Das sind die Entwürfe für die neue Josef-Kapelle

Planungen und Bau-Fortschritte

Während viele Selmer der Josef-Kirche noch nachtrauern, nehmen das neue Gotteshaus und das Pfarrzentrum der katholischen Kirchengemeinde bereits Form an. Ende des Jahres könnten dort bereits Gottesdienste stattfinden. Wir haben die Planungen zusammengefasst und zeigen die Entwürfe der Architektin.

SELM

, 29.03.2017, 16:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Abriss der Josef-Kirche hat Spuren am verbliebenen Kirchturm hinterlassen. Bald können sie beseitigt werden: „Fünf Monate haben wir gesucht“, sagte Claus Themann, leitender Pfarrer der Katholischen Gemeinde St. Ludger. Am Dienstag war er dann gefunden, der Klinker, der die übrigen Turmsteine ergänzt.

Neues Pfarrzentrum mit Jugend-Fokus

Auf dem Gelände rund um den Kirchturm soll einmal das neue Pfarrzentrum entstehen. Eines, in dem das kirchliche Wirken der Jugend in den Vordergrund rückt. Geplant sind unter anderem große Gruppenräume, eine Küche und eine Garage für Geräte der Pfadfinder.

„Alle bisherigen Gruppen werden die Möglichkeit haben, das Zentrum weiterhin zu nutzen“, sagte Themann. „Wir möchten den Schwerpunkt aber auf die Jugendarbeit legen.“ Das zeigt sich nicht zuletzt auch in dem etwas ungewöhnlichen Vorhaben, an einer Kirchturmseite eine Kletterwand zu bauen.

Der Bauantrag für das neue Zentrum wurde Anfang Februar abgegeben. „Geplanter Baubeginn ist Anfang Juli“, so Themann. „Bis dahin ist der Turm fertig.“ Läuft alles planmäßig, ist das neue Pfarrzentrum im Frühjahr 2018 bezugsbereit. Dass auf diesem Gelände auch die neue Zentralrendantur gebaut wird, ist Stand jetzt eher unwahrscheinlich. Als Standort Selm sei man in der engeren Auswahl, so Themann. „Aber wohl eher nicht direkt auf dem Kirchengrundstück.“ Komplett vom Tisch sei dies aber noch nicht.

Kapelle mit Anschluss an Altenwohnhaus

Im Schatten des Kirchturms entsteht die neue Kapelle der Gemeinde. Sie ist direkt an das Altenwohnhaus St. Josef angebunden und wird über das Foyer der Einrichtung zugänglich sein. Kapelle, Pfarrzentrum, Turm und Seniorenheim sollen einmal ein harmonisches „Gebäudeensemble“ bilden, wie Architektin Beate Wagner sagt. „Das Schlagwort ist immer ’Marktplatz der Begegnung‘.“ Entstehen soll ein Ort der Einkehr und der Kommunikation zwischen Jung und Alt – mit dem Turm als Landmarke.

Trotz Anbindung ans Altenwohnhaus wird die Kapelle wie ein eigenständiges Gebäude wirken: gut sichtbar für alle und barrierefrei zugänglich. „Es ist eine Kombination“, sagt Pfarrer Themann. „Einerseits eine Kapelle für das Altenwohnhaus, aber auch eine für den Gemeindeteil St. Josef.“

 

Die Kapelle bekommt eine Tür zum Kirchplatz, die aber nur bei besonderen Veranstaltungen geöffnet wird. Erreichbar sein wird die Kapelle über das neue gemeinsame Foyer im Altenwohnhaus St. Josef (Eingang links im Bild). (Grafik: Architekturbüro Klein.Riesenbeck)

Mittelpunkt der neuen Kapelle ist der Altar. Dazu gibt es einen Ambo, einen Tabernakel und eine Kredenz. Die Sitzplätze werden um den Altar herum angeordnet. (Grafik: Architekturbüro Klein.Riesenbeck)

 

„Die Bewohner freuen sich schon“, sagt Doreen Werner. Bei der Sitzung des Heimbeirats am Dienstag hat die Leiterin des Altenwohnhauses St. Josef die Pläne für die neue Kapelle vorgestellt und erste Bilder gezeigt. Den Bewohnern geht es aber gar nicht mal unbedingt um die Optik des neuen Gotteshauses. „Sie freuen sich, weil sie durch die neue Kapelle einfach am Leben in der Gemeinde teilnehmen können. Die Wege fallen weg, man muss nicht mehr mit dem Rollstuhl in die Kirche fahren.“

Barrierefrei und offen für Veranstaltungen

Die neue Kapelle schließt direkt an den Mitteltrakt des Altenwohnhauses an. Das Erdgeschoss dieses Abschnitts wird dafür um eineinhalb Meter herabgesenkt. So wird der über ein gemeinsames Foyer des Wohnheims und der Kapelle erreichbare Eingang barrierefrei. In Richtung des Kirchplatzes wird ein Teil der Kapellenfassade für spezielle Veranstaltungen zu öffnen sein. Die lose Bestuhlung ermöglicht grundsätzlich auch eine anderweitige Nutzung des Gebäudes. „Die Hauptfunktion ist aber ein ruhiger, sakraler Raum“, sagt Beate Wagner vom Architekturbüro Klein und Riesenbeck aus Warendorf.

Für Pfarrer Claus Themann erfüllt die Öffnung zum Kirchplatz aber auch noch eine andere Funktion: „So merkt man auch im Vorbeigehen, dass Leben in dieser Kapelle ist. Dadurch wollen wir als Kirche uns auch mehr in die Öffentlichkeit bewegen.“

Ende dieses Jahres sollen die 165 Quadratmeter große Kapelle mit rund 120 Sitzplätzen sowie der neue Eingangsbereich mit Sakristei und Cafeteria fertig sein. Fünf Millionen Euro investiert der Caritasverband nach Aussage von Vorstand Hans-Peter Benstein in den Standort Selm. Darin enthalten seien die Kosten für die Kapelle, die das Bistum Münster übernimmt.

Auch Bauarbeiten im Altenwohnhaus

Neben dem Bau der Kapelle finden im Altenwohnhaus weitere Umbaumaßnahmen statt. In den Wohngruppen entstehen Gemeinschaftsräume, im Südflügel des Mitteltrakts Umkleidekabinen für das Personal. Für die Mitarbeiter des Altenheims heißt das, dass noch eine Weile improvisiert werden muss. Pflegedienstleitung, Hauswirtschaftsleitung und Sozialer Dienst sitzen nun nicht mehr gemeinsam auf einem Flur, sondern sind auf andere Räumlichkeiten verteilt. „Wir sehen das aber positiv und nutzen es zur Teamfindung“, so Doreen Werner.

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