Künftig gibt es die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in digital - aber es gibt noch einige Unwägbarkeiten. © picture alliance/dpa
Meinung

Digitale AU: Politik setzt unrealistische Fristen auf Kosten der Ärzte

Ab dem 1. Oktober ist der gelbe Schein digital. Aber es gibt noch viele Fragezeichen, ob alles klappt. Die Politik setzt unrealistische Fristen auf Kosten der Ärzte, meint unsere Autorin.

Stellen Sie sich vor, Sie sind krank und müssen keine Arbeits-Unfähigkeitsbescheinigungen mehr verschicken. Es könnte so schön sein – und das sogar schon ab dem 1.10.

Aber – jetzt kommen viele Wenns und Abers: Zum einen, soll erstmal nur das Verschicken an die Krankenkasse automatisiert klappen. Nicht an den Arbeitgeber. Aber das klappt nur, wenn alle Ärzte schon funktionierende Technik vor Ort haben. Und selbst dann, klappt das nur, wenn auch die eigene Krankenkasse schon zur Datenübermittlung bereit ist.

Auf diese Form der Digitalisierung haben sicher viele Bürger schon sehnlichst gewartet – und die Fristen wurden wegen Corona ja auch schon nach hinten korrigiert. Trotzdem: Gerade für die Arztpraxen, die unter Corona schon genug stemmen mussten, wäre es wichtig, dass realistische Fristen von der Politik gesetzt werden.

Eine Praxis kann nichts dafür, wenn nötige Geräte nicht geliefert werden können, oder das dafür nötige Software-Update noch fehlt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aber im Zweifel die, die den Frust der Patienten abkriegen. „Die Praxen sind kein Versuchslabor für die digitalen Wunschvorstellungen der Politik“, kritisiert zum Beispiel der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. So sehe ich das auch: Versprechen der Digitalisierung und Zeitpläne sind gut und schön. Aber dann müssen sie auch realistisch sein und gehalten werden.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder