Edathy-Affäre: Polizei-Ermittlung begann in Selm

Vorwurf der Kinderpornografie

Der Kinderporno-Skandal um den SPD-Politiker Sebastian Edathy beschäftigt die Berliner Politik und das Bundeskriminalamt. Ihren Ursprung genommen haben die Ermittlungen allerdings weit weg von der Hauptstadt: an der Polizeischule Selm-Bork im Münsterland.

SELM

, 12.03.2014, 15:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das kinderpornografische Material, das unter anderem Sebastian Edathy (SPD) belastet, wurde in Selm-Bork übergeben.

Das kinderpornografische Material, das unter anderem Sebastian Edathy (SPD) belastet, wurde in Selm-Bork übergeben.

Darunter auch: der SPD-Politiker und damalige Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy. Und dass sein Name auf der Liste steht, wurde weitergegeben: vom BKA an den damaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der wiederum bei den Koalitionsverhandlungen SPD-Chef Sigmar Gabriel informierte. Deswegen steht Friedrich im Verdacht, Dienstgeheimnisse verraten zu haben. Friedrich argumentiert dagegen, er habe durch den Hinweis Schaden von der künftigen Koalition abhalten wollen. Nun stehen Ermittlungen gegen Friedrich an.

Die zweite Frage: Welche Rolle spielten das Bundeskriminalamt und dessen Leiter Jörg Ziercke? Wieso fiel den Ermittlern Edathys Name zunächst nicht in der Bestell-Liste auf, wohl aber der Name eines BKA-Mannes? Wurden sogar Informationen zurückgehalten, die Edathy belasteten? Der SPD-Politiker war zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses. Noch bevor öffentlich wurde, dass sein Name auf der Bestell-Liste stand, trat er zurück. Antworten auf die Fragen zum BKA soll es im Bundestags-Innenausschuss geben, vor dem BKA-Chef Ziercke am Mittwoch alle Vorwürfe zurückwies.

Zurück nach Selm: Warum hieß die Operation bei der Polizei "Selm"? Gab es weitere Hauptverdächtige in der Stadt im Münsterland? Nein, das hänge nur mit dem Ort der Daten-Übergabe zusammen, hieß es dazu vom BKA. "Wenn das in Hamburg passiert wäre, dann wäre es die 'Operation Hamburg' gewesen", so eine Sprecherin am Mittwoch. Auch zu möglichen Zusammenhängen mit anderen Fällen in der Nähe von Selm gibt - etwa zum Fall eines wegen Kinderpornografie suspendierten Polizisten aus Coesfeld - wollte sich das BKA nicht äußern.

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