Das Schulzentrum an der Südkirchener Straße in Selm ist groß. Zwei Schulformen teilen sich die Räume: die Sekundarschule und die Realschule. Obwohl: Teilen wäre zu viel gesagt.

Selm

, 04.01.2019, 05:06 Uhr / Lesedauer: 7 min

Drei Klassen in der zweiten Etage im Übergang zwischen Alt- und Neubau. Das ist übrig geblieben von der Selmer Otto-Hahn-Realschule. Der zehnte Jahrgang ist der letzte, der dort unterrichtet wird. 80 Schüler, betreut von sieben Lehrern. Hier sind in der Spitze rund 840 Mädchen und Jungen zur Realschule gegangen. Ein Zehntel sind es jetzt. Weil die Selmer Politik die Selmer Schullandschaft komplett verändert hat. Und zwar mit der Entscheidung, die Realschule und auch die Hauptschule auslaufen zu lassen und die Sekundarschule als völlig neue Schulform für Selm zu gründen, Unter anderem mit der Folge, dass im Sommer Schluss ist mit der Realschule Selm. 1921 gegründet, wird sie das 100-jährige Bestehen nicht schaffen.

Die letzten Mohikaner: 80 Schüler und sieben Lehrer im letzten Jahr der Realschule

Dieser Flur ist der Realschule vorbehalten. Für drei Klassen. © Arndt Brede

Atmosphäre ist familiär

Es ist ruhig auf jenem Flur in der zweiten Etage, der der Realschule im großen Schulzentrum an der Südkirchener Straße vorbehalten ist. Vereinzelt hängen Jacken an Haken. Manchmal das einzige sichtbare Lebenszeichen der Realschule. Für Christiane Kräling-Lietzke, die Leiterin der Otto-Hahn-Realschule, muss das ein merkwürdiges Gefühl sein. Oder?

„Es ist sehr familiär“, sagt die 59-Jährige. Es ist kein bisschen Ironie aus diesem Satz herauszuhören. „Wir können uns ganz intensiv um die einzelnen Schüler kümmern.“ Der nächste Satz lässt ahnen, wie sie fühlt: „Es ist jetzt ganz anders.“ Es sei wirklich eine Art Abschied. Dieses Wort „anders“ im Satz davor. Was ist anders im Vergleich mit früheren Zeiten, als die Jahrgänge 5 bis 10 die Realschulräume belebten? „Wir haben jetzt eine homogene Alterstruktur“, sagt sie. Homogen, weil ja nur noch Zehntklässler hier unterrichtet werden. „Uns fehlen die Kleinen“, erklärt die Leiterin. „Die sind zwar anstrengend“, sagt sie lächelnd, „aber genau das fehlt irgendwie.“ Eben die Altersmischung.

Die letzten Mohikaner: 80 Schüler und sieben Lehrer im letzten Jahr der Realschule

Christiane Kräling-Lietzke leitet die Otto-Hahn-Realschule. Mit sechs Lehrern betreut sie die verbliebenen 80 Realschüler im letzten Schuljahr. © Arndt Brede

Organisatorisch fällt viel weg

Anders als früher ist auch die Größe des Kollegiums. „Mit mir sind wir nur noch sieben. Wir waren mal mehr als 40.“ Organisatorisch falle viel weg. Beispiel: Der Stundenplan lasse sich jetzt einfacher gestalten. Stichwort Vertretungspläne: „Wenn hier jemand fehlt, ist das bei der Größe des Kollegiums schon eine Katastrophe. Fehlen zwei von sieben müssten wir schon mal darüber nachdenken, eine Klasse zu Hause zu lassen.“ Das sei aber noch nicht vorgekommen. „Einmal waren wir kurz davor. Aber ich habe dann auf eine Fortbildung verzichtet, um Vertretungsunterricht zu übernehmen.“

Zusammenhalt im Kollegium ist sehr groß

Betrachtet man die Rahmenbedingungen in Sachen Größe des Kollegiums, ist schwer vorstellbar, dass die verbliebenen Pädagogen angesichts der nur noch wenige Monate dauernden Dienstzeit in Selm überhaupt noch motiviert sind. Die Antwort Christiane Kräling-Lietzkes zerstreut diese Gedanken: „Der Einsatz, der Zusammenhalt im Kollegium ist sehr groß.“ Und das, obwohl der Schock 2014, als klar war, dass die Realschule als Schulform in Selm keine Zukunft haben würde, groß war. So groß, dass damals jemand eine Todesanzeige an das schwarze Brett geheftet hat. Selbst gestaltet. Wie eine echte Anzeige aufgebaut. „Der Tod mag kommen, wann er will, stets kommt er zu früh und unerwartet“, ist dort unter anderem zu lesen.

Eltern waren beunruhigt

Wie haben denn die Eltern reagiert? „Dass Lehrer gegangen sind, weil die Schule ausläuft, hat die Eltern beunruhigt“, erzählt Christiane Kräling-Lietzke. Sie hätten befürchtet, dass ihre Kinder nicht genügend Unterricht bekommen. Denn das Prinzip ist so: Die Realschule nahm keine Fünftklässler mehr auf, also mussten Lehrer die Schule verlassen und bekamen neue Jobs. Immer wenn dann ein Jahrgang den Abschluss gemacht hat, schrumpfte die Schule und also mussten wieder Lehrer gehen. Hinzu sei gekommen, dass ja auch Lehrer pensioniert wurden. Was auch mal zur Folge hatte, dass die Realschule auf einmal vier Mathematiklehrer weniger hatte. „Wir hatten auch mal Zeiten, da konnten wir nicht in vollem Umfang, das heißt im vorgesehenen Wochenstundenrahmen, unterrichten.“

Bürgermeister hat sein Versprechen gehalten

Die Angst der Eltern, ihre Kinder würden nicht genügend Förderung bekommen, habe sie ihnen nehmen können, sagt die Konrektorin. „Wir bemühen uns nämlich sehr, hier den Unterricht im vorgesehenen Rahmen zu erteilen.“ Zumal Bürgermeister Mario Löhr im Vorfeld der politischen Entscheidung über die Neugestaltung der Selmer Schullandschaft versichert hatte, dass diejenigen, die bis zum Auslaufen der jeweiligen Schulform noch auf der Schule sein würden, jede Förderung und Unterstützung bekommen würden, die ihnen zusteht. Keine Schule werde vernachlässigt, jeder der Schüler könne ganz normal seinen Abschluss machen. „Unsere Befürchtung war, dass wir hier aus dem Gebäude irgendwann raus müssten“, berichtet Christiane Kräling-Lietzke. Denn die Sekundarschule würde wachsen und immer mehr Raum benötigen. „Da hat uns Bürgermeister Mario Löhr aber zugesichert, dass wir uns darauf verlassen könnten, dass wir bis zum Ende im Gebäude bleiben dürften.“ Insofern habe der Bürgermeister sein Versprechen gehalten.

Einige mussten in andere Städte

Es habe aber auch Schwierigkeiten gegeben. „Schüler konnten hier wegen des Auslaufens den Jahrgang nicht mehr wiederholen, weil es unter ihnen keinen Jahrgang mehr gab. Einige mussten dann zu Realschulen in anderen Städten wechseln.“ Und die Sekundarschule war voll, habe in entsprechenden Jahrgängen niemanden mehr aufnehmen können. „Das hätte man von vornherein anders regeln müssen; man hätte Plätze frei halten müssen“, sagt sie an die Adresse der Stadt als Schulträger.

In die politische Entscheidung nicht eingebunden

In die letztendliche politische Entscheidungsfindung, ob in Selm eine Sekundarschule gegründet werden soll und damit Real- und Hauptschule auslaufen würden, sei die Realschule nicht eingebunden gewesen, sagt die Konrektorin. Mit der Entscheidung für das Auslaufen der Hauptschule zugunsten einer Schule des längeren gemeinsamen Lernen, eben der Sekundarschule, sei auch das Schicksal der Realschule besiegelt gewesen. „Die Sekundarschule kann alle Schüler aufnehmen, und deshalb war auch das ,Kapitel Realschule‘ in Selm damit erledigt“, sagt Christiane Kräling-Lietzke als Erklärung. Gefallen habe ihr das ganz und gar nicht. Im Gegensatz zur Hauptschule, die mit Mühe einzügig gelaufen sei, sei die Situation an der Realschule anders gewesen: „Wir waren eine lange Zeit lang vier- und sogar fünfzügig.“ Das sei eines von vielen Argumenten pro Erhalt der Realschule. Ein weiteres: „Wir garantieren eine solide, gute und breit gefächerte schulische Bildung für die Schüler. Die Betriebe haben unsere Schüler sehr gern genommen. Die Gesamtschulen und die Gymnasien, an denen unsere Schüler Abitur gemacht haben, haben uns positive Rückmeldungen gegeben. Viele Schüler selbst haben uns im Nachhinein bestätigt, wir hätten sie super vorbereitet.“ Die Realschule sei ein stabiles System gewesen. Eine gute Schulform, die sehr gefragt gewesen sei, die von den Bürgern angenommen und von der Politik anerkannt worden sei.

Immer noch enttäuscht und traurig

Am Anfang, als klar war, dass die Realschule auslaufen würde, seien die Lehrer sauer gewesen. „Wir wollten keine Politiker mehr sehen“, erzählt die Konrektorin. Mittlerweile seien sie nicht mehr sauer. „Aber wir sind alle sehr enttäuscht und traurig.“ Im Moment herrsche eine Stimmung wie auf der Titanic - nach dem Rammen des Eisbergs: „Die Spitze des Schiffs ragt noch aus dem Wasser. Doch das Orchester stimmt schon die Instrumente für das Schlussstück…“

Die letzten Mohikaner: 80 Schüler und sieben Lehrer im letzten Jahr der Realschule

Den mittlerweile größten Anteil der Schüler im Schulzentrum an der Südkirchener Straße machen die Sekundarschüler aus. © Arndt Brede

Grundsätzlich nettes Auskommen mit der Sekundarschule

Die Schüler selber belaste die Tatsache, dass sie die letzten Realschüler im Gebäude sind, auch: „Die sind manchmal genervt; manchmal gibt es Konkurrenzdenken zwischen Sekundar- und Realschülern.“ Warum? Christiane Kräling-Lietzke nennt ein markantes Beispiel: „Wir haben ein striktes Verbot, im Gebäude Kappen zu tragen. Die haben wir an uns genommen und die Schüler konnten sie nach dem Unterricht wieder abholen. Die Sekundarschüler tragen aber zum Teil im Gebäude Kappen.“ Grundsätzlich sei es aber ein nettes Auskommen mit der Sekundarschule, auch auf der Schulleitungsebene.

Die letzten Mohikaner: 80 Schüler und sieben Lehrer im letzten Jahr der Realschule

Im Sommer wird es die letzte Abschlussfeier der Realschule Selm geben. Die Schüler werden dann an ihrer weiteren Zukunft außerhalb der realschule feilen. So, wie die besten Absolventen des 2018er Zehnerjahrgangs der Otto-Hahn-Realschule. © Beate Dorn (A)

Lehrer verwöhnen die Schüler

Nun werden die sieben Lehrer also die letzten Monate alles daran setzen, um ihren Schülern dabei zu helfen, ihre Zukunft zu gestalten. Sie halten sich dabei strikt an die Schulvereinbarung. „Sie haben sich unter anderem dazu verpflichtet, „den Unterricht interessant und motivierend zu gestalten; dafür Sorge zu tragen, dass jedes Kind sein Leistungspotenzial ausschöpfen kann“. Meist gehen die Lehrer noch über diese pädagogisch motivierten Verpflichtungen hinaus, wie Christiane Kräling-Lietzke berichtet: „Wir verwöhnen unsere Schüler regelrecht, liefern ihnen zum Beispiel Getränke und Sitzkissen.“

Die letzten Mohikaner: 80 Schüler und sieben Lehrer im letzten Jahr der Realschule

Die Realschüler haben Spuren im Gebäude hinterlassen. Unter anderem durch dieses Bild, auf dem alle Realschüler einst in Zusammenarbeit mit dem Künstler Heinz Cymontkowski ihre Handabdrücke verewigt haben. © Arndt Brede

Motivation aus vertrautem Umgang

Die Motivation dazu, die letzten Monate professionell durchzuziehen, bekommen die Lehrer aus dem vertrauten Umgang mit den Schülern. „Wir können uns jetzt noch intensiver um die Schüler kümmern.“ Die Schüler haben die volle Aufmerksamkeit der Lehrer. Das liege auch an der Tradition der Realschule: „Wir haben uns ja immer schon um unsere Schüler gekümmert. Aber ich habe das Gefühl, dass wir, seitdem klar ist, dass die Schule auslaufen wird, immer noch mehr in Richtung unserer Schüler denken und arbeiten.“ Sodass möglichst alle Schüler letztendlich ihren Realschulabschluss machen können. Dabei gebe es auch viele Gespräche mit den Ansprechpartnern für die Studien- und Berufsorientierung, dem Berufsberater und mit den Eltern. Die Zukunft der Schüler soll schließlich gesichert sein.

39 Ausbildungsverträge im Handwerk im Jahr 2017

Das Auslaufen einer Schulform wie der Realschule hat auch Auswirkungen auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Bei der Handwerkskammer Dortmund kann Katja Höckmann, Assessorin Berufsbildungsrecht, Zahlen und Einschätzungen der Entwicklung liefern. „Im Jahr 2017 sind in Selm 39 Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Acht Auszubildende verfügten über den Hauptschulabschluss und 25 über einen Realschulabschluss.“ Grundsätzlich sei das Gros der Auszubildenden im Handwerk Absolventen der Haupt- und Realschulen (im Jahr 2017 33 Prozent Hauptschulabschluss und 40 Prozent Realschulabschluss). „Das trifft auch auf die Auszubildenden in den Handwerksbetrieben in Selm zu. Bezogen auf die letzten fünf bis zehn Jahre.“

Arbeitsplatz nahezu gesichert

Die Frage, wie viele dieser Schüler die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, beantwortet die Assessorin so: „Die Prüfungsstatistik ist nicht nach Städten oder Kreisen aufgebaut, daher kann keine genaue Aussage für Selm getroffen werden. Die Bestehensquote im Jahr 2017 lag im Kammerbezirk bei 80,61 Prozent. Somit lässt sich daraus ableiten, dass mit einer Berufsausbildung im Handwerk bei der derzeitigen Konjunkturlage und drohendem Fachkräftemangel ein Arbeitsplatz im Anschluss an die Berufsausbildung nahezu gesichert ist.“

Und in welche Branchen sind diese Schüler gestoßen? Die Auszubildenden aus Selm 2017 seien überwiegend in den Gewerken KFZ (18), Elektro (4) und Sanitär-Heizung (3) zu verzeichnen.

Handwerk bedauert Auslaufen der Schulformen

Die Entwicklung der Schullandschaft in Selm geht laut Katja Höckmann nicht spurlos an der Handwerkskammer vorbei: „Das Handwerk bedauert es, dass nun auch in Selm die beiden Schulformen Haupt-und Realschule auslaufen und sich damit auch in den ländlichen Bereichen des Handwerkskammerbezirks der Trend zum Abitur als allein anzustrebendem Schulabschluss fortsetzt.“ Das Handwerk generiere nach wie vor den Großteil der Auszubildenden und damit die Fachkräfte von morgen aus den Absolventen der Haupt- und Realschulen. „Daher sind wir mit dieser Entwicklung nicht zufrieden, sondern sehen die Gefahr, dass immer mehr junge Menschen zum Abitur und in das Studium geleitet werden. Gegen diesen Akademisierungstrend wirbt das Handwerk mit der Imagekampagne.“ Denn es zeige sich an den hohen Abbrecherquoten der Studierenden (32 Prozent laut Handwerkskammer), dass nicht jeder mit dem Studium erfolgreich und zufrieden sei. „Mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung im Handwerk mit den entsprechenden Karrieremöglichkeiten nach der Ausbildung, ob zur fortgebildeten Fachkraft, zum Meister, zum Betriebswirt im Handwerk oder als selbstständiger Unternehmer, findet jeder junge Mensch die für ihn passende berufliche Erfüllung.“

In allen Handwerksbranchen gern gesehen

Wobei Absolventen der Haupt- und Realschulen in allen Branchen des Handwerks gern gesehen seien. „In den technischen Gewerken sind die Anforderungen allerdings einhergehend mit der technischen Entwicklung gestiegen, sodass in diesen Bereichen ein besonders gutes mathematisch-technisches Verständnis erforderlich ist. Aber auch mit einem guten Hauptschulabschluss stehen diesen Absolventen viele Wege in das Handwerk offen.“

Die letzten Mohikaner: 80 Schüler und sieben Lehrer im letzten Jahr der Realschule

Zwei Jahre baute sie die Sekundarschule in Selm auf, dann wechselte Diana Post in die Schulaufsicht nach Arnsberg. Und ist jetzt für die Otto-Hahn-Realschule zuständig. © Tobias Weckenbrock (A)

Lehrer sind nun Versorgungsfälle

Keine schlechten Aussichten also für die Zehntklässler des Jahres 2018. Was geschieht aber mit den Lehrern, wenn die Realschule als Schulform in Selm nicht mehr existiert? „Wir sind alle sogenannte Versorgungsfälle“, meint Christiane Kräling-Lietzke. „Die Bezirksregierung Arnsberg muss uns unterbringen.“ Die meisten haben inzwischen schon eine neue Schule gefunden, dank der Unterstützung der zuständigen schulfachlichen Dezernentin bei der Bezirksregierung Arnsberg. Die bemühe sich sehr um die Realschule Selm, spreche häufig mit dem Kollegium. „Sie setzt sich für jeden ein.“ Jene schulfachliche Dezernentin bei der Bezirksregierung weiß übrigens sehr genau, was in Selm passiert. Diana Post war die erste Leiterin der gerade neu gegründeten Sekundarschule Selm, bevor sie nach Arnsberg wechselte.

Zwei Angebote für die Konrektorin

Christiane Kräling-Lietzke hat sich noch nicht entschieden, wohin es sie verschlagen wird. „Ich habe zwei Angebote.“ Sie wolle auf jeden Fall wieder an eine Realschule, erklärt die Münsteranerin. „Mein Herz schlägt für die Realschule.“ Am Anfang des neuen Jahres müsse sie sich entscheiden. Christiane Kräling-Lietzke ist seit 19 Jahren an der Otto-Hahn-Realschule. Damals habe sie als zweite Konrektorin angefangen. Später war sie erste Konrektorin. Nachdem im Sommer 2014 Guido Fleige, der damalige Realschulleiter, die Schule verlassen hatte, leitete sie die Schule. Kommissarisch. Zunächst gemeinsam mit Kirsten Wever. Nach deren Weggang allein, unterstützt von Lehrerin Martina Steinbrecher.

Die letzten Mohikaner: 80 Schüler und sieben Lehrer im letzten Jahr der Realschule

Nach dem Sommer, also nach dem letzten Schuljahr der Otto-Hahn-Realschule, wird der Name der Realschule verschwinden. Dann wird nur noch der Name der Sekundarschule dort stehen. © Arndt Brede

Die letzten wenigen Monate in der Realschule Selm. Anders als früher. Auch für Christiane Kräling-Lietzke: „Manchmal komme ich ins Lehrerzimmer und niemand ist da...“

Die Vorgeschichte der Schulentwicklung Zwei Dinge hatten die Selmer Politiker bewogen, das Konzept der Sekundarschule ins Auge zu fassen. Zum einen seien die zurückgehenden Schülerzahlen ein Grund umzudenken, so erklärte es Beigeordnete Sylvia Engemann vor dem entscheidenden Ratsbeschluss 2013 zur Gründung einer Sekundarschule. Bis zum Jahr 2022/2023 rechne die Politik mit einem mittleren Schüleraufkommen von etwa 151 Schülern für die Jahrgangsstufe fünf, was einem Rückgang um rund 30 Prozent gegenüber dem Schuljahr 2012/2013 (215 Schüler) enspreche. Zum anderen sei das veränderte Elternwahlverhalten ein Grund. Bei der Hauptschule habe es damals für das Schuljahr 2013/2014 nur 18 Anmeldungen gegeben. „Es ist für die Zukunft nicht zu erwarten, dass es mehr werden“, so Engemann damals. Viele Eltern hätten für ihre Kinder die auswärtigen Gesamtschulen gewählt. Mit der Sekundarschule wolle man dieses Verhalten aufgreifen und ein Angebot in Selm schaffen. Am 6. Juni 2013 fällte der Rat dann gegen zwei Stimmen aus der UWG-Fraktion den Beschluss, die Sekundarschule zum Schuljahr 2014/2015 zu gründen. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Schulaufsicht und einer genügenden Anzahl von Anmeldungen für die Sekundarschule sollten Haupt- und Realschule ab dem Schuljahr 2014/2015 keine Eingangsklassen mehr bilden. Es gab genügend Anmeldungen für die Sekundarschule. Die letzten Jahrgänge der Haupt- und der Realschule werden in diesem Sommer entlassen.
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt