Drogen im Wert von Millionen - Selmer vor Gericht

Angeklagte aus Rockerszene

Es geht um Drogen im Wert von mehreren Millionen Euro, Gewalt, Waffen und organisierte Kriminalität, vorwiegend im Münsterland. Mit darin verstrickt: ein 46-Jähriger Selmer. Ab dem 15. Januar steht auch er als Beschuldigter in einem der umfangreichsten Drogenprozesse der vergangenen Jahre vorm Landgericht Münster.

SELM/MÜNSTER

05.01.2016, 15:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem 46 Jahre alten Mann aus Selm auf der Anklagebank sitzen sechs weitere Männer im Alter zwischen 31 und 51 Jahren. Sie kommen aus Rheine, Kleve, Emmerich und Barntrup (Kreis Lippe).

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, in wechselnden Beteiligungen zwischen Oktober 2012 und Mai 2015 illegalen Handel mit Kokain, Amphetamin und Marihuana in großen Mengen getrieben zu haben. Unter anderem geht es um eine Gesamtmenge von 230 Kilo Marihuana und 130 Kilo Amphetamin.

Angeklagter soll Maschinengewehr gehabt haben

Teilweise sollen die Beschuldigten zur Absicherung ihrer Rauschgiftgeschäfte Waffen besessen haben. Einige der Personen rechnet die Staatsanwaltschaft der Rockerszene zu. Drei der Beschuldigten sollen in Clubhäusern verschiedener Rockerclubs in Steinfurt, Rheine, Hörstel und Magdeburg Marihuana-Plantagen betrieben haben. Zwei Angeklagten wird vorgeworfen, jeweils Amphetamin-Labore unterhalten zu haben. Ein Teil der Betäubungsmittel soll auch aus den Niederlanden eingeführt worden sein.

Dem 46-jährigen Rocker aus Selm werden umfangreicher Rauschgifthandel in zwölf Fällen und der Besitz einer Kriegswaffe vorgeworfen. Dabei soll es sich um ein Maschinengewehr gehandelt haben. Außerdem soll er ein Labor betrieben und darin unter anderem 18 Liter Amphetamin-Öl hergestellt haben, das nach Finnland geschmuggelt wurde. Die finnischen Abnehmer zahlten 4000 Euro pro Liter. Um ein Vielfaches höher liegt der Straßenverkaufswert der aus den 18 Litern hergestellten 96 Kilogramm Rauschgift.

Verstrickungen mit einem Fall aus Südkirchen

Dass die Rocker bei ihren Geschäften auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, musste ein 36-jähriger Drogenhändler aus Südkirchen leidvoll erfahren. Ihn verurteilte das Landgericht Münster Ende September 2015 zu sechs Jahren Gefängnis. Bei ihm hatte die Polizei Rauschgift im Wert von über 150.000 Euro gefunden, das er in gemieteten Räumen auf einem Bauernhof in Ottmarsbocholt gebunkert hatte.

Jetzt lesen

In dem Prozess gegen den Südkirchener sagte ein Polizeikommissar aus, der im Verfahren gegen die Rockerbande ermittelte. Demnach war der Südkirchener mit Mitgliedern der Rockerbande nach Holland gefahren, um fünf Kilogramm Marihuana für 23.000 Euro zu kaufen. Die Rocker hatten das Geschäft vermittelt und sollten als Kuriere dienen. Auf einem Feldweg in Seppenrade sollte die Übergabe erfolgen.

Doch statt des von ihm bezahlten Marihuanas bekam der Südkirchener einen brutalen Faustschlag mit einem Quarzhandschuh ins Gesicht, der ihn erheblich verletzte. Die Staatsanwaltschaft hat ihn in der jetzt beginnenden Verhandlung als Zeugen benannt.

Der Prozess beginnt am 15. Januar um 9 Uhr vor der 3. Großen Strafkammer im Saal A23 des Landgerichts Münster. Terminiert ist das Verfahren zunächst auf drei Monate. 20 Verhandlungstage stehen bereits fest.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt