Mit Schiefnase in die Kita. Das ist in Corona-Zeiten ein Problem. © picture alliance/dpa
Erkältungswelle

Erkältung während Corona: „Wenn ein Kind krank ist, gehört es nicht in die Kita“

Der Herbst naht - und mit ihm die Erkältungswelle. Wer Kinder hat, dem graut es stets vor dieser Zeit, in der sich alle gegenseitig anstecken. In Selm ist diesmal aber vieles anders.

Ein Niesen, ein Husten, dann ein Kratzen im Hals – die ersten Anzeichen einer Erkältung kennt man in den Selmer Kindertageseinrichtungen nur zu gut. Mit dem nahenden Herbst kommt nun wieder die Zeit, in der sich die kleinen Kinder in wandelnde Rotznasen verwandeln und sich gegenseitig anstecken können.

„Die Erkältungswelle geht in keinem Jahr an uns vorbei“, sagt Mandy Sieradzki, Leiterin der Kleinen Strolche. „Das ist so.“ Doch sie und viele ihrer Kolleginnen in anderen Einrichtungen in Selm beobachten in diesem Jahr, dass etwas anders ist. Beim ersten Anzeichen einer Erkältung schrillen bei allen die Alarmglocken. Die Angst vor dem Coronavirus hat alle sensiblisiert, was Krankheiten angeht.

Sehr verständnisvoll bei Abholung

„Zum Glück haben wir die Corona-Lolly-Tests, die wir auch fleißig verteilen“, sagt Mandy Sieradzki. Und die Eltern wenden die Zuhause auch freiwillig an. „Das klappt wirklich super. Unserer Eltern achten sehr darauf, dass keine kranken Kinder in die Einrichtung kommen.“

Natürlich laufe bei dem einen oder anderen Kind die Nase auch oft erst im Laufe des Vormittags. „Aber unsere Eltern sind dann sehr verständnisvoll, wenn wir anrufen und um Abholung des Kindes bitten“, schildert die Leiterin der Kleinen Strolche. In der vergangenen Woche habe es einige Erzieherinnen erwischt, da musste ebenfalls umdisponiert werden. „Aber das klappt wirklich super bei uns.“

Kinder sind sensibilisiert

Die Kleinen Strolche stehen mit dieser Beobachtung nicht alleine da. „Alle sind sensibilisiert, auch die Kinder. Wenn da einer plötzlich hustet, fällt das sofort auf. Und dann sollen die Kinder erstmal zuhause bleiben“, sagt Dorit Metzke vom DRK-Kindergarten Mittendrin. „Wenn ein Kind wirklich krank ist, dann gehört es auch nicht in die Kita“, vertritt sie einen klaren Standpunkt. „Dann muss sich zum einen das Kind zuhause auskurieren, um schnell wieder gesund zu werden, und zum anderen müssen die anderen Kinder vor einer Ansteckung geschützt werden.“

Corona habe dabei einen positiven Effekt gehabt, beobachtete Metzke. „Wir können als Kita intensiver darauf dringen, dass kranke Kinder zuhause bleiben. Und auch bei den Eltern ist das inzwischen ein Sicherheitsfaktor.“ Das Verständnis für Vorsichtsmaßnahmen sei gewachsen. „Wenn grüner Schnodder aus der kleinen Nase kommt, ist das nunmal kein Schnüpperken“, sagt Metzke, dann gehöre ein Kind zum Arzt und nach Hause. „Da geht es um den Schutz aller.“

Erkältungswelle lässt sich – im Gegensatz zu Corona – nicht aufhalten

In der Evangelischen Kindertagesstätte Siloah war erst jüngst etwa ein Drittel der Kinder krank. „Aber die sind dann nicht gekommen. Das klappt wirklich gut“, spricht auch Einrichtungsleiterin Christine Deditius den Eltern einen „Lerneffekt durch Corona“ zu. „Die Eltern machen jetzt von selbst aus mit.“ Aber im Gegensatz zum gefährlichen Coronavirus könne man die klassische Erkältungswelle nicht aufhalten. „Man weiß ja im Moment gar nicht, was man den Kindern anziehen soll. Das Wetter ist so unbeständig, da schwitzt und erkältet man sich schnell.“ Doch ein anderes Gespür sei schon da. „Aber es gibt halt auch noch andere Krankheiten als Corona“, so Deditius.

In der Awo-Kita Konfetti müsse man da schon mehr Überzeugungsarbeit leisten, sagt die stellvertretende Einrichtungsleiterin Kim Starschinski. „Wir haben gerade eher größere Probleme mit der Hand-Mund-Fuß-Krankheit“, schildert sie. „Das ist gerade extrem.“ Auch hier gehörten die Kinder nach Hause. „Ist der Schnupfen durchsichtig, ist auch alles okay.“ Aber sobald der grün ist, muss das Kind nach Hause und die Eltern werden aufgefordert, einen Arzt aufzusuchen. Zurückkommen dürfen die Kinder dann auch erst, wenn ein Arzt schriftlich bestätigt hat, dass das Kind gesund ist. „Sonst haben wir hier auch kranke Kinder – und das will niemand.“

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