Dieses Olfener Pferd macht Sitz und gibt die Pfote

Whify kann Kunststücke

Wenn Gandalf im "Herrn der Ringe" seinen Hengst Schattenfell ruft, kommt der sofort angaloppiert. Und der Zauberer reitet ohne Sattel und Zügel. Toll, denkt man. Doch das Duo Lara Strohdiek und ihr Pferd Whify aus Olfen können noch mehr: Wie ein Hund macht der Schimmel sogar Sitz und gibt Pfote - pardon: Huf.

OLFEN

, 30.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Dieses Olfener Pferd macht Sitz und gibt die Pfote

Pfötchen geben kann doch jeder - Lara aus Olfen hat es ihrem Pferd Whify beigebracht.

Es gibt Filmszenen, die sich einprägen. Eine davon stammt aus dem „Herrn der Ringe“, und darin steht der Zauberer Gandalf auf einer Wiese und pfeift. Wie aus dem Nichts kommt der weiße Hengst Schattenfell angaloppiert. Er erlaubt Gandalf, auf ihm zu reiten – ohne Sattel und Zügel.

Als die 21-jährige Olfenerin Lara Strohdiek an einem regenverhangenen Tag am Rand der Koppel steht und pfeift, dauert es ebenfalls nur wenige Sekunden, bis ein weißes Pferd angaloppiert kommt. Es ist nicht Schattenfell, sondern „White Fire“ (Weißes Feuer), kurz Whify genannt. Aber er ist genauso schön wie das Pferd des Zauberers.

Fünf Jahre alt war der Wallach (also kastrierter Hengst), als Lara ihn bekam. „Da war ich gerade fünfzehn“, erinnert sie sich. Nach mehreren Reitbeteiligungen hatte ihre Mutter Gaby damals gemerkt, dass es ihr ernst war mit den Pferden. „Ich habe ihr gesagt: Wenn du einen Job findest und finanziell etwas mithilfst, kannst du dir ein Pferd kaufen“, erzählt die 53-Jährige.

Zwei Tage später hatte Lara einen Job, und kurz darauf hatte sie im Internet zwei Pferde gefunden, die ihr gefielen: Whify und seinen Bruder Texas, die in der Nähe von Erfurt standen. Sofort fuhren Mutter und Tochter los.

Während Lara erzählt, putzt sie ihr Pferd. Whify lässt sich geduldig abbürsten. „Na, du Hübscher?“, sagt Lara zu ihm, während sie die Schweifhaare kämmt. Weil er noch nass ist vom Regen, erkennt man, dass Whify gar kein echter Schimmel ist. Das Fell ist zwar weiß, doch die Haut zeigt große scheckige Flecken. Nicht ungewöhnlich, schließlich steckt neben dem Araber auch zur Hälfte amerikanisches Quarterhorse in ihm. Und die sind häufig gescheckt.

Whify bleibt immer an Laras Seite

Ein holperiger Start sei es gewesen, mit ihr und Whify. „Schon beim Probereiten rannte er im Galopp immer sofort los. Ich hatte Schiss, dass er sich dabei mal hinlegt“, erinnert sich die Studentin. „Außerdem ist er gestiegen.“ Trotzdem entschied sich die junge Frau für den Wirbelwind.

Auf dem Weg zur Weide folgt ihr der Wallach wie ein Hund. Ein Halfter trägt er nicht, nur einen Halsring. Und dann geht es los: Lara geht, Lara läuft, Lara galoppiert über die Wiese – und das Pferd bleibt immer an ihrer Seite. Wie ein Hund, der „bei Fuß“ geht. Als sie sich dreht und ein Zeichen gibt, steigt Whify. Und zwar auf Kommando.

Setzt sich gern in Szene

„Er braucht Beschäftigung, und ich habe gemerkt, dass er diese spielerischen Ansätze in seinem Verhalten hat. Deshalb habe ich angefangen, mit ihm zu trainieren“, sagt Lara. „Man merkt, dass es von ihm kommt, er hat seinen Spaß dabei.“ Der Wallach gibt ihren Worten Recht: Man merkt, dass er sich gerne vor der Kamera in Szene setzt. Übermütig apportiert er sogar die Gerte.

Jeden Tag schafft Lara es nicht zu Whify, denn sie studiert in Münster. Aber jedes Wochenende und in den Semesterferien sind die beiden zusammen. Manchmal reiten sie einfach aus, und manchmal trainieren sie.

Viel Vertrauen nötig

Eine der schwersten Übungen sei das Hinlegen gewesen, abgeleitet von der Verbeugung, die auch „Kompliment“ genannt wird. „Dafür haben wir zweieinhalb Jahre gebraucht.“ Heute dauert es keine zweieinhalb Minuten, bis Whify auf der Wiese sitzt. Dann legt er sich hin. Lara kuschelt sich an ihn, setzt sich dann auf ihr liegendes Pferd. Das braucht Vertrauen.

Kurz darauf steht Whify wieder auf, hebt Lara mit hoch. Gemeinsam galoppieren sie jetzt über die Wiese, wieder ohne Sattel und Zügel. Und dann steigt das weiße Pferd mit seiner Reiterin auf dem Rücken.

Schattenfell kann einpacken.

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