Fast fünf Jahre Haft für Tennislehrer wegen Anstiftung zu sexuellem Missbrauch

rnMissbrauchsprozess

Das Urteil des Essener Landgerichts war für den Dorstener Tennislehrer keine Überraschung mehr: vier Jahre und neun Monate Haft - unter anderem wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch.

von Martin von Braunschweig

26.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Richter Volker Uhlenbrock warf dem 39-jährigen Angeklagten in der Urteilsbegründung vor, das Vertrauen der betroffenen Frauen perfide missbraucht zu haben. Jahrelang tummelte sich der Tennislehrer in verschiedenen Dating-Portalen und suchte Kontakt zu alleinstehenden Frauen, unter anderem zu einer Selmerin. Auch in den nun abgeurteilten sieben Fällen brachte er seine Chatpartnerinnen dazu, ihre eigenen Kinder sexuell zu missbrauchen.

Zunächst ablehnend reagiert

„Die Frauen glaubten an die große Liebe. Sie fühlten sich wertgeschätzt und endlich mal wieder ernst genommen“, sagte Richter Uhlenbrock. Auf das abstruse Ansinnen des Tennislehrers hätten alle zunächst ablehnend reagiert. Doch dem Druck des Angeklagten seien sie letztendlich doch nicht gewachsen gewesen. „Der Angeklagte ist keinesfalls auf Frauen getroffen, die schon zum sexuellen Missbrauch bereit waren“, sagte der Richter. Natürlich müssten sich die Mütter heute aber auch selbst schwere Vorwürfe gefallen lassen. Auch der letzte Verhandlungstag vor dem Essener Landgericht wurde von zahlreichen Zuschauern verfolgt. Der 39-Jährige genoss in seiner Zeit als Tennislehrer in Dorsten hohes Ansehen. Unter den Prozessbeobachtern war aber auch die Ehefrau des Angeklagten. Sie wurde jahrelang von ihrem Mann getäuscht und mit unzähligen anderen Frauen betrogen. Offenbar hält sie aber weiterhin zu ihm.

Bei Familie entschuldigt

In seinem letzten Wort vor der Urteilsberatung hatte sich der Angeklagte noch einmal selbst an seine Familie gewandt. „Ich möchte mich bei allen entschuldigen, denen ich mit meinen Lügen Leid angetan habe“, sagte er. Der 39-Jährige kündigte an, die Haftzeit zu einer Psychotherapie zu nutzen, um seine gravierenden Persönlichkeitsprobleme in den Griff zu bekommen. „Ich möchte den schlechten Teil meiner Persönlichkeit ausrotten“, sagte er den Richtern.Das Urteil vom Freitag wird wahrscheinlich nur eine erste Etappe bleiben. Derzeit ist eine sechsköpfige Ermittlungskommission der Polizei immer noch damit beschäftigt, alle Frauenkontakte des Tennislehrers zu durchleuchten. Inzwischen soll die Zahl der Fälle der Anstiftung zum sexuellen Missbrauch auf rund 50 angewachsen sein. Eine weitere Anklage vor dem Essener Landgericht ist daher sehr wahrscheinlich.

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Weiterer Prozess wahrscheinlich

Kommt es zu einem erneuten Prozess, wird auch die Frage der Sicherungsverwahrung wieder eine Rolle spielen. Die Maßregel wurde jetzt noch nicht angeordnet. Verteidiger Siegmund Benecken hatte sich in seinem Plädoyer auch vehement dagegen ausgesprochen. Sein Mandant sei weder ein Hangtäter noch pädophil. „Es ging ihm allein um Macht und Dominanz über Frauen“, so Benecken.

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