Facebook-Gruppe „Was in Selm passiert“ hat nur Platz für eine Partei

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Selms größte Facebook-Gruppe lässt Wahlwerbung zu - aber nur für eine einzige Partei. Für die will der Gründer der Facebook-Gruppe in den Stadtrat einziehen.

Selm

, 16.07.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Vermisst jemand diesen Hund? Läuft am Friedhof herum.“ Am Donnerstag gegen 16.15 Uhr hat dieser Facebook-Post in der Gruppe „Was in Selm passiert“ Emotionen geschürt: Sorge um das herrenlosen Tier. Mitgefühl mit der Halterin. Erleichterung, dass beide schließlich wieder zueinander fanden. Ein Post, der einen Tag zuvor erschien, hat ganz andere Gefühle ausgelöst in Selms größter FB-Community. Und er hat kein versöhnliches Ende gefunden. Es geht um Politik.

Wahlwerbung und Wahlaufrufe ärgert Userin

„Muss diese Gruppe als Plattform für einseitigen Wahlkampf dienen“, hat am Mittwoch eine Nutzerin gefragt. Anlass für ihren Ärger: Beiträge, die ganz offen für die Familienpartei Werbung machen oder mit einem Wahlaufruf für Ralf Piekenbrock, den Bürgermeisterkandidaten der Familienpartei, enden. Werbung für andere Parteien und Wahlaufrufe für einen der fünf anderen Bürgermeister-Kandidaten suchen die knapp 8000 Mitglieder der Gruppe vergebens. Das ist kein Zufall.

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„Wir dulden hier ausschließlich die Familienpartei, diese Partei entspricht unseren Gruppenregeln und ist mit den Selmern in dieser Gruppe kompatibel“, schreibt eine von drei Administratoren. „Leider sind andere Parteien nicht daran interessiert oder eher weniger, was aus Selm wird“, lässt sie noch wissen.

Adminstratorin beendet die Diskussion

„Diese Gruppe unterstützt die Familienpartei! Deswegen geht es um Selm!“ Ein Basta-Ruf. Nach 32 Kommentaren ist Schluss. Die Administratorin hat die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag beendet. Die Frage, ob Selm zum Münsterland oder zum Ruhrgebiet gehört, läuft nach 99 Kommentaren immer noch.

Jede Stadt hat längst mindestens eine Facebook-Gruppe, in der Menschen Fotos hochladen und sich austauschen über vermisste Katzen, Flohmarkttermine, Verkehrsrüpel und andere Themen des täglichen Lebens. Sie heißen „Was in Werne passiert?“, „Du bist Olfener, wenn“, „Lünen - meine Heimat“. Die meisten Nutzer glauben sich dabei in einer überparteilichen Gruppe. Für „Was in Selm passiert“ ist das nicht mehr der Fall. „Wir haben diese Gruppe ohne Politik“, stellt die Administratorin zwar klar, fügt aber im gleichen Atemzug hinzu: „Einzig Herr Ralf Piekenbrock mit seiner Partei ist gewünscht.“

Der Gründer der Gruppe kandidiert für die Familienpartei

Freut sich der Generalsekretär und Selmer Spitzenkandidat der Familienpartei über so viel Aufmerksamkeit ohne jeden Widerspruch? „Ich bin für einen fairen Wahlkampf“, sagt Ralf Piekenbrock am Donnerstag. „Das ist nicht mein Verständnis von Demokratie.“Er habe keinen Einfluss genommen auf die Gruppe, um andere Parteien und Wählergruppen auszuschließen.

Und was ist mit Achim Sagurny, der 2012 die FB-Gruppe gegründet hatte, „um uns gegenseitig über Straftaten sowie Geschehnissen in und um Selm zu informieren“? Er ist einer der drei Administratoren. Gleichzeitig steht er auf Platz fünf der Reserveliste der Familienpartei und möchte bei der Wahl in den Stadtrat einziehen. Er selbst hat zwar nicht als Administrator die Diskussion über das Für und Wider der einseitigen Parteinahme beendet. Aber das sei durchaus in seinem Sinne gewesen, sagt er auf Anfrage. „Da sind wir Admins uns einig.“ Die Enttäuschung über andere Parteien sei einfach zu groß.

Vorsitzender der Familienpartei will kein böses Blut

Jedes Mitglied der FB-Gruppe könne an Ende entscheiden, ob er in der Gruppe bleiben wolle, sagt Piekenbrock. Es gebe schließlich auch andere Gruppen. Er selbst wolle sich künftig „weitgehend zurücknehmen“, wenn es um Posts mit politischem Inhalt gehe. „Ich möchte kein böses Blut.“

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