Gar nicht lustig: Selmer Karneval muss ohne erwachsenes Prinzenpaar auskommen

rnKarneval in Selm

Kleid und Anzug hatten sie schon probiert. Dann bekam das designierte Prinzenpaar kalte Füße. Die Karnevalsgesellschaft Selm steht ohne erwachsenes Prinzenpaar da. Dennoch wird gefeiert.

Selm

, 11.11.2018, 05:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Drei Wochen vorher kann man nichts mehr machen“, sagt Tobias Steinbrink, der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft (KG) Selm. Wenn so kurzfristig die Absage komme, lasse sich kein Ersatz finden. Der närrische Thron von Selm bleibt in der neuen Session leer - zumindest teilweise.

Die Prinzenproklamation findet in Selm ohnehin nicht am 11.11. statt, sondern erst am folgenden Samstag, 17. November. Wer dann um 15.11 Uhr ins Bürgerhaus komme, könne durchaus neue Tollitäten begrüßen, verspricht Steinbrink: die Nachfolger von Leon I. (Jacob) und Laura I. (Schmitz). Das ist kein Widerspruch zum zuvor Gesagten: „Traditionell haben wir im Selmer Karneval nicht nur ein erwachsenes Prinzenpaar, sondern auch ein Kinderprinzenpaar.“ Für dieses Amt habe es bislang immer Bewerber gegeben und noch nie Rückzieher - anders als bei den Großen.

Kinder sichern die Karnevalsregierung

Wer die beiden Nachwuchskräfte sind, die am Karnevalssamstag vor Rosenmontag vom großen Wagen die Kamelle werfen werden, verrät Steinbrink noch nicht. Das Geheimnis werde am 17.11. gelüftet bei der Proklamation. Wer die beiden Erwachsenen sind, die kurzfristig das Handtuch geworfen haben, wird er aber auch dann nicht preisgeben. Die zwei hätten sein Wort. Nur so viel: Anders als die Amtsvorgänger, Karen und Jörg Brinkötter, habe es sich nicht um ein Paar gehandelt. Auch bei den Motiven für die Absage hält sich Steinbrink bedeckt. Eine Frage des Geldes ist es aber nicht gewesen, wie er betont. „Man wirft sich nicht in Unkosten bei uns, wenn man Karnevalsprinz wird“, versichert er. Lediglich die Orden müssten die Amtsträger zahlen, den Rest finanziere der Verein. Steinbrink weiß das nicht nur als Vorsitzender. Vor sieben Jahren war er selbst Karnevalsprinz.

„Wir sind nicht der erste und nicht der letzte Karnevalsverein, der mal für ein Jahr ohne Prinzenpaar in die Session geht“, versichert Steinbrink. In Hagen tut man sich in diesem Jahr auch schwer. In dem Personalmangel einen Abgesang auf den Karneval zu sehen, hält der Selmer für falsch. „Für die nächste Session haben wir schon wieder zwei gefunden“, sagt er zum Beweis. Die beiden hätten aber aufgrund beruflicher Verpflichtungen nicht so kurzfristig ein Jahr vorziehen können, „leider“.

Terminkalender bleibt trotzdem voll

Auch wenn es am 17. November keine Thronbesteigung abends geben wird. „Gefeiert wird im Bürgerhaus trotzdem“, sagt Steinbrink: sowohl nachmittags als auch abends: ab 20.11 Uhr. Das närrische Reiseprogramm zu den Nachbarvereinen und befreundeten Vereinen im Ruhrgebiet werde auch nicht abgespeckt. Der Terminkalender bleibt so voll wie geplant: Auftritte der Gardetänzerinnen und -tänzer, wechselseitige Besuche von Galasitzungen - alles so wie in den Vorjahren, eben nur ohne erwachsenes Prinzenpaar.

Anders als in den Vorjahren werden die närrischen Festtage zuhause in Selm aussehen. Und das hat nichts mit den Tollitäten zu tun, sondern mit dem Festplatz. Das Auf und Ab der Gefühle bleibt aber. „Wir sind enorm glücklich, dass wir dieses Mal wieder in einem großen Zelt feiern können“ - erstmals auf dem neuen Campus-Platz. Im Frühjahr 2017 hatte ein Sturm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Zelt durfte Weiberfastnacht aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Ein Jahr später - inzwischen liefen die Bauarbeiten auf dem Campus-Platz bereits, so dass der alte Platz für das Zelt nicht mehr zur Verfügung stand - hatten er und seine Mitstreiter sich vergeblich auf die Suche nach einem alternativen Standort gemacht. Zwischenzeitlich sollte die Party auf dem Willy-Brandt-Platz steigen. Aber Sicherheitsauflagen machten das Vorhaben kurzfristig unmöglich. Die zentrale Party nach dem Karnevalsumzug fiel aus. Ganz problemlos bleibt aber auch in diesem Jahr die Organisation nicht. Denn wer das Zelt aufstellen wird, weiß die KG noch nicht.

Sorgen wegen des Zelts bleiben, wenn auch anders als in den Vorjahren

Der ursprüngliche Partner sei inzwischen abgesprungen. Ihm habe es zu lange gedauert, bis die Karnevalisten ihm verbindliche Informationen über die Abmessungen für das gewünschte Zelt hätten geben können. Darauf warten Steinbrink und Co. selbst noch, denn die Bauarbeiter sind auf dem Gelände noch voll im Einsatz: Auf der einen Seite entsteht die Zweifachturnhalle, auf der anderen Seite der erste von zwei Wohnblöcken. Beides wird Ende Februar/Anfang März noch nicht fertig sein. Dennoch werde auf dem Platz gefeiert werden können, sagt Steinbrink, „Dazu habe ich die feste Zusage von der Stadt.“

Alle närrischen Termine auf einen Blick

Wer mitfeiern möchte, hat aber auch schon eher Gelegenheit. Hier sind alle Termine auf einem Blick:

- 17. November, 15.11 Uhr, im Bürgerhaus, Willy-Brandt-Platz 3: Proklamation des Kinderprinzenpaares, ab 20.11 Uhr Party. Der Eintritt ist jeweils frei.

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- 1. Februar, 20.11 Uhr, im Bürgerhaus, Willy-Brandt-Platz 3: Galasitzung bei freiem Eintritt.

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- 28. Februar, 12.11 Uhr: Rathaussturm und Schlüsselübergabe nach dem Motto „Kinder an die Macht“; ab 18.11 Uhr Weiberfastnacht im Festzelt auf dem neuen Campus-Platz. Der Eintritt zur Weiberfastnachtsfeier kostet fünf Euro im Vorverkauf und sieben Euro an der Abendkasse.

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- 2. März, 11.30 Uhr: Karnevalsumzug. Die Zugteilnehmer treffen sich ab 11.30 Uhr auf dem Vorplatz der Selmer Feuerwehr im Dorf, Auf der Geist 2. Der Umzug startet um 13.11 Uhr. Um 15.11 Uhr schließt sich die zentrale Karnevalsparty im Festzelt an. Anders als in den Vorjahren ist der Besuch der Party nicht kostenlos. Eintrittsbuttons für die Party kosten zwei Euro. „Das ist für den einzelnen nicht zu viel“, meint der Vorsitzende. Gleichzeitig erleichtere dieser Eintritt den Sicherheitskräften, für Ordnung zu sorgen.

- 3. März, 15.11 Uhr: Kinderkarneval im Festzelt. Der Eintritt kostet zwei Euro pro Person.

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- 5. März, 16 Uhr: Bacchusbeerdigung bei Brüning, Röhrweg 6. Dazu ist der Eintritt frei.

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