Viele Schränke mit noch mehr Papier-Akten stehen in den Amtsstuben. Der Umstieg auf digitale Lösungen nimmt erst langsam Fahrt auf. © picture alliance/dpa
Meinung

Fehlende digitale Angebote in der Verwaltung sind ein Armutszeugnis

Nach der Mega-Panne bei Facebook fühlen sich Kritiker einer Digitalisierung bestätigt. Das Gegenteil ist der Fall, meint unser Autor. Er sieht großen Handlungsbedarf in der Verwaltung.

Die Corona-Krise hat die Schwachstellen im Verwaltungswesen gnadenlos offengelegt. Während in vielen Firmen in Sekundenschnelle Daten von einem Ort auf den nächsten Kontinent geschickt werden, arbeiten deutsche Behörden noch mit dem Faxgerät. Nicht viel besser ergeht es den Menschen auch fast zwei Jahre später. Für die Beantragung eines Personalausweises oder Reisepasses müssen sie weiter ins Amt kommen. Ein Armutszeugnis.

Recht hat die Coesfelder Bürgermeisterin Eliza Diekmann mit ihrer Forderung, dass die Dinge, die digital möglich sind, auch digital angeboten werden müssen. Ebenso wichtig und richtig ist ihr Zusatz, dass es hier keinen Zwang geben darf.

Fehlende digitale Angebote in der Verwaltung sind ein Armutszeugnis

Wer sich aus welchen Gründen auch immer für den persönlichen Weg entscheidet, ist kein schlechterer Bürger. Soweit die Theorie. In der Praxis müssen weiter Menschen mit längeren Arbeitstagen und ähnlichen Arbeitszeiten wie Behörden einen Tag Urlaub nehmen, um Dinge zur Gemeinde- oder Stadtverwaltung zu bringen, die auch digital übermittelt werden können.

Hier sind alle Ebenen des Staates gefordert, Abhilfe zu schaffen. Längst wächst eine Generation von Schülerinnen und Schüler heran, die statt vieler Hefte oder Bücher ein Tablet im Schulrucksack hat. Sie muss sich darauf verlassen können, auch im „richtigen Leben“ digital arbeiten zu können – höchste Datensicherheit inklusive.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer