Die Flüchtlings-Notunterkunft in Bork ist Geschichte

Fakten und Rückblick

Aus einer Zeltstadt wurde wieder ein gewöhnlicher Parkplatz, auf dem Gelände der Polizeischule in Selm-Bork. Noch vor wenigen Wochen stand dort eine Flüchtlings-Notunterkunft, in der zeitweise 1000 Menschen wohnten. Hier finden sie die Fakten zu dem Abbau, Fotos und einen Rückblick auf ein Jahr Notunterkunft in Bork.

SELM

, 05.09.2016, 18:22 Uhr / Lesedauer: 4 min
Die Flüchtlings-Notunterkunft in Bork ist Geschichte

Die Notunterkunft in Bork ist beinahe komplett abgebaut. Inzwischen stehen nur noch zwei große von ehemals rund 15 Hallen - und diese Holzbretter in Stapeln.

Am 25. Juli verließ der letzte Bewohner die 20 Traglufthallen und das Gelände an der Polizeischule in Bork. Sechs Wochen später ist von der Landes-Notunterkunft, die zeitweise Herberge für 1000 Menschen gleichzeitig war, nicht mehr viel übrig, wie ein Ortsbesuch ergab: Nur noch zwei Hallen stehen, in denen die Menschen, geflüchtet aus aller Welt, zur Toilette gehen und duschen konnten. Alles Wissenswerte und Hintergründe zum Stand der Dinge.

Fragen und Antworten zum Abbau der Zeltstadt 

Wann begann der Abbau und wann wird er beendet sein? Als die Betreuungsdienste GmbH des Roten Kreuzes Westfalen am 25. Juli 600 Menschen in Busse setzte und verabschiedete, war das Ende der Notunterkunft als solche gekommen. Seither steht die Einrichtung leer, abgesehen vom Personal, das hier tätig war.

Kurz danach begann der Rückbau: Das Rote Kreuz packte seine Dinge zusammen, baute das Inventar, also Betten, Matratzen, die Sanitätsstation, die Verwaltungszentrale und alles, was ihm gehörte, ab. Am 15. August war dieser Job erledigt. Die Bezirksregierung Arnsberg, die die Landes-Notunterkunft aufgebaut hatte, war dann für den Rückbau der Leichtbauhallen zuständig. Ende vergangener Woche war ein Radlader dabei, die letzten Dinge wie Holzpaletten und Gestänge auf Lastwagen zu verladen. Inzwischen ist von der Notunterkunft nicht mehr viel zu sehen – nur die beiden großen Sanitär-Hallen stehen noch.

FOTOSTRECKE
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Die Notunterkunft Bork ist schon Geschichte

Die Notunterkunft am LAFP in Bork: Sie wurde im August 2015 eröffnet, als die Zuwanderung nach Deutschland riesengroß war. Damals musste man auf die Schnelle Wohnraum für die Flüchtlinge schaffen. Mit den Traglufthallen in Bork schuf man Platz für bis zu 1000 Menschen. Jetzt, etwa ein Jahr später, ist von der Notunterkunft nicht mehr viel geblieben. Wir blicken zurück.
05.09.2016
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Der Blick auf das Gelände der ehemaligen Notunterkunft für Flüchtlinge: Auf diesem Parkplatz des LAFP hatten zeitweise bis zu 1000 Menschen ein (Zelt)Dach überm Kopf.© Foto: Tobias Weckenbrock
Über dem Zu- und Ausgangstor für die Bewohner ist dieser Teddy geblieben - er ist ein Relikt der Notunterkunft und wachte nun wochenlang über den Abbau der Anlage, die am 15. Juli die letzten 600 Bewohner verabschiedete.© Foto: Tobias Weckenbrock
Die Notunterkunft in Bork ist beinahe komplett abgebaut. Inzwischen stehen nur noch zwei große von ehemals rund 15 Hallen - und diese Holzbretter in Stapeln.© Foto: Tobias Weckenbrock
Dieser Kran packte am Freitag vergangener Woche noch Gegenstände auf die Lastwagen, um das Gelände am LAFP komplett zu räumen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Es sieht fast schon wieder aus wie vorher: Dieses Bild entstand nach dem Abbau der Traglufthallen der Flüchtlings-Notunterkunft Bork. Um die Anlage zu errichten, wurden vor einem Jahr einige Bäume auf dem vormaligen Parkplatz des LAFP gefällt.© Foto: Tobias Weckenbrock
Diese Holzpaletten waren der Fußboden in den Zelten der Notunterkunft. Hinten sieht man auch noch die beiden Sanitärzelte, in denen zig Duschen und Toiletten eingebaut waren.© Foto: Tobias Weckenbrock
Das Tor ist nun verschlossen: Hier, an der Hinterseite des Pastorenbusches, war der Zu- und Ausgang für die Bewohner der Notunterkunft. Das Tor stand ein Jahr lang immer offen für die Bewohner, war aber durch den Sicherheitsdienst bewacht. Der Unterkunftsbetreiber hängte damals zum Sichtschutz Tücher und Planen innen am Zaun auf. Heute ist das Tor geschlossen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Über dem Zu- und Ausgangstor für die Bewohner ist dieser Teddy geblieben - er ist ein Relikt der Notunterkunft und wachte nun wochenlang über den Abbau der Anlage, die am 15. Juli die letzten 600 Bewohner verabschiedete.© Foto: Tobias Weckenbrock
Zu Spitzenzeiten im September 2015, kurz nach der Eröffnung, waren hier mehr als 1000 Menschen in Zelten untergebracht. Damals stand die Einrichtung zwei Wochen lang sogar unter Quarantäne, weil ein Kind die Windpocken hatte.© Foto: Tobias Weckenbrock
Rund 100 Mitarbeiter waren um das Wohl und die Sicherheit und Sauberkeit der Menschen in der Notunterkunft bemüht. Das Land NRW hatte dazu einen Betreibervertrag mit den DRK-Betreuungsdiensten Westfalen-Lippe geschlossen. Das DRK hatte bis zu 35 Mitarbeiter gleichzeitig und Verträge mit Subunternehmern, die für Reinigung, Sicherheitsdienst und Catering Personal abstellten. Auch Ärzte arbeiteten in der Notunterkunft.© Foto: Tobias Weckenbrock
Das LAFP, Ausbildungsinstitut für die Polizei NRW, stellte für die Notunterkunft diesen Parkplatz mit rund 500 Stellplätzen zur Verfügung. Im Jahr 2015 war die Not groß, schnell Obdach zu finden für die vielen Menschen, die aus den Krisenregionen dieser Welt nach Deutschland flüchteten. Binnen weniger Wochen stand die Notunterkunft in Bork, ein mehr als 10 Millionen Euro teures Projekt über das eine Jahr hinweg, bereit.© Foto: Tobias Weckenbrock
Aufgeräumt und leergefegt: Über den Zaun des Parkplatzes, der hier schon vorher stand, hinweg ist das Gelände der Notunterkunft einzusehen. Die Fläche eignete sich laut Land NRW so gut, weil sie schnell zur Verfügung stand und auch abgeschirmt war durch die Zaunanlagen der Polizei - für die Sicherheit der Bewohner, aber auch die "gefühlte" Sicherheit der anfangs verunsicherten Anwohner in Bork.© Foto: Tobias Weckenbrock
Über dem Zu- und Ausgangstor für die Bewohner ist dieser Teddy geblieben - er ist ein Relikt der Notunterkunft und wachte nun wochenlang über den Abbau der Anlage, die am 15. Juli die letzten 600 Bewohner verabschiedete.© Foto: Tobias Weckenbrock
Bald stehen hier, wo bis zu 1000 Flüchtlinge wohnen mussten, vermutlich wieder die Autos der Polizeischüler und -studenten oder der Dozenten und Mitarbeiter des LAFP.© Foto: Tobias Weckenbrock
Schlagworte Bork

Wie geht es nun eigentlich für die Mitarbeiter weiter? Von rund 100 Mitarbeitern war vor dem Aufbau immer die Rede, die am Standort Beschäftigung finden könnten. Die DRK-Betreuungsdienste GmbH selbst hatte über das eine Jahr hinweg rund 35 Mitarbeiter selbst in Bork angestellt. Verschiedene Sub-Unternehmen wie der Sicherheitsdienst Bewa, die Catering-Firma und das Reinigungsunternehmen stellte das weitere Personal. Zudem waren Ärzte in der Sanitätsstation beschäftigt.

Die 29 Mitarbeiter des Roten Kreuzes nach letztem Stand sind laut Pressestelle fast zur Hälfte (14) in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Unna-Massen gewechselt. Einige Mitarbeiter hätten das Team eigeninitiativ verlassen, als bekannt wurde, dass die Schließung ansteht, so Sprecherin Ina Ludwig. „Bei den übrigen Mitarbeitern haben wir im Vorfeld der Schließung abgefragt, wer Interesse an einer Weiterbeschäftigung durch das DRK hat.“

Was wird aus dem Chef der Notunterkunft? Der kommissarische Einrichtungsleiter Thomas Kirschner soll für die Gesellschaft des DRK tätig bleiben, allerdings sei das künftige Aufgabengebiet des Selmers noch in der Detailplanung. 13 Mitarbeitern verlängerte das DRK nicht die befristeten Verträge. „Zu den Perspektiven der Mitarbeiter unserer Subunternehmen können wir keine Angaben machen“, so Ludwig weiter.

