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Eine Selmer Mutter möchte ihre Tochter für eine Klimaschutz-Demonstration vom Unterricht freistellen. Das Selmer Gymnasium erteilt dem Antrag eine Absage. Die 14-Jährige geht trotzdem.

Selm

, 22.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Am nächsten Freitag findet im Rahmen der europaweiten Klimastreiks in Dortmund die Veranstaltung „Klimastreik zur Europawahl“ statt. Auch die Selmer Achtklässlerin Emma Tembaak möchte daran teilnehmen. Die 14-Jährige besucht das Städtische Gymnasium Selm. Sie hat verständnisvolle Eltern, die sie selbst schon auf Demos begleitet haben - zum Beispiel nach Münster. Weniger Verständnis zeigt Schulleiter Ulrich Walter.

Emma (14) geht zur Demo - auch ohne Erlaubnis der Schule

Die Tembaaks sind eine politisch engagierte Familie. © Tembaak

„Ich habe am Freitag eine Mail an die Schule geschickt und gebeten, Emma für nächsten Freitag vom Unterricht freizustellen“, sagt Jeannine Tembaak. Die 41-Jährige ist Mitglied der Unabhängigen Wählergemeinschaft Selm und hat sich mit ihrer Aktion „Parents for Future“ bereits an die Seite der Jugendlichen gestellt.

Sie sagt: „Insbesondere kurz vor der Europawahl ist es wichtig, an einer größeren Aktion teilzunehmen. Emma hat bisher kaum Fehlstunden, und ich habe gedacht, die beiden Doppelstunden Physik und Sport können nicht das Problem sein.“

Gymnasium sieht keinen Grund für eine Freistellung

Das sieht Schulleiter Ulrich Walter offenbar anders. In seiner Antwortmail an Jeannine Tembaak bittet er am Dienstagvormittag um Verständnis dafür, dass er dem Antrag nicht stattgeben könne: „Das Städtische Gymnasium Selm hat sich mit einem Projekttag und der Möglichkeit zur Teilnahme an einer Schüler/innen-Demo aktiv in die Diskussion um den Klimaschutz eingebracht“, heißt es in der Mail.

Dabei habe die Schulleitung „einmalig von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Schülerinnen und Schüler für eine Veranstaltung im benannten Kontext freizustellen“.

Doch dafür hat Jeannine Tembaak wiederum kein Verständnis. „Am Projekttag haben Oberstufenschüler einen zweistündigen Vortrag über Klimaschutz gehalten, die anschließende Demo fand außerhalb der Schulzeit statt.“ Das Engagement der Schule im Rahmen eines einzelnen Projekttags hält Jeannine Tembaak deshalb „für nicht ausreichend“.

„Kinder sollen lernen, die eigene Meinung zu vertreten.“

Und darum hat die 41-Jährige der Schule mitgeteilt, dass ihre Tochter die Demonstration in Dortmund trotzdem besuchen wird. „Emma wird am 24. Mai ab 10 Uhr nicht am Unterricht teilnehmen, sondern auf die Demonstration ,Europaweiter Klimastreik‘ in Dortmund für eine lebensrettende Klimapolitik gehen“, schreibt sie.

Sie erklärt auf Anfrage unserer Redaktion: „Wir sind ein politisch sehr engagierter Haushalt und haben uns auch darauf geeinigt, dass man nicht jeden Freitag demonstrieren muss. Aber wenn eine größere Veranstaltung ansteht, halte ich das für wichtig.“ Auch Emmas Vater Jörg Wittemeier setzt sich dafür ein, dass seine Tochter die Dortmunder Veranstaltung besuchen darf.

Emma (14) geht zur Demo - auch ohne Erlaubnis der Schule

Schulterschluss im „Klimastreik“: Mutter und Tochter demonstrieren gemeinsam. © tembaak

In ihrer Antwortmail an das Gymnasium betonen Emmas Eltern, dass diese Entscheidung auch im Sinne des Schulgesetzes sei. Und sie zitieren Paragraph 2 Absatz 6: Kinder sollen in der Schule lernen, „die eigene Meinung zu vertreten und in weltanschaulichen Fragen persönliche Entscheidungen zu treffen“.

Streikaktion setzt sich für das „Überleben auf diesem Planeten“ ein

Jetzt hofft Jeannine Tembaak, dass das Gymnasium noch Verständnis für Emma zeigt. Schließlich mache sich der Streik für eine Politik stark, die das Überleben der Menschheit auf diesem Planeten sichere. „Deshalb kann mein Kind den staatlichen Bildungsauftrag dort an diesem Tag besser wahrnehmen als in der Schule selbst.“

Der „Klimastreik“
  • Begonnen hat die weltweite Bewegung des „Climate Strike“ mit der damals 15jährigen Greta Thunberg. Die Schwedin geht seit August 2018 mindestens einmal die Woche nicht in die Schule, sondern setzt sich mit ihren Schulbüchern vor das Parlament, um die Regierung aufzufordern, sich konsequenter für den Klimaschutz einzusetzen.
  • Weltweit berichteten Medien über ihre Aktion. So gibt es jetzt Schulstreiks für das Klima in Australien, Dänemark und auch in Deutschland.
  • Inzwischen gibt es über 400 „Fridays-for-Future“-Ortsgruppen. Weltweit organisieren sich Schüler und gehen weiterhin zu Tausenden jeden Freitag auf die Straße. Zum internationalen Klimastreik am 15. März 2019 wurde in über 120 Ländern und 2.000 Städten gestreikt.
  • Die Schüler fordern verbindliche Zusagen seitens der Politik. Auch Eltern, Wissenschaftler und Studenten beteiligen sich.
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