Doch noch mal Berufung: Vorbestrafter Selmer trifft auf milden Staatsanwalt

Landgericht Dortmund

In letzter Sekunde hat ein vielfach vorbestrafter Selmer den erneuten Gang ins Gefängnis abgewendet. In der Berufung in Dortmund traf er auf einen milde gestimmten Staatsanwalt.

Selm

, 25.02.2019 / Lesedauer: 2 min

Mit 41 Jahren steht der Angeklagte an der vielleicht entscheidenden Wegkreuzung seines Lebens. Schafft er jetzt nicht, richtig abzubiegen, ist ein Leben mit neuerlichen Straftaten und Gefängnisaufenthalten fast schon programmiert. Doch der Selmer hat anscheinend begriffen und kämpft um seine allerletzte Chance.

Gefälschter Auszahlungsbeleg

Dass er mit Mai 2017 bei der Volksbank Selm-Bork einen gefälschten Auszahlungsbeleg einreichte und sich damit 800 Euro Bargeld vom Konto eines wildfremden Mannes erschlich, hat der Mann gleich zugegeben. Damals war er allerdings noch voll "auf" Heroin und brauchte jeden Cent, um seine Sucht zu befriedigen.

Heute sieht das zum Glück anders aus. Und das hat der 41-Jährige vor allem seiner eigenen Beharrlichkeit zu verdanken. Als er nach dem Betrug samt Urkundenfälschung einmal mehr für eine ältere Straftat in Haft musste, beschloss er, die Zeit in Unfreiheit sinnvoll zu nutzen. Er besorgte sich einen Job und schaffte es damit sogar, in den offenen Vollzug zu gelangen. Anderthalb Jahre arbeitete er auf diese Weise in Vollzeit im Straßenbau - und wurde nach seiner Haftentlassung prompt übernommen.

Entgiftung und Therapie

Dem Heroin hatte er in der Zwischenzeit parallel entsagt. Einer Entgiftung ließ er eine mehrwöchige Therapie folgen. Heute gilt er als clean.

Angesichts dieser guten Vorzeichen wollte vor allem der Staatsanwalt am Montag vor dem Dortmunder Landgericht kein "Spielverderber" sein. Die Berufung, die die Behörde gegen das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Lünen (sechs Monate Haft auf Bewährung) eingelegt hatte, nahm der Sitzungsvertreter schnell zurück. "Wir versuchen es noch einmal mit ihnen", sagte er dem 41-Jährigen, warnte aber sogleich: "Nutzen sie das bitte als Chance. Viele werden sie jedenfalls nicht mehr bekommen."

Lesen Sie jetzt