Gaststätte Alt Bork schließt zum Jahresende

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Zwei Selmer wollen die Räume der Gaststätte Alt Bork in Wohnungen umwandeln. Im Dezember schließt das Lokal. Die Inhaberin hatte seit mehreren Jahren vergeblich nach einem Nachfolger gesucht. Haben Sie schöne Erinnerungen und Anekdoten aus dem Alt Bork? Dann schicken Sie uns Fotos und Geschichten zu!

BORK

, 06.07.2016, 17:41 Uhr / Lesedauer: 3 min
Gaststätte Alt Bork schließt zum Jahresende

In den Räumen der Gaststätte Alt Bork sollen Wohnungen entstehen.

Die beliebte Gaststätte Alt Bork an der Hauptstraße ist verkauft und wird zum 31. Dezember 2016 ihre Türen schließen. Dies bestätigte Inhaberin Andrea Repovs auf Anfrage unserer Redaktion. „Ich habe vor drei Jahren bereits überlegt, die Gaststätte zu verkaufen“, so die 52-jährige Wirtin.

Es habe zwar Interessenten gegeben, doch sei für sie die Gaststätte entweder zu klein, oder zu groß gewesen. Repovs. „Ich arbeite seit meinem 15. Lebensjahr in der Gaststätte und muss nun aus gesundheitlichen Gründen die Gaststätte abgeben.“ Das Alt Bork ist die letzte Gaststätte im Borker Ortskern. 

Hintertür offen

Das Gebäude wird zum 1. Januar 2017 verkauft. Käufer sind die beiden Selmer Werner Wetekamp und Eduard Dück. Werner Wetekamp hat bereits vor einigen Monaten das Gasthaus Knipping in Selm erworben. Wie im Haus Knipping möchten die neuen Eigentümer die Gaststätte zu Wohnungen umbauen.

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Allerdings lässt Wetekamp noch eine Hintertür für die Fortsetzung der Gaststätten-Tradition offen. „Sollte sich bis zum 31. Dezember kein Nachfolger für die Gaststätte finden, wird sie geschlossen“, so Wetekamp. „Wir sind aber offen für ein kombiniertes Konzept Gaststättenbetrieb und Wohnungen.“

Noch keine Bauarbeiten im nächsten Jahr

Interessenten sollten sich bei ihm oder Andrea Repovs melden. Wetekamp: „Gibt es doch noch einen Interessenten für eine Gaststätte, dann werden wir gemeinsam ein vernünftiges Konzept erarbeiten“.

Sollte es aber keinen Nachfolger geben, werde man Wohnungen in dem Gebäude einrichten. Eine Wohnung wird Andrea Repovs beziehen. Sie wohnt bereits über der Gaststätte. Wie viele Wohnungen es werden, kann Werner Wetekamp noch nicht genau sagen. „Dies müssen wir erst noch mit einem Architekten besprechen.“ Und, wie Wetekamp erklärte, im nächsten Jahr werde wohl noch nichts an dem Haus passieren.

"Keine Nachfolger mehr"

Der Trend, dass immer häufiger Gaststätten und Wirtshäuser schließen, zieht sich durch ganz Deutschland. Besonders Familienbetriebe haben es dabei laut Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schwer. Sie "finden keine Nachfolger mehr. Die Lust, sich selbstständig zu machen, sinkt", sagt die Dehoga-Sprecherin. Allein zwischen 2000 und 2011 mussten in NRW laut Statistischem Bundesamt mehr als ein Drittel der Schankbetriebe schließen. 

"Das Freizeitverhalten hat sich geändert. Rituale wie der Frühschoppen oder das Feierabendbier fallen häufig weg", erklärt Stefanie Heckel. Zudem würden Vereine oder Nachbarn ihre Feste oft selbst organisieren und damit zu Gaststätten in Konkurrenz treten.  

Vereine verlieren Treffpunkt

Mit Alt Bork verlