Fünf Jahre Mindestlohn: Selmer Friseure zwischen Zuspruch und Zukunftsangst

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Seit fünf Jahren gibt es in Deutschland den gesetzlichen Mindestlohn. Das hatte unter anderem auf Friseurbetriebe große Auswirkungen. Selmer Friseure bewerten den Mindestlohn unterschiedlich.

von Marcel Schürmann

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, 18.01.2020, 09:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Jahr 2015 führte die Bundesregierung den gesetzlichen Mindestlohn ein. Inzwischen ist der - damals gestartet bei 8,50 Euro - dreimal erhöht worden: auf mittlerweile 9,35 Euro. Wie hat sich die Friseurbranche seit der Einführung des Mindestlohns entwickelt? Auf unsere Nachfrage wollen sich nur wenige Selmer Friseure zu dem Thema äußern.

Birgit Piter ist die Inhaberin des Haarstudios Haardys am Sandforter Weg. Sie sagt: „Der Mindestlohn ist ein Fass ohne Boden.“ Was sie damit meint: Durch die Erhöhung der Löhne für ihre Angestellten, müsste sie eigentlich auch die Preise für ihre Dienstleistungen regelmäßig erhöhen. Das könne sie allerdings nicht tun. „Wir müssen die Preise locker halten“ – sonst würden ihre Kunden fernbleiben.

Birgit Piter: „Die meisten Kunden sind geblieben“

Seit der Einführung des Mindestlohns habe Piter die Preise für einen Herrenhaarschnitt von 11,50 auf 13,50 anheben müssen. Derzeit zahlen Männer allerdings wieder den alten Preis von 11,50 Euro. „Ich musste mit dem Preis wieder runtergehen, da wir über ein halbes Jahr eine Baustelle auf dem Sandforter Weg hatten und die Kunden nicht mehr in die Straße fahren konnten.“

Generell habe sie aber während ihrer temporären Preiserhöhung nicht feststellen können, dass weniger Kunden in ihren Laden kamen. „Die meisten Kunden sind geblieben“, sagt sie. Auch in der Trinkgeldkasse merkte sie trotz der Erhöhung der Preise keinen Unterschied.

Aushilfskraft für Piter nicht mehr zu finanzieren

Wegen der gesetzlichen Zahlung des Mindestlohns musste Piter jedoch fünf Mitarbeiter entlassen. Piter könne es sich nicht mehr leisten, eine Aushilfe einzustellen. „Es wäre auch unfair, einer ungelernten Aushilfskraft fast genauso viel zu zahlen wie einer Gesellin.“ Heute schmeißt sie den Laden mit ihren beiden Töchtern.

Fünf Jahre Mindestlohn: Selmer Friseure zwischen Zuspruch und Zukunftsangst

Birgit Piter (l.) und ihre Tochter Deborah Sobottka schmeißen den Laden Haardy‘s Friseurteam am Sandforter Weg. © Marcel Schürmann

Der Mindestlohn könnte künftig weiter ansteigen. Für Piter ist diese Vorstellung „beängstigend“: „Es ist nicht so, dass ich es den Menschen nicht gönne. Aber so einen hohen Stundenlohn zu zahlen - das können sich nur noch die großen Salons leisten, in denen die Kasse brummt. Für uns kleine Unternehmen ist es schwierig. Ich bin zwar Friseurin mit Leib und Seele – aber es sind für uns wahrlich keine goldenen Zeiten.“

Ömer Palaoglu: „Mindestlohn ist eine gute Sache“

Ganz anders sieht das Ömer Palaoglu, Inhaber von Vision Hairstyle und dem Barber-Shop an der Kreisstraße. Er findet den Mindestlohn „okay“. Er war selbst einst Angestellter und arbeitete für fünf Euro pro Stunde. Inzwischen verdienen er und seine Mitarbeiter mehr Geld als noch vor fünf Jahren. Er sagt: „Der Mindestlohn ist eine gute Sache.“

Innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat er seine Preise kaum angezogen. Herren- und Damenhaarschnitte sind jeweils nur um einen Euro teurer geworden. Selbst wenn der Mindestlohn eines Tages auf einen Betrag über 10 Euro steigen sollte, gedenkt Palaoglu nicht, seine Preise anzuziehen. „Ganz ehrlich“, sagt er, „Hauptsache die Kunden sind zufrieden.“

Friseure verdienen inzwischen mehr

Auf Nachfrage bestätigt auch der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks, dass Friseure inzwischen mehr verdienen als vor fünf Jahren. Das sei nicht nur dem Mindestlohn geschuldet, sondern ebenso den Tariferhöhungen der Landesverbände im Friseurhandwerk. „Grundsätzlich verdient ein guter Friseur deutlich mehr als den gesetzlichen Mindestlohn“, sagt Jörg Müller, Geschäftsführer des Verbands.

Für die Kunden ist Haareschneiden dadurch teurer geworden. Doch die seien auch gewillt, tiefer in die Tasche zu greifen, wie Müller sagt: „Für den Wellnessmoment im Alltag sind Verbraucher verstärkt gewillt, mehr Geld auszugeben. Für guten Service geben Kunden heute ein bis zwei Euro im Schnitt mehr pro Besuch aus.“

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