Es soll eine Landmarke werden: Der Entwurf für die Skulptur auf dem Rodelhügel steht

rnSkulptur auf Rodelhügel

Die Skulptur auf dem Rodelhügel soll zu einer Landmarke werden, weit über Selm hinaus strahlen. Es ist eine angeleuchtete Lichtkuppel geplant. Und: Sie soll die Stadt Selm nichts kosten.

Selm

, 12.03.2019, 16:20 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es ist 3 Uhr in der Nacht vor einigen Jahren, als dem Selmer Bürgermeister Mario Löhr eine Idee kommt. Eine Idee für die geplante Skulptur auf dem Rodelhügel im Auenpark in Selm. Wie die Kuppel des Reichstags - imposant und bunt beleuchtet - soll sie mal aussehen. Was genau aus dieser Anfangsidee geworden ist und wie die aktuellen Planungen für die Skulptur auch in finanzieller Sicht aussehen, klären wir in Fragen und Antworten.

? Was genau ist - Stand heute - aus der Anfangsidee geworden?

Die Idee ist, das wurde am Dienstag in der Ausschusssitzung klar, zu einem schon ziemlich konkreten Plan geworden: Jürgen Polenz und Oliver Schramm von der Firma Polenz in Lüdinghausen haben dort ihre Entwürfe und Ausarbeitungen vorgestellt. Schon beim ersten Treffen, so beschrieb es Jürgen Polenz, habe man zusammen mit Bürgermeister Mario Löhr eine Skizze entworfen, die Grundlage der Pläne ist.

? Wie sehen die konkreten Planungen denn aus?

Geplant ist eine knapp 6 Meter hohe Kuppel mit 7 Meter Durchmesser. Das Grundgerüst besteht aus Stahl, eingesetzt sind bunte Glasplatten. Der Effekt sei dadurch ähnlich wie bei einem Kirchenfenster, sagte Jürgen Polenz. „Das ist dann wie ein Regenbogen auf dem Boden“, erklärte er weiter. Je nach Wetterlage gebe es ein ganz anderes Farbenspiel unter dem Dach der Kuppel. Sechs fest im Fundament verankerte Sitzgelegenheiten soll es unter dem Dach außerdem geben. „Ich bin der tiefen Überzeugung, dass das ein Ort wird, zu dem die Selmer auch wirklich gehen werden, der angenommen werden wird“, so Bürgermeister Mario Löhr. Entsprechend sollten die Sitzgelegenheiten zum Verweilen und auch zum Kommunizieren einladen, so Jürgen Polenz. „Das soll ja auch ein Objekt sein, das der Gemeinheit etwas zurückgibt“, erklärte er weiter.

? Das Objekt soll auch zu einer Landmarke werden, das hat der Bürgermeister schon öfter erwähnt. Wie genau soll das klappen?

Die Kuppel soll auf dem Hügel schon von Weitem zu sehen sein: Dieser Effekt wird noch durch eine Beleuchtung bei Nacht verstärkt. Es soll unten im Zentrum ein „relativ großer“ Scheinwerfer angebracht werden, der per Zeitschaltung für Licht und so für einen besonderen Effekt sorgt. „Man würde sich wirklich unter Wert verkaufen, wenn man auf diesen Nachteffekt verzichtet“, sagte Jürgen Polenz. Von Weitem soll die Kuppel dann zu sehen sein - und so eine Landmarke werden. Symbolisch für die Strahlkraft Selms stehen. „Da werden euch viele drum beneiden“, sagte er weiter in Richtung der Ausschussmitglieder.

? Wie teuer wird das Ganze?

Diese Frage warfen natürlich auch die Ausschussmitglieder auf. Aber: Eine eindeutige Antwort gab die Firma Polenz nicht. Es liege zwar ein Angebot vor, allerdings sei das noch nicht bis ins Detail ausgearbeitet. „Es liegt im bezahlbaren Bereich“, sagt Jürgen Polenz nur. Das war der Moment, in dem sich Bürgermeister Mario Löhr in die Diskussion einschaltete. „Die wichtigere Frage ist: Wer wird das bezahlen?“, sagte er. Denn: Bei dem Kunstwerk soll es sich um eine Schenkung handeln. „Die Kosten wird nicht der kommunale Haushalt tragen“, so Mario Löhr. Wer genau der Gönner der Stadt ist, sagte er auch einen Tag später auf Anfrage der Redaktion nicht. Bevor das öffentlich gemacht werden könne, müssten noch einige Dinge abschließend geklärt werden.

? Kann so eine Schenkung für eine Stadt auch ein Problem sein?

Zumindest der Bund der Steuerzahler sagt: ja. In einem Bericht in der von ihm herausgegebenen Mitgliederzeitschrift „Die NRW Nachrichten“ aus dem September 2018 heißt es zu dem Skulpturenprojekt auf dem Rodelhügel in Selm: „Ganz so einfach ist das mit solchen ,Geschenken‘ aber nicht.“ Bärbel Hildebrand, Pressesprecherin vom Bund der Steuerzahler, erklärt auf Anfrage der Redaktion: „Unsere Kritik bezieht sich darauf, dass auch Geschenke oft nicht kostenlos zu haben sind, weil Folgekosten entstehen, zum Beispiel für Wartung oder Pflege, für das Modulieren und Gestalten der Landschaft, für Zäune, Beleuchtung oder ähnliches. Für den Bund der Steuerzahler NRW ist es wichtig, dass sich die Kommunalpolitiker über solche möglichen Folgekosten Gedanken machen und nicht in großer Freude und Euphorie eine Schenkung annehmen, nur um zu einem späteren Zeitpunkt festzustellen, dass es sich um ein Danaergeschenk handelt.“

? Was sagt die Verwaltung zu den Kosten der Pflege und Instandhaltung?

Auf Kritik wie die vom Bund der Steuerzahler ist der Bürgermeister vorbereitet. Auch aus Richtung einer „Minderheit“ in der Bürgerschaft, so seine Einschätzung, wird es Kritik geben. Trotzdem gibt er keine konkrete Antwort, wer den Strom für den Scheinwerfer zahlen wird und wie es mit der Pflege und Instandhaltung läuft. Im Ausschuss sagte er nur: „Das kriegen wir auch gelöst.“ Den Vorschlag der SPD, das Dach der Kuppel vielleicht mit Solarzellen auszustatten, sodass dadurch auch Strom erzeugt werden kann, hat die Firma Polenz aus dem Ausschuss mitgenommen. Außerdem zeigte Jürgen Polenz ein gerahmtes „Einzelstück“, wie er es nannte: eine gerahmte Zeichnung der Kuppel mit einem eingefärbten Fenster und einem Text, den er zur Entstehung des Projekts verfasst hat. Davon, so sein Vorschlag, könnte man 20 bis 30 mit jeweils anderen Farben bemalte Fenster möglichen Sponsoren anbieten und so eine Art Patenschaft für die bunten Fenster vergeben. Weitere Ideen zur Vermarktung hatten sie „in der Tasche“: aus Stahl gestanzte Mini-Modelle der Kuppel an einem ledernen Schlüsselanhänger.

? Wie ist der Zeitplan und wie läuft der Aufbau?

Laut Oliver Schramm von der Firma Polenz soll voraussichtlich Mitte 2020 die Umsetzung des Projekts sein. Es sei außerdem so, dass die Kuppel nicht - wie andere Kunstwerke - im Ganzen gefertigt und dann an den Standort transportiert werde, sondern dass die Einzelteile vor Ort zusammengesetzt werden. Das sei auch ein Vorteil, wenn es zu Schäden kommt: Kaputte oder beschädigte Glasscheiben könnten so in den kommenden Jahren gegebenenfalls problemlos ersetzt werden.

? Apropos Schäden und kaputte Scheiben: Wie sieht es eigentlich mit der Sicherheit vor Ort aus?

Bürgermeister Mario Löhr sagte im Ausschuss, dass der Ort videoüberwacht sein soll. „Wir wissen ja: Da kann immer etwas passieren“, erklärte er.

? Wie steht die Selmer Politik zu dem Projekt?

„Wir begrüßen das“, sagte Ausschussvorsitzender und UWG-Fraktionsvorsitzender Hubert Seier zu dem Projekt Glaskuppel. Michael Merten stimmte dem im Namen der CDU zu. „Wir haben auch größtes Vertrauen, dass das für die Stadt kostenneutral laufen wird“, sagte er. Und auch die SPD stimmte in die positive Haltung des Ausschusses ein. Thomas Orlowski sagte: „Wir unterstützen auf jeden Fall den Entwurf und sind froh, dass er nach Selm geholt wurde.“

? Und was meinen Sie, liebe Leser?

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