Eheleute Heuser haben vor 70 Jahren geheiratet

Gnadenhochzeit

Es ist etwas Seltenes. Ja, es ist etwas Besonderes. Karl und Else Heuser aus Selm feiern ihre Gnadenhochzeit - 70 Jahre. Am 24. Mai 1947 haben sie standesamtlich geheiratet. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit - sind in Lünen nur drei Häuser von einander entfernt aufgewachsen. Und noch heute sind sie sehr liebevoll zu einander.

SELM

, 24.05.2017, 06:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beide sind 1925 geboren und somit 92 Jahre alt. „Wir können nicht mehr so wie wir wollen, aber wir leben noch“, sagt Karl Heuser und lacht. Das Treppensteigen falle schwer, aber ansonsten gehe es gut. Jeden Tag schaut Schwiegertochter Ulla bei ihnen vorbei und hilft bei den kleinen Dingen des Alltags.

In Selm – und zwar in einer Wohnung am Schulze-Weischer-Weg – leben beide nun schon seit zwei Jahren. 13 Jahre hatten sie zuvor in Südkirchen gewohnt. Ihre Heimat liegt aber ganz klar in einer anderen Nachbarstadt.

Lünen ist die Heimat

„Lünen ist unsere Heimat“, erklären beide mit Nachdruck. Verständlich. Denn immerhin haben sie 77 Jahre dort gewohnt – und das immer in der Grenzstraße. Else Heuser, mit Mädchennamen Nattkemper, ist dort sogar geboren. Karl Heuser ist mit seiner Familie in die Bergarbeiter-Kolonie gezogen, seit 1933 waren Else und Karl Nachbarskinder.

Nur drei Häuser auseinander sind sie aufgewachsen. Da erübrigt sich die obligatorische Frage, wie sich die Eheleute denn kennengelernt haben. Sie kennen sich einfach von Kindheit an. Ihre Verbundenheit zu Lünen zeigt sich auch darin, dass sie auch nach Selm noch immer die Lüner Ausgabe der Ruhr Nachrichten bekommen.

Ein erfülltes Leben

Erzählen können sie von einem erfüllten Leben: Beruflich sei sein Werdegang fast schon vorgegeben, sagt Karl Heuser, denn bereits sein Vater sei Bergmann gewesen. Drei Jahre wurde er jedoch während des Zweiten Weltkriegs zur Kriegsmarine eingezogen. Aus dem Kopf weiß er, dass er am 12. Juni 1945 nach Hause zurückgekehrt ist.

„Bergmänner wurden in der Heimat gebraucht, die Besatzer brauchten die Kohle“, erklärt Heuser. Die Nachkriegszeit seien dann „harte Jahre“ gewesen, aber auch Jahre, „die zusammenrücken ließen“.

„Arbeit, ja Arbeit hatten wir genug“, erinnert sich Else Heuser. 1947 wurde geheiratet, am 24. Mai standesamtlich, einen Tag später kirchlich. 1950 wurde Tochter Annette geboren, 1955 Sohn Karl-Heinz. Heute hat das Jubelpaar zwei Enkelsöhne, eine Enkeltochter und einen Urenkel. „Rückblickend können wir von 70 schönen Jahren sprechen“, sagt Karl Heuser.

Gerne zum Urlaub nach Südtirol gefahren

Urlaub hat das Paar gerne in Südtirol gemacht, denn an Urlaub zuhause sei nicht zu denken gewesen. „Mein Mann war immer unterwegs“, beschreibt Else Heuser. „Er hat geholfen, wo er nur konnte.“ Die 92-Jährige erinnert sich: „Immer wieder sind Leute zu uns nach Hause gekommen und bevor einer was sagen konnte, hatte mein Mann schon die Schuhe an und hat geholfen.“

Heuser war Betriebsrat, 15 Jahre für die CDU im Rat der Stadt Lünen, im Kuratorium des Marienhospitals, Vorsitzender des Lüner SV. In seine Amtszeit fielen die großen Erfolge in der Regionalliga. Der 92-Jährige gehört der IGBCE und der christlichen Gewerkschaft CDA an, beiden hält er noch heute die Treue. Ohne seine Frau wäre das alles jedoch nicht möglich gewesen. „Sie hat mich immer unterstützt, alles haben wir abgesprochen“, sagt er. „Man lebt nicht alleine“, erklärt der 92-Jährige sein früher vielseitiges Engagement.

Eine Sache ist immer gleich geblieben

Noch immer ist Heuser ein guter Gesprächspartner, Diskussionen über Religion oder gesellschaftspolitische Fragen lassen ihn nicht los. „Während unseres Lebens hat es dramatische Veränderungen gegeben“, sagt er.

Wobei eine Sache immer gleich geblieben ist: Liebevoll legt Karl Heuser während des Gespräches den Arm um seine Frau. „Wir haben großes Glück, noch zusammen zu sein“, sagt er und fügt an: „Dafür müssen wir dem Herrgott täglich danken.“

Lesen Sie jetzt