Döner heißt vielerorts nicht mehr Döner - Auch in Selm gibt es schon die „Drehspieß-Tasche“

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Wann darf ein Döner auch Döner heißen? Dafür gibt es bestimmte Vorgaben. In einer Dönerbude in Selm ist der Döner schon passé. Drei Imbiss-Inhaber sagen ihre Meinung zur „Drehspieß-Tasche“.

Selm, Bork

, 01.03.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In vielen Dönerbuden ist der Döner inzwischen von der Speisekarte verschwunden. Die beliebten fleischgefüllten Brottaschen gibt es weiterhin zu kaufen, allerdings unter einem anderen Namen: „Drehspieß-Tasche“.

Grund für die Umbenennung des Döners in vielen Imbiss-Buden ist ein Leitsatz für Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuchs von 1997 - eine Art bundeseinheitliches Reinheitsgebot.

Hackfleischanteil darf höchstens 60 Prozent betragen

Darin ist geregelt, was in welche Speise darf. Danach enthält Döner Kebab nur grob entsehntes Schaf- und/oder Rindfleisch, was in dünnen Scheiben auf einen Drehspieß gesteckt wird. Daher auch der Name: Das türkische Wort „döner“ heißt übersetzt „sich drehend“. Ein mitverarbeiteter Hackfleischanteil darf höchstens 60 Prozent betragen.

Beim Günes-Grill an der Kreisstraße in Selm ist im Zuge des Inhaberwechsels Anfang 2020 auch die Speisekarte erneuert worden. Aus der Dönertasche wurde die Drehspieß-Tasche.

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„Vor einem Jahr war jemand vom Gesundheitsamt bei uns und meinte, wir müssen die Dönertasche umbenennen. Das ist passiert, als ich den Laden übernommen habe“, sagt Baran Günes. Er erklärt, dass er nicht sofort zum Handeln gezwungen war. „Ich musste das erst veranlassen, als ich die Karte neu gestaltet habe.“

Drehspieß-Tasche? „Das bestellt doch keiner“

Harun Bostanci, Inhaber von Harun‘s Döner und Pizza am Alten Kirchplatz in Selm, hätte mit einer etwaigen Namensänderung nicht allzu große Probleme. In dem Laden hängen Bildschirme, die Speisekarte ist digital.

Der Döner heißt auf der Speisekarte bei Harun's Döner und Pizza zwar noch Döner. Doch es gibt bei den drei Döner-Pizza-Varianten den Hinweis, dass es sich bei dem Fleisch um Drehspießfleisch handelt.

Der Döner heißt auf der Speisekarte bei Harun's Döner und Pizza zwar noch Döner. Doch es gibt bei den drei Döner-Pizza-Varianten den Hinweis, dass es sich bei dem Fleisch um Drehspießfleisch handelt. © Marcel Schürmann

Bei ihm heißt der Döner immer noch Döner - „mit dem Zusatz, dass da Drehspießfleisch drin ist“, sagt er. Diesen Zusatz habe er bereits seit drei Jahren in seiner Speisekarte stehen. Bisher wurde er nicht dazu aufgefordert, auch den Namen des Gerichts Döner in Drehspieß-Tasche zu ändern. Das würde er auch nur ungern tun. „Die Leute wären doch komplett irritiert, wenn der Döner plötzlich Drehspieß-Tasche hieße. Das bestellt doch keiner und ist nebenbei wirklich schwer auszusprechen“, sagt er mit einem Lachen.

Kunden sind irritiert

Irritiert seien viele Kunden im Günes-Grill. „Wir wurden schon gefragt, ob wir keinen normalen Döner mehr verkaufen. Denen muss ich dann erklären, dass der Döner bei uns jetzt anders heißt“, so Baran Günes.

Cinar Yildiray vom Side Döner an der Hauptstraße in Bork verkauft auch weiterhin die Dönertasche. „Mein Cousin betreibt eine Dönerbude in Gummersbach. Er musste seinen Döner schon umbenennen“, sagt er.

Yildiray hofft, dass ihm die Umbenennung nicht droht. Denn: „Ich habe erst vor Kurzem 10.000 Speisekarten gedruckt - mit Döner und nicht Drehspieß-Tasche. Das wäre ein teurer Spaß, wenn ich die alle wegwerfen und neue drucken müsste.“

Cinar Yildiray von Side Döner in Bork hat erst vor Kurzem 10.000 Speisekarten mit dem Gericht "Döner" drucken lassen. Wenn er eine Umbenennung in Drehspieß-Tasche veranlassen müsste, wäre der Neudruck der Karten für ihn „ein teurer Spaß.“

Cinar Yildiray von Side Döner in Bork hat erst vor Kurzem 10.000 Speisekarten mit dem Gericht "Döner" drucken lassen. Wenn er eine Umbenennung in Drehspieß-Tasche veranlassen müsste, wäre der Neudruck der Karten für ihn „ein teurer Spaß.“ © Marcel Schürmann

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