Eine Zeitreise im Morgan von 1938

3. ADAC Oldtimer Classic

SELM Zurückversetzt in eine andere Zeit fühlte sich Alexandra Neuhaus. Sie durfte bei der 3. ADAC Oldtimer Classic in einem Morgan mitfahren. Ein unvergessliches Erlebnis...

von Von Alexandra Neuhaus

, 26.07.2009, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

9.30 Uhr: Manfred Breyer zieht einen kleinen schwarzen Hebel, der Morgan heult auf. „Spring‘ rein“, ruft Breyer. Ich gehorche. Taschen im Fußraum verstauen, Beine bis ans Kinn hochklappen, ein Morgan ist kein Transporter, und schon schießt der Rennwagen über das Kopfsteinpflaster. Meine Hand wandert nach links. Gurte? „Kannst du vergessen“, sagt Manfred Breyer. Beruhigend, dass es im Morgan so kuschelig ist. Links ist die Tür, rechts Manfred Breyer, rausfallen kann ich schon mal nicht. 

9.40 Uhr: auf dem Weg von Selm nach Olfen setze ich den Blinker links. Im Klartext: Ich halte todesmutig meinen linken Arm aus dem Wagen. Heillos verknotete Haare, ein leichtes Stechen im Rücken, aber ein Lächeln im Gesicht. Das Ende meiner Fahrt in die Vergangenheit. Meiner ersten Fahrt in einem Oldtimer. Elektonische Blinker? Fehlanzeige. Manfred Breyer fährt das Führungsauto der Rallye, schaut nach dem Rechten, fährt außer Konkurrenz. Die anderen Beifahrer bekommen das so genannte Roadbook in die Hand gedrückt, eine daumendicke Zettelsammlung mit der Wegbeschreibung. Ihre Aufgabe: Lotsen. Mein Fahrer kennt den Kurs im Schlaf. Glück für ihn. Meine Qualitäten als Kartenleserin sind unterirdisch. Auf dem Weg von Olfen nach Seppenrade, um 10:15 Uhr, zeigt der Tacho 55 km/h. Der Tacho? Ein Fahrradtacho. Stilecht ist anders. „Die Tachowelle ist kaputt“, sagt Breyer entschuldigend und klopft auf die schwarz weiße Scheibe auf dem Armaturenbrett. „Die Temperaturanzeige übrigens auch. Aber ich kenn‘ meinen Morgan. Ich rieche, wenn ihm zu warm ist und am Wind merke ich wie schnell ich fahre.“ Ein Mann und sein Auto. Gibt es eine innigere Liebe? „Ich lebe Oldtimer“, sagt Breyer und ein Blick in sein seelig dreinblickendes Gesicht genügt – ich glaube ihm jedes Wort. 

10.30 Uhr: Wir biegen ab, fahren direkt am Dortmund-Ems-Kanal, rechts das Wasser, links Maisfelder. Idylle. „Das war uns wichtig. Wir wollen den Fahrer zeigen wie schön es hier ist“, sagt Breyer. Eine Bodenwelle. Bei der harten Federung hüpft nicht nur der Morgan. K 10.45 Uhr: Wir nähern uns Nordkirchen, der Morgan fährt 87 km/h. Die handbreiten Windschutzscheiben verdienen ihren Namen nicht. Der Wind schlägt uns erbarmungslos ins Gesicht. Ich ringe nach Luft, Manfred Breyer plaudert entspannt über seine Leidenschaft. Während er erzählt, lausche ich dem Motorengeräusch, streichele über die grünen Lederpolster, und ich beginne ihn zu verstehen. 

Von 11.30 bis 13.15 Uhr dürfen der Morgan und ich uns auf dem Gasthof „Zum letzten Wolf“ erholen.  13.20 Uhr: Der Wettergott verlässt uns. In Herben fängt es an zu regnen. Ungehindert klatscht uns das Wasser ins Gesicht. „Ich seh‘ nichts mehr“, sagt Manfred Breyer und kämpft mit den Tropfen auf seinen Brillengläsern. „Aber Morgan kennt den Weg. Er ist wie Fury.“ Ich tätschel Furys Armaturenbrett und vertraue blind. K 13.50 Uhr: Die Sonne scheint wieder. Dafür macht in Werne ein Insekt unfreiwillig Bekanntschaft mit meinem linken Wangenknochen. Ein kurzer Schrei, Manfred Breyer lacht. „An den Fliegen zwischen den Zähnen erkennst du Morgan-Fahrer.“ Verlockend. K 14.30 Uhr: Noch einmal rechts, ein letztes Mal Blinker links, ein letztes Mal das Röhren der Hupe. Wir sind wieder in Selm. Die Sonne scheint. Der Morgan schnurrt. Und meine Haare? Die entknote ich heute noch. 

Lesen Sie jetzt