Edeka-Filialen in Selm mit leeren Regalen - „So etwas habe ich noch nicht erlebt“

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Die Hamsterkäufe vieler Menschen sorgen für Waren-Engpässe in vielen Supermärkten. Selmer Edeka-Filialleiter Martin Humpert hat für das Kaufverhalten vieler Kunden wenig Verständnis.

von Carina Strauß, Marcel Schürmann

Selm

, 13.03.2020, 10:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Leere Regale bei Edeka: In den beiden Selmer Filialen war das in den vergangenen beiden Wochen Realität - zumindest was die Grundversorgungsmittel wie etwa Fertigprodukte aus Konservendosen, H-Milch, Nudeln, Reis, Toilettenpapier oder andere Hygieneprodukte angeht. Die Sorge vor der Ausbreitung des Coronavirus macht auch vor Selm keinen Halt. Menschen decken sich mit Hamsterkäufen für den Notfall ein.

Nachschub ist da - „Wir sind gewappnet“

Die Situation habe sich laut Martin Humpert, Marktleiter der Filiale an der Breiten Straße, inzwischen wieder beruhigt. „Zuletzt war es extrem. Wir hatten, was diese Produkte angeht, einen um 60 Prozent erhöhten Warenausgang. Das soll mir ja recht sein. Wir haben heute aber wieder Nachschub bekommen - eine Riesen-Europalette vierlagiges Toilettenpapier. Jetzt sind wir wieder gewappnet“, sagt Humpert am Donnerstag (12.3.).

Edeka-Filialleiter Martin Humpert neben einer Riesen-Palette Toilettenpapier. Er glaubt, der Bedarf seiner Kunden dürfte inzwischen gestillt sein.

Edeka-Filialleiter Martin Humpert neben einer Riesen-Palette Toilettenpapier. Er glaubt, der Bedarf seiner Kunden dürfte inzwischen gestillt sein. © Carina Strauß

Auch bei Edeka Geldmann an der Botzlarstraße gab es Engpässe. Filialleiter Georg Geldmann sagt zu dem Thema: „Das ist bei uns wie überall anders auch. Auch wir haben Artikel, die aktuell fehlen, wie zum Beispiel Desinfektionsmittel.“ Auch in seiner Filiale beruhige sich die Lage schon wieder. „Wir haben Alternativen gesucht und gefunden. Da wir viele verschiedene Produkte von verschiedenen Lieferanten haben, sind wir da etwas breiter aufgestellt“, so Geldmann.

Noch Engpässe bei Fertigprodukten

Bei Edeka Humpert sind viele Regale inzwischen wieder aufgefüllt - bis auf die Regale mit den Fertigprodukten. Dort gibt es aktuell noch Engpässe. „Wir bestellen auch weiterhin den normalen Bedarf. Wir bekommen zweimal pro Woche Lieferungen - aber die waren zuletzt immer schnell vergriffen.“ Mehr als den normalen Bedarf könnte Humpert bei seinen Lieferanten im Moment auch nicht bekommen. Denn: „Da gilt das Gerechtigkeitsprinzip, denn auch die Kollegen aus anderen Läden sollen ja etwas bekommen.“

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Einen Engpass bei Frischwaren wie Obst, Gemüse, Fleisch- und Molkereiprodukten habe es nicht gegeben. Humpert: „Diese Produkte werden jeden Tag angeliefert. Da hatten wir keine Aussetzer.“

Einkäufe der Kunden rationiert

In der vergangenen Woche musste Humpert die Einkäufe seiner Kunden sogar rationieren. „Wir hatten Kunden, die wollten bis zu acht Pakete Toilettenpapier kaufen. Denen haben wir gesagt: So geht‘s nicht. Das mussten wir regulieren, damit auch noch andere Kunden versorgt werden konnten.“

Verständnis hat Humpert für das rigorose Kaufverhalten mancher Kunden nicht. „Ich verstehe es nicht. Das bringt mich und viele andere Kunden wirklich zum Kopfschütteln“, sagt er.

Jens Spahn? „Hat keine Ahnung von der Materie“

Der Auslöser für die Hamsterkäufe - Humpert sagt, es sei unter anderem eine Maßnahme der Bundesregierung: „Die Bundesregierung und der Katastrophenschutz haben eine Einkaufsliste herausgebracht für Grundnahrungsmittel, die man im Notfall braucht. Hier war vor Kurzem sogar eine junge Frau, die mithilfe einer App auf ihrem Smartphone eingekauft hat. Sie hat wirklich alles von der Liste auf der App eingekauft - einen Riesen-Wagen voll.“

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Für den Marktleiter sei diese Einkaufsliste der Bundesregierung zwar nicht überzogen. Doch er sagt: „Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat von der Materie unserer Branche keine Ahnung, wenn er glaubt, dass wir die Bestände innerhalb von zwei Tagen wieder auffüllen können. Das ist unmöglich und braucht viel Vorlauf.“

„So etwas noch nicht erlebt“

Humpert hofft, dass der größte Spuk, was Hamsterkäufe angeht, nun vorbei ist. „Es wird wieder besser. Der Bedarf der Leute scheint gedeckt zu sein. Ich mache den Job jetzt seit 45 Jahren. Aber eine vergleichbare Situation, wie die in den vergangenen beiden Wochen, habe ich persönlich noch nicht erlebt.“

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