„Würde es immer wieder machen“: Arnd Lange erzählt von seinen Erfahrungen mit einem E-Auto

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Vom Abgasskandal und Dieselfahrzeugen genervt, schaffte sich Arnd Lange ein Elektroauto an. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut. Auch wenn noch nicht alles perfekt läuft.

Selm

, 15.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn Arnd Lange mit seinem Auto beschleunigt, kann es für den Beifahrer im ersten Moment etwas befremdlich sein. Irgendetwas fehlt. Denn das Fahrzeug des 51-Jährigen gibt so gut wie keinen Ton von sich. Weder beim Anfahren noch beim Beschleunigen.

Seit zwei Jahren besitzt er nun schon ein Elektroauto. Einen BMW i3 um genau zu sein. Ein Wagen, der trotz oder gerade wegen seiner Lautlosigkeit auffällt. „Viele Leute sprechen mich darauf an“, erzählt er.

Angefangen hatte alles mit dem Abgasskandal, der vor allem dem Autohersteller Volkswagen viel negative Aufmerksamkeit bescherte. Damals fuhr er noch einen VW Passat als Dienstwagen. „Ich fand das alles doof mit der Abgasgeschichte“, erzählt er.

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Bereits 50.000 Kilometer gefahren

Dann habe er sich gesagt, „ich will keinen VW mehr“. Die Suche nach einer Alternative ging los. Schnell wurden er und seine Frau fündig. Bei einem Händler testeten sie dann ihr kommendes Auto. Es war Liebe auf den ersten Blick. „Als wir uns reingesetzt haben, war klar, der muss es sein“, sagt er.

Seitdem ist Arnd Lange ungefähr 50.000 Kilometer mit dem E-Auto gefahren. „Ich bin auf jeden Fall zufrieden.“ Doch eines müsse jedem, der über die Anschaffung eines E-Autos nachdenkt, klar sein: „Man muss es wollen.“ Damit meint er vor allem, sich auch die Zeit für ein solches Auto zu nehmen.

Zwei Pausen auf dem Weg ins Nachbarland

„Man muss sich davon verabschieden, zu sagen, wir fahren 500 Kilometer und sind in fünf Stunden da“, erklärt er. 130 Kilometer schaffe sein Wagen rein elektrisch ungefähr - allerdings besitzt er die Version mit der kleineren Batterie. Vergrößert wird die Reichweite noch durch einen „Range Extender“, mit dem er es im Sommer ungefähr 300 Kilometer weit schaffe.

„Würde es immer wieder machen“: Arnd Lange erzählt von seinen Erfahrungen mit einem E-Auto

Etwa 300 Kilometer kommt Arnd Lange mit seinem BMW i3 weit. Im Winter verringere sich die Reichweite aber, sagt er. © Pascal Albert

Auch Fahrten in die Niederlande seien kein Problem. Dann müsse er mit seinem Wagen nur ein bis zwei mal an einer Ladestation halten. Eine gute halbe Stunde dauere es dann, ehe die Fahrt fortgesetzt werden kann - zumindest an einer Schnellladestation. Für den 51-Jährigen kein Problem. „Das ist halt eine Toilettenpause.“

Ladestationen werden immer wieder blockiert

Auch die Suche nach besagten Ladestationen „funktioniert wirklich gut“. Positiv sieht er auch die Entwicklung, dass es immer mehr solcher Stationen gibt. „Auch in Selm wächst es“, freut er sich. Dennoch hat er nicht nur gute Erfahrungen mit den Lademöglichkeiten gemacht.

„Ab und an blockieren Verbrenner die Ladestellen“, ärgert er sich. Auch Hybridwagen würden öfter an den Stationen stehen. An sich sei das kein Problem, doch oft würden sie dort nur parken und nicht laden. „Das müsste sich ändern.“

„Würde es immer wieder machen“: Arnd Lange erzählt von seinen Erfahrungen mit einem E-Auto

Der Kofferraum des E-Autos ist schnell voll. Doch für einen Urlaub in den Niederlanden mit vier Personen reiche es dennoch, sagt Arnd Lange. © Pascal Albert

An Raststätten könne es auch vorkommen, dass ein parkender LKW die manchmal dringend benötigte Ladestation blockiert. Schon häufig habe er dann den Fahrer bitten müssen, ein Stück weiter zu fahren.

Viele Registrierungen, um überall zu tanken

Beim Tanken gibt es dann auch noch einen großen Unterschied im Vergleich mit herkömmlichen Fahrzeugen. „Es gibt teilweise sehr viele Anbieter.“ Und bei allen, die man nutzt, ist eine Registrierung nötig. Arnd Lange hat sich bislang fünf mal registriert. Mehr werden es aber auch erst mal nicht, sagt er.

Circa 4,50 Euro kosten ihn 100 Kilometer Fahrt, hat er ausgerechnet - auf jeden Fall weniger als mit den meisten Dieselwagen. Doch nicht nur die günstigeren Fahrtkosten überzeugen den Selmer. Auch das Gesamtpaket begeistert ihn noch heute. „Ich würde es immer wieder machen“, versichert er.

Zumindest für ein Schmunzeln sorgte aber das erste Durchlesen der Rettungskarte. Die richtet sich vornehmlich an Rettungskräfte und gibt wichtige Hinweise für das richtige Agieren im Falle eines Unfalls. Für ein normales Auto gibt es meist eine DIN-A4-Seite. Für seinen i3 gibt es aufgrund der Batterien und des Stroms jedoch ein sechsseitiges Dokument.

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