Prozessauftakt in Dortmund

Fitnesstrainer aus Selm lagerte kiloweise Dopingmittel und Drogen

Jede Menge Speed wollte ein 24-jähriger Selmer herstellen. Daraus wurde aber nichts. Die Polizei fand bei ihm nicht nur die Zutaten für die Drogenküche, sondern auch Dopingmittel.

Als die Polizei sich am 17. Mai entschloss, das Gelände einer Gärtnerei in Nordkirchen zu durchsuchen, wusste sie schon ziemlich genau, was sie erwarten würde. Zu intensiv hatte sie den 24-jährigen Angeklagten zuvor schon observiert.

In einem Lagerraum einer Gärtnerei, den der junge Selmer angemietet hatte, wurden die Beamten schließlich fündig. Ein Kanister war mit etwa 15 Litern Amphetamin-Öl gefüllt. Daraus hätten sich rund 50 Kilo verkaufsfertiges Amphetamin „kochen“ lassen, rechnete die Polizei später aus.

Lagerraum angemietet

Im Kofferraum seines Autos transportierte der Angeklagte außerdem mehr als ein Kilo Rauschgift. Darüber hinaus stellte die Polizei bei ihm auch mehr als 2000 Euro sicher. Geld, das er zuvor beim Verkauf von Drogen eingenommen haben soll.

Und das war noch immer nicht alles. Neben dem Raum in der Gärtnerei nahmen sich die Ermittler am gleichen Tag auch die Wohnung des Angeklagten vor. Die dort aufgefundenen Dopingmittel (Testosteron und Somatropin) hatte sich der 24-Jährige aber nicht zum Verkauf, sondern für den Eigenbedarf gekauft.

Doping für den Eigenbedarf

Seit seiner Festnahme sitzt der Selmer nun in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess. Entsprechend aufgeregt wirkte er am Mittwoch, als die Verhandlung vor der 34. Strafkammer aufgerufen wurde.

Und er zögerte auch nicht lange und legte ein Geständnis ab. „Die Sachen gehörten tatsächlich mir“, sagte er. „Ich wollte daraus Amphetamin herstellen und die Drogen anschließend mit Gewinn verkaufen.“

Kurzarbeit seit Herbst 2020

Die illegalen Geschäfte will der Selmer gar nicht lange betrieben haben. Erst Ende 2020 habe er damit begonnen, mit Rauschgift zu dealen. Grund dafür soll seine damals ziemlich schwierige finanzielle Situation gewesen sein. „Ich wurde in Kurzarbeit geschickt und bekam nur noch 500 Euro im Monat. Das reichte aber hinten und vorne nicht“, sagte er den Richtern.

Inzwischen weiß der Angeklagte, dass sein „Ausflug“ in die Kriminalität keine gute Idee war. Und er weiß auch, dass er unbedingt von den Drogen loskommen muss. Sollten die Richter neben einer Haftstrafe auch eine Entziehungstherapie anordnen, werde der Angeklagte mitarbeiten, kündigte der Verteidiger am Mittwoch an.

Bereit zu Drogentherapie

Doch bei allen guten Vorsätzen: Alles wollte der Angeklagte den Richtern am ersten Verhandlungstag nicht erzählen. Angaben zu seinen Mittätern und Hintermännern könne er nicht machen, ließ er über seinen Rechtsanwalt mitteilen. Dafür ist die Angst vor Repressalien offenbar viel zu groß.

Der Prozess könnte dennoch schon in wenigen Tagen zu Ende gehen.

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