Fahrerflüchtig oder nur falsch beschuldigt: Richter muss nach Parkrempler entscheiden

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Bei einem Einparkversuch soll ein Selmer ein Auto beschädigt haben und weitergefahren sein. Ein Vorwurf, den der 63-Jährige vor dem Amtsgericht Lünen nicht auf sich sitzen lassen wollte.

von Sylvia Mönnig

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, 21.08.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Zwischenfall ereignete sich laut Anklage am Mittag des 2. Februar auf einem Supermarktparkplatz an der Botzlar-Straße. Der Selmer, so zumindest der Vorwurf, fuhr in eine enge Parklücke und touchierte dabei den anderen Wagen, an dem dabei ein Schaden von rund 1100 Euro entstand. Ein Zeuge sprach ihn daraufhin an und konfrontierte ihn mit dem Anstoß.

Er stieg aus, sah nach, stieg wieder ein und stellte sein Fahrzeug an einer anderen Stelle auf dem Parkplatz ab. Ein Pärchen, das im Auto gegenüber saß, sah, wie der Zeuge den Angeklagten ansprach und der den fremden Pkw begutachtete, um dann wegzufahren. Den Rest konnten sie sich denken. Die Frau machte ein Foto von dem Kennzeichen des 63-Jährigen, beide warteten auf den Besitzer des betroffenen Wagens und der entdeckte, bevor er die Polizei rief, einen frischen Kratzer.

Angeklagter ist „1000-prozentig sicher“, unschuldig zu sein

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort wurde dem Mann mit zwei Vorstrafen auf anderem Gebiet nun vor dem Amtsgericht Lünen zur Last gelegt. Das stellte er jedoch in Abrede und ließ sich dabei auch nicht beirren. „Ich bin mir 1000 Prozent sicher, dass ich das nicht getan habe“, betonte er und fügte hinzu, dass er sich das fremde Auto vor Ort angesehen habe und der Schaden gar nicht von ihm verursacht worden sein könne. Das passe einfach nicht.

Strafrichter Ulrich Oehrle insistierte und wies den Selmer darauf hin, dass unter den Voraussetzungen ein Sachverständigengutachten zur Frage, ob der Schaden tatsächlich von seinem Auto verursacht wurde, eingeholt werden müsse. „Wissen Sie, was das kostet? Das kann bis zu 4000 Euro kosten.“ Und die müsse der Angeklagte neben den Gerichtskosten dann auch noch zahlen. Oehrle hakte nach: „Sind Sie sich wirklich sicher?“ Sein Gegenüber parierte prompt: „1000 Prozent.“

30 Jahre unfallfrei - und jetzt das

Das Gericht hörte das Paar und den mutmaßlich geschädigten Autobesitzer. Allerdings sah keiner von ihnen die Kollision und der Mann, der sie offenbar beobachtete, stand, da unbekannt geblieben, als Zeuge nicht zur Verfügung. Unter den Umständen blieb Richter Ulrich Oehrle gar nichts anderes übrig, als das Verfahren auszusetzen.

Demnächst soll der Fall mit dem Gutachten zur Kompatibilität komplett neu aufgerollt werden. Den angeklagten Selmer konnte das nicht beeindrucken. Er blieb bei seiner Überzeugung und begründete sie auf ganz eigene Weise: „Ich habe 30 Jahre Auto gefahren - ohne Unfall.“ sam

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