Der Rettungsdienst in Selm soll ausgebaut werden

Fragen und Antworten

Die Entscheidung des Kreistages steht zwar noch aus, doch derzeit deutet alles auf einen massiven Ausbau des Rettungsdienstes in Selm hin. Konkret geht es um eine neue Wache und ein zusätzliches Fahrzeug. Wie und wo das umgesetzt wird, dazu Fragen und Antworten.

SELM

, 16.06.2017, 20:13 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Rettungswache in Bork erfüllt nach Einschätzung der Gutachter nicht mehr die rettungsdienstlichen Standards.

Die Rettungswache in Bork erfüllt nach Einschätzung der Gutachter nicht mehr die rettungsdienstlichen Standards.

Warum gibt es aktuell überhaupt Diskussionen über den Rettungsdienst?

Das Rettungsgesetz NRW schreibt den Kreisen und kreisfreien Städten vor, Bedarfspläne aufzustellen und mindestens alle fünf Jahre zu überprüfen. Der Kreis Unna hat deshalb den Bedarfsplan wieder von einer externen Firma überprüfen lassen. Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass gerade in Selm Handlungsbedarf besteht. Sie fordern einen zusätzlich „temporär“ einzusetzenden Rettungswagen sowie den Neubau einer Rettungswache.

Wie lange soll der zusätzliche Rettungswagen besetzt sein?

Nach Auskunft des Kreises Unna soll der zweite Rettungswagen sieben Tage in der Woche jeweils 12 Stunden besetzt sein – von 7 bis 19 Uhr. „Der Bedarf für einen weiteren Wagen ist tagsüber da“, so Birgit Kalle, Pressesprecherin des Kreises auf unsere Anfrage. Der andere Rettungswagen in Bork ist an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr einsatzbereit.

Wann und wo soll die neue Rettungswache gebaut werden?

Auf unsere Anfrage sagte Malte Woesmann, Pressesprecher der Stadt Selm, dass „es noch nichts gibt, was wir vermelden können.“ Es stehe noch nicht fest, ob das Thema auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Zivilschutz am 20. Juni stehe. Die Stadt Lünen hat bereits Kosten für das zusätzliche Fahrzeug und eine neue Wache ermittelt. Die Anschaffung und Ausstattung des neuen Fahrzeugs wird nach Einschätzung der Stadtverwaltung Lünen rund 200.000 Euro kosten. Beim Neubau einer Rettungswache in Selm-Bork geht die Stadt Lünen von einem monatlichen Mietzins von rund 2.000 Euro aus. Dazu kommen Nebenkosten.

Was hat aber die Stadt Lünen mit dem Rettungsdienst in Selm zu tun?

Dirk Skalla, Abteilungsleiter Rettungsdienst beim DRK Lünen sagt auf unsere Anfrage, dass die Stadt Selm einen Vertrag mit der Stadt Lünen über den Rettungsdienst hat. Das ist übrigens nicht die einzige Besonderheit. Das DRK Lünen ist nicht für alle Rettungsfahrzeuge der Rettungswachen in Lünen-Mitte, Horstmar, Lünen-Nord, Brambauer und Selm verantwortlich. „Die Feuerwehr Lünen hat drei Rettungswagen, wir vom DRK Lünen haben vier Rettungs- sowie einen Notarztwagen“, sagt Dirk Skalla. Bereits seit 1972 sind Feuerwehr und DRK gemeinsam für den Rettungsdienst verantwortlich.

Wer wird für den zusätzlichen Selmer Wagen verantwortlich sein?

Eine Entscheidung in dieser Frage steht nach Auskunft von Dirk Skalla noch aus. Zunächst einmal müsse der Kreis Unna über die Umsetzung des neuen Bedarfsplanes entscheiden. Kreis-Pressesprecherin Birgit Kalle sagt, dass das Thema auf der Tagesordnung der der nächsten Kreistagssitzung am 27. Juni steht. Bei den Beratungen im Fachausschuss in der vergangenen Woche seien die Vorschläge „einhellig auf Zustimmung“ gestoßen.

Wie geht es danach weiter?

Dann sei, so Skalla, wieder die Stadt Lünen an der Reihe. Der Rat der Stadt hat sich bereits in der vergangenen Woche für die Umsetzung des neuen Bedarfsplanes ausgesprochen. Nach einem Kreistagsbeschluss wäre er erneut gefordert. Dann geht es darum, ob der neue Selmer Wagen bei der Feuerwehr Lünen oder dem DRK angesiedelt wird. „Wir würden ihn gerne für Selm haben“, sagt Skalla.

Welche Vorstellungen gibt es zum neuen Standort der Rettungswache?

Dirk Skalla hält sich in dieser Frage zurück. Das sei eine Entscheidung der Stadt Selm. Die örtliche Politik hat sich bereits mehrfach mit dem Thema beschäftigt. Ein Beschluss über den künftigen Standort der Rettungswache steht aber noch aus. Aktuell ist die Borker Rettungswache neben dem Rathaus angesiedelt.

Warum sind die Entscheidungen für den Ausbau des Rettungsdienstes für die Bürger so wichtig?

Mit dem Ausbau des Rettungsdienstes in der Stadt und auch im gesamten Kreis soll sichergestellt werden, dass im Notfall schneller Hilfe geleistet werden kann.

Ausrückzeiten sollen deutlich verkürzt werden

Die Gutachter stufen die Ausrückzeiten der Rettungswagen bei Notfällen als „viel zu lang“ ein. Bei der Rettungswache Unna rückt ein Rettungswagen nach durchschnittlich 74 Sekunden aus. Den letzten Platz in dieser Statistik belegt die Rettungswache Selm. Im Bedarfsplan für den Rettungsdienst steht, dass hier im Durchschnitt der Rettungswagen erst nach 154 Sekunden ausrückt. Damit vergeht hier doppelt soviel Zeit wie in Unna.

Nicht berücksichtigt wurden bei diesen Durchschnittszahlen „unplausible Ausrückzeiten über 5 Minuten“. Für den Versorgungsbereich Selm weist die Statistik für das Jahr 2015 1909 Notfälle aus, in Unna waren es hingegen 5.762. Nach 8 Minuten sollen eigentlich die Retter vor Ort sein, das wird im Kreis Unna gerade einmal in 71,1 Prozent der Notfälle erreicht.

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