Diesen Selmer Glückspilz gibt es gar nicht: Nicole Eichel ist Teil eines miesen Schwindels

rnMiese Masche

Nicole Eichel (26) aus Selm strahlt auf dem Foto. Kein Wunder: Sie hat laut der englischsprachigen „Finance Times“ mit 24 Euro Einsatz 167.346 Euro gewonnen: alles nur eine miese Masche.

Selm

, 04.10.2019, 15:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wenn Sie in Deutschland leben und leicht etwas mehr Geld verdienen möchten, ist dies möglicherweise der aufregendste Artikel, den Sie jemals gelesen haben.“ So lautet der erste Satz eines englischsprachigen Artikels, den die „Finance Times“ veröffentlicht hat. Viele lesen da weiter - auch Ashwin Raman, Dokumentarfilmer aus Selm.

Einige Zeilen weiter ist er elektrisiert, denn er stößt auf eine blonde junge Frau namens Nicole Eichel, die ausgerechnet aus Selm stammt und jetzt unverhofft internationale Bekanntheit erlangt hat. Sie hatte laut „Finance Times“ beim Spielen mit 24 Euro Einsatz 167.346 Euro gewonnen.

Diesen Selmer Glückspilz gibt es gar nicht: Nicole Eichel ist Teil eines miesen Schwindels

Ashwin Raman (l., im Gespräch mit Elmar Theveßen vom ZDF) ist auf den Casino-Schwindel mit der angeblichen Selmerin gestoßen. © Sylvia vom Hofe

Das wäre kein Thema für das angeblich seriöse Nachrichtenportal, das sich nicht zufällig so ähnlich nennt wie die renommierte „Financial Times“. Allerdings gebe es neben dem Glückspilz aus Selm noch einen Unglücksraben: den Manager Kevin Boehm.

Glückspilz und Unglücksrabe

Auch sein vermeintliches Foto ist abgebildet: Es zeigt einen seriös gekleideten Mann mit Seitenscheitel. Boehm sei deutscher CEO eines Online-Casinos, der Winner AG, ist zu lesen: ein Mann, dem ein folgenschwerer Fehler unterlaufen ist, der ihm den Job gekostet hat - anderen wie Nicole Eichel dafür hohe Gewinne gebracht hat und dem Unternehmen einen Schaden von mehr als 600.000 Euro.

Der inzwischen gefeuerte „Manager“ habe irrtümlich jedem Online-Spieler 350 Euro Gratis-Spielguthaben zugesprochen. Tausende hätten damit schon Jackpots geknackt - wie die junge Selmerin. Spielguthaben für lau? Zu schön, um wahr zu sein.

Ashwin Raman erfährt am 26. September bei der Lektüre, dass Boehms fehlerhaften Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) noch bis zum Monatsende Gültigkeit habe. Am Freitag, 4. Oktober, liest sich der Beitrag fast genauso - nur, dass der angebliche Vertrag noch bis zum 5. Oktober laufe. Der Trick wird offensichtlich.

Versuch, Menschen ins Online-Casino zu locken

„Es geht darum, zum Spielen zu verleiten“ und zum Profitieren vom angeblichen Fehler, steht für den Filmemacher Raman inzwischen fest. Bei der ersten, flüchtigen Lektüre hatte sich auch der kritische Filmemacher für die angebliche Selmer Mitbürgerin gefreut, die es freilich überhaupt nicht gibt.

Nicole Eichel aus Selm heißt in Schweden Marta Öberg und in Österreich noch anders. Das Foto ist immer dasselbe und die Geschichte ebenfalls - eine miese Masche, die bereits Anfang 2018 in Österreichischen Medien für Aufsehen sorgte.

Hunderte seien darauf hereingefallen, schrieb damals die Kronen-Zeitung, Österreichs größte Tageszeitung. In der „Heute“ war zu lesen: „Alle Links führen zu demselben Anmeldeformular des Online-Casinos mit Sitz in Malta.“ Ein groß angelegter Schwindel, der gerade eine Neuauflage erlebt.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt