marion Küpper: Er wird uns Lokalpolitiker nicht los

Marion Küpper.

Marion Küpper. © Grüne

Für die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen erklärt deren Vorsitzende Marion Küpper gegenüber der Redaktion: „Wir hoffen, dass Mario Löhr demokratischere Prozesse in den Kreistag bringt und aus Fehlern lernt. Er wird uns nicht los, zumal er ja als Landrat dem Kreistag vorsitzt, in dem auch Selmer Lokalpolitiker sitzen. Und vieles, das für Selm wichtig ist, wird ja im Kreistag entschieden, etwa Genehmigungen und die Zukunft von Förderschulen.“

Löhrs Nordkirchener Bürgermeister-Amtskollege Dietmar Bergmann kommentiert auf Anfrage Löhrs Landratskandidatur so: „Kommunales Wissen ist auf Kreisebene sehr wichtig. Daher ist es nicht schädlich, wenn ein ehemaliger Bürgermeister Landrat wird.“

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