Die Heldinnen im Stadtbild: Wie wichtig Straßennamen sind, die nach Frauen benannt sind

rnStraßennamen in Selm

339 Straßen gibt es in Selm. Nur zwölf davon sind nach bekannten Frauen benannt. Wie kommt das? Und: Gibt es Bestrebungen, das zu ändern?

Selm

, 08.03.2019, 04:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Selma Lagerlöf, Anne Frank, Annette von Droste-Hülshoff, Käthe Kollwitz oder Marie Curie: Sie alle sind bedeutende Frauen der Weltgeschichte. Und ihnen allen wurde eine Straße (im Fall von Anne Frank sogar zwei Straßen) in Selm gewidmet. Viele weitere Frauen können dieser Liste allerdings nicht hinzugefügt werden.

In Selm gibt es insgesamt 339 Straßen. Der größte Teil von ihnen (etwa 76 Prozent) wurde nach keiner Person benannt. Da gibt es zum Beispiel den Tannenweg, Zur Schmiede oder auch den Ackerring. Von den Straßen, die nach Personen benannt worden sind, tragen mindestens 69 den Namen von bekannten Männern. Straßen, die nach Frauen benannt wurden, sind dagegen ungleich seltener: Nur 12 Straßen tragen den Namen berühmter Frauen.

Heimatvereine unterbreiten Vorschläge

„In der Regel werden die Heimatvereine von der Verwaltung angeschrieben mit der Bitte, Namensvorschläge einzureichen“, erklärt Stadtsprecher Malte Woesmann den Prozess hinter der Namensgebung. Diese Vorschläge werden dann dem Rat zur Entscheidung vorgelegt. „Dort kann es auch zu Änderungswünschen der Politik kommen“, sagt Woesmann. Die Entwicklung, mehr lokale Verdienstträger mit einem Straßennamen zu würdigen, sei in den vergangenen Jahren entstanden, sagt Maja Werlich, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt.

„Früher haben nur große Namen einen Straßennamen bekommen“, sagt Werlich. Eine Adenauerstraße gebe es zum Beispiel fast überall.

Was sich aber ebenfalls geändert habe, ist, dass Frauen stärker in den Fokus genommen werden. Sie erinnert an das Frauenwahlrecht, das gerade erst seinen 100. Geburtstag gefeiert hat und sagt: „Es hätte vor 100 Jahren sicher kaum jemand daran gedacht, Straßen nach Frauen zu benennen.“ Gerade in den letzten Jahrzehnten habe das Bestreben zugenommen, sich für mehr Gleichberechtigung einzusetzen. Dazu zählt auch die Repräsentanz von Frauen im öffentlichen Raum – wie zum Beispiel auf Straßennamen.

„Frauen machen 50 Prozent der Gesellschaft aus und das soll man auch sehen“, findet Maja Werlich. „Die Verdienste, die Frauen geleistet haben, sind oft gar nicht bekannt, ein Straßenschild, vielleicht noch mit Erklärung, hilft dabei, sich mit der Person auseinanderzusetzen.“

Eine Vorgabe, um zukünftig verstärkt auf Frauennamen zu setzen, gibt es allerdings nicht. „Es ist aber durchaus denkbar, über dieses Thema politisch diskutieren zu lassen“, sagt Malte Woesmann. Wichtig sei bei den Straßennamen jedenfalls eine ausgewogene Mischung. „Es müssen jedoch nicht nur Straßennamen sein, die von einer Person abgeleitet sind“, sagt Woesmann. Beim Baugebiet Klockenberg habe sich die Verwaltung zum Beispiel bewusst dazu entschieden, Namen zu verwenden, die an die Bergbaugeschichte der Stadt Selm erinnern.

Gesellschaftliche Entwicklung abbilden

„Es wäre schön, wenn das Straßenbild die gesellschaftliche Veränderung abbildet und Frauenhelden zeigt“, findet auch die Historikerin und Autorin Yvonne Schymura. Die Bochumerin forscht zur Geschichte über herausragende Frauen und hat in dieser Funktion auch am Mittwoch in der alten Borker Synagoge auf Einladung der VHS einen Vortrag über Käthe Kollwitz – der ebenfalls eine Selmer Straße gewidmet ist – gehalten.

Ihr Sohn zum Beispiel lerne gleichermaßen männliche als auch weibliche Helden kennen. Pippi Langstrumpf dürfe er genauso kennenlernen, wie auch männliche Helden. „Es ist wichtig, Vorbilder zu haben und dabei auch Vielfalt zu zeigen“, findet Schymura. Und diese Vorbilder dürfen auch auf Schildern stehen.

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