Die goldene Büste ist ein Hüter vieler Geheimnisse

rnCappenberger Barbarossakopf

Er ist ebenso schön wie geheimnisvoll: Um den goldenen Barbarossakopf in der Cappenberger Stiftskirche ranken sich viele Mythen: Es ist unklar, ob er wirklich den einstigen Kaiser zeigt.

Cappenberg

, 23.08.2018, 21:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ist gut versteckt, der goldene Barbarossa-Kopf in der Cappenberger Stiftskirche. Pater Gregor Pahl geht auf einen großen doppeltürigen Holzschrank zu, in seiner Hand mehrere Schlüssel. Einer von ihnen öffnet die verzierten Türen und gibt den Blick frei auf – zwei weitere Türen, diesmal aus dunkelblau gefärbtem Stahl. Zwei weitere Schlösser klicken.

Er ist nicht so groß wie erwartet: 31,4 Zentimeter hoch und rund viereinhalb Kilo schwer. Jedoch zeigt die vergoldete Büste unendlich viele, winzige Details: Symmetrisch angeordnete Buckellocken bedecken seinen Kopf. Das lockige Haar wird von einem Stirnband zusammengehalten.

„Am Hinterkopf zeigt eine Nut, dass er ursprünglich mal einen Kopfschmuck, wohl ein Diadem, getragen hat“, erzählt der Pater. Mächtige Augenbrauen schwingen sich über die gesamte Stirnbreite. Unterhalb der langen Nase beginnt eine charakteristische Bartpracht, die sich um Mund und Kinn zieht.

Die goldene Büste ist ein Hüter vieler Geheimnisse

Das berühmteste Ausstattungsstück der Cappenberger Stiftskirche: der Barbarossa-Kopf.

Der Kopf wird von Engeln getragen, die auf einem achteckigen Kranz knien – einer Stadtmauer, „sinnbildlich für das alte Jerusalem“, wie Pater Gregor Pahl erklärt. Der Untersatz ruht auf vier Füßen in Form von Drachen. „Diese Symbolik wird in der sakralen Kunst oft verwendet. So sollten damals böse Einflüsse vom Gegenstand weggelenkt werden“, weiß er.

Viele Mythen, wenige Fakten

Was über den Kopf aus Bronze bekannt ist: Er war ein Geschenk, das Otto von Cappenberg erhielt von seinem Taufpaten Kaiser Friedrich I., der wegen seines roten Bartes als Barbarossa in die Geschichte einging. Später vererbte der Patenonkel dann das Bildnis an die Stiftskirche. Bekannt ist auch, dass sich Reliquien in dem Kopf befinden.

Nach einer historischen Inventarliste handelt es sich dabei um Haare des heiligen Johannes – „erstaunlich“, wie Kunsthistoriker Ulrich Rehm im vergangenen September im Interview erklärte: „Johannes wird in der traditionellen westeuropäischen Ikonografie immer als jüngerer Mann dargestellt: völlig bartlos.“

Und das ist nur eine von vielen Kontroversen und Mythen, die den Barbarossakopf so geheimnisvoll wirken lassen. Das genaue Herstellungsdatum des Kopfes ist unbekannt, muss aber zwischen 1155, der Kaiserkrönung Friedrichs I., und 1171, dem Todesjahr Ottos von Cappenberg, liegen.

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Auch die wichtigste Frage, wen das Bildnis denn nun zeigt, bleibt bis heute unbeantwortet. „Die meisten Leute stellen sich vor, es sei Kaiser Barbarossa selbst“, sagt Pater Gregor Pahl. Es handele sich um eine idealisierte Darstellung, die Eigenschaften oder besondere Züge deutlich machen, den Einzelnen aber nicht unverwechselbar abbilden. Deshalb gehen manche Historiker und Wissenschaftler davon aus, es könne sich auch um den heiligen Johannes selbst handeln.

Im Testament Ottos von Cappenberg stehe zwar, es sei ein „Kopf nach dem Bilde des Kaisers“ – aber auch hier gehen die Meinungen auseinander. „Das Lateinische differenziert nicht zwischen bestimmten und unbestimmten Artikeln. Es könnte auch das Bild eines – irgendeines – Kaisers sein“, so Pahl.

Ist der Kopf bald in Glas zu sehen?

Über dieses und alle weiteren Geheimnisse, die sich noch um den goldenen Barbarossakopf ranken, werden im nächsten Jahr Wissenschaftler und Kunsthistoriker bei einem gemeinsamen Symposium diskutieren.

Und im Jahr 2022, 900 Jahre nach der Geburt Kaiser Barbarossas und der Gründung des Cappenberger Klosters und der dafür geplanten Feier, soll dann etwas mehr Licht im Dunkeln um den geheimnisvollen Kopf und seine lange Geschichte sein. Außerdem sei eine „zeitgemäßere und offenere Präsentation“ des Kopfes in einer gläsernen Vitrine oder ähnlichem geplant.

Wer ihn jetzt sehen will, der fragt vor Ort im Pfarramt oder meldet sich unter (02306) 50511 an und wartet dann, bis erst das massive Holz und dann der blaue Stahl dem Klicken der Schlösser nachgibt.

Die Stiftskirche Cappenberg und ihr berühmtes Ausstattungsstück, der Barbarossakopf, sind anlässlich der Ausstellung „Sakrale Skulpturen“ von Gerhard Marks bis Dezember dienstags bis freitags von 13.30-17 Uhr sowie samstags und sonntags 10-17 Uhr zu sehen.
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