Das sind die Fakten zu einem Jahr Notunterkunft 

  • Die DRK-Betreuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH betrieb die Notunterkunft Bork im Auftrag der Bezirksregierung Arnsberg von August 2015 bis August 2016.
  • Knapp ein Jahr lang, von Anfang September 2015 bis Ende Juli 2016, war die Einrichtung bewohnt.
  • Während dieser Zeit gab es eine einzige Situation, die rückblickend als wirklich heikel zu bewerten ist: Am 10. Mai eskalierte eine Auseinandersetzung in der Notunterkunft. Anfänglich kritisierte eine Gruppe von zehn Personen das Essen. Aus dieser Situation heraus entstand schließlich ein Handgemenge mit 14 beteiligten Bewohnern, die unter anderem in der Kantine mit Essen und Stühlen warfen, eine Tür demolierten und weitere Bestandteile der Einrichtung demolierten. „Unser Sicherheitspersonal hat damals schnell und gut reagiert“, schreibt das DRK in der Nachbetrachtung: „Das Team bewahrte Ruhe, kümmerte sich darum, dass die anderen Bewohner in Sicherheit gebracht wurden, verständigte die Polizei und versuchte, die Situation zu deeskalieren.“ Die 14 Beteiligten wurden in Abstimmung mit der Bezirksregierung noch am selben Tag in eine andere Flüchtlingsunterkunft verlegt. „Nach der Abreise der Gruppe kehrte in Bork schnell wieder Ruhe ein. Bis zur Schließung verlief der Betrieb in der Notunterkunft wieder harmonisch“, so DRK-Sprecherin Ina Ludwig.
  • Die meisten Menschen erreichten die Notunterkunft gleich zu Beginn im September vorigen Jahres: Am ersten Tag der Belegung kamen 940 Personen. Mitte September war die Notunterkunft mit etwas mehr als 1000 Gästen vollständig belegt.
  • Der leerste Zeitraum war die Phase, in der die Notunterkunft als Durchgangsstation genutzt wurde. Zwischen Ende Oktober 2015 und Ende April 2016 beherbergte man die Menschen im Regelfall nur für eine Nacht. Die Belegungszahl schwankte während dieser Zeit erheblich, ab und zu kam es sogar zu Phasen des Leerlaufs.
  • Ab Mai waren die Gäste wieder für längere Zeiträume in der Notunterkunft untergebracht. Zunächst kamen 360 Bewohner, am letzten Tag, dem 25. Juli, verließen 600 Menschen die Notunterkunft.

Archiv: Die Schlagzeilen, die Meilensteine

Live-Blog der Redaktion für Selm, Olfen und Nordkirchen: In den ersten Monaten begleiteten die Redakteurinnen und Redakteure der Redaktion in Selm die Geschehnisse rund um das Thema Flüchtlinge in der Stadt und den beiden Nachbarorten in einem stetig aktualisierten Live-Blog. Chronologisch lassen sich die Ereignisse in diesen Archiv-Beiträgen nachvollziehen:

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Im August vergangenen Jahres ist die Entscheidung gefallen: Selm bekommt eine Notunterkunft für 1.000 Flüchtlinge. Und zwar auf dem Gelände des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP) in Bork. 

Schon wenige Wochen nach der Entscheidung bezogen die ersten Flüchtlinge die Zeltstadt auf dem Borker Gelände der Polizeischule. Die Flüchtlinge wurden unter anderem mit Lunchpaketen erwartet. Aufgrund des spontanen Einzugs war aber noch nicht alles perfekt vorbereitet.

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Im September 2015 ist die Notunterkunft mit 970 Bewohnern beinahe voll ausgelastet. Ein Schwelbrand ruft an einem Freitagabend die Polizei auf das Gelände der Notunterkunft. 

Im November 2015 waren wir zum ersten Mal vor Ort in der Notunterkunft. Hier gibt es ein Video und eine Fotostrecke von dem Leben in der Zeltstadt.

In Leichtbauhallen, umgeben von vielen Bäumen, leben die Flüchtlinge in der Borker Notunterkunft. Als ein Sturmtief droht, müssen einige Bewohner evakuiert werden. 

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Auch im neuen Jahr geht es in der Zeltstadt auf dem Gelände der Borker Polizeischule nicht immer ruhig zu. Wegen Krätze und Läusen stehen drei Zelte für ein paar Tage unter Quarantäne. Die Mitarbeiter sorgen schnell dafür, dass wieder Normalzustand herrscht. 

Sinkende Flüchtlingszahlen, unausgelastete Unterkünfte in ganz Nordrhein-Westfalen: Etwa ein Jahr nach der Öffnung fällt für Bork die Entscheidung. Ende August wird die Notunterkunft geschlossen. Was passiert mit Zelten, Mobiliar und dem Parkplatz?

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