Fährt bald ein Bürgerbus durch Bork und Selm?

Initiative der Politiker

Das Erfolgsmodell aus Nordkirchen und Olfen soll auch nach Selm-Bork kommen: Die Fraktionen im Rat planen die Gründung eines Bürgerbusvereins. Damit wollen sie Menschen in ländlichen Gebieten eine Mitfahrgelegenheit bieten, die vom öffentlichen Nahverkehr nicht erreicht werden.

SELM

, 21.08.2015, 06:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fährt bald ein Bürgerbus durch Bork und Selm?

Der Bürgerbusverein wünscht sich für das kommende Jahr einen neuen Bus. (Auf dem Bild: der aktuelle Bürgerbus)

Im Finanz- und Hauptausschuss hatte Werner Sell (Die Linke) die Katze aus dem Sack gelassen und von dem Plan, einen Bürgerbus einzurichten, berichtet. Es habe bereits positive und konstruktive Gespräche mit Vertretern der Fraktionen gegeben, erklärte Stefan Kühnhenrich von der SPD, der das Projekt federführend begleitet.

„Wir sehen das hier als eine SPD-Initiative“, sagt Kühnhenrich, „auf gar keinen Fall aber als einen SPD-Bus. Auch, wenn wir das Thema angeregt haben, ist das am Ende ein Bus für alle Bürger“.

Finanzierung durch das Land

Der Rat und die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) müssten der Gründung eines Bürgerbusvereins zustimmen. Die Kosten für ein solches Vorhaben trägt das Land NRW mit einmalig 50.000 Euro für die Anschaffung. Dann gibt es einen jährlichen Zuschuss von 5000 Euro. 

Alles Weitere müsse über den Fahrkartenverkauf und Sponsoren, die Werbung auf den Fahrzeugen machen dürfen, gedeckt werden. Reicht das nicht aus, bliebe das Restrisiko bei der Stadt Selm. Die Ticketpreise würden dann zwischen 0,50 Euro für kurze Strecken und höchsten 2 Euro für längere Strecken liegen.

Keine Konkurrenz zum ÖPNV

Dabei sei ein Bürgerbus aber nicht als Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr zu sehen – vielmehr würden sie sich ergänzen. „Wo die VKU-Busse wegen zu enger Straßen nicht entlangfahren können, kommt der Bürgerbus zum Einsatz“, sagt der SPD-Mann.

Sowohl die Fraktionsvorsitzenden der UWG als auch der Linken sprechen sich für einen Bürgerbus aus. Beide Parteien stehen dem Projekt positiv gegenüber, heißt es auf Anfrage. „Das ist ein sehr guter Vorstoß der SPD“, sagt Werner Sell. „Obwohl die Mikado-Fraktion für ihr Nichtstun bekannt ist – nach dem Motto ‚Wer sich bewegt, verliert!‘ – bringt Stefan Kühnhenrich Bewegung in das Vorhaben“.

Bedarf muss geklärt werden

Neben der Kritik hat Sell aber auch einen Vorschlag für eine mögliche Strecke: „Das Schwimmbad wird vom VKU angefahren. Hier könnte man im Sommer eine Strecke anbieten, um Kindern und älteren Menschen, den Weg ins Schwimmbad zu erleichtern“.

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Bevor es aber soweit ist, müsse zunächst der Bedarf geklärt werden. „Die Bürgerbusse bieten die Gelegenheit, auch Menschen aus den Außenbereichen in die Innenstadt zu bringen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Kleinwächter, „wenn der Bedarf da ist, dann werden wir das auch machen.“

Ehrenamtliche Busfahrer notwenig

Neben der Streckenplanung müsse aber auch die Busfahrer-Frage geklärt sein. „Wir brauchen mindestens 30 ehrenamtliche Fahrer, die sich bereit erklären, die Strecken zu fahren.“ Bevor man die nicht zusammenhabe, brauche man das Projekt gar nicht erst auf den Weg zu bringen, sagt der Christdemokrat. „Die Ehrenamtlichen sollen ja abwechselnd zum Einsatz kommen und nicht überfordert werden.“

Erhöhte Mobilität auf dem Land

Auch Bündnis 90/Die Grünen befürworten die Bürgerbus-Idee. „Dadurch wird die flexible Mobilität auf dem Lande erhöht“, sagt Fraktionschefin Marion Küpper. Werne, Olfen, Nordkirchen und Südkirchen seien ja schlecht an Selm angebunden. Und auch der Borker Bahnhof liege weit vom Ortskern entfernt. „Wir begrüßen das Ehrenamt“, sagt Marion Küpper, „aber wir stellen in Frage, inwieweit Bürgerengagement immer wieder kommunale Aufgaben ersetzen muss.“

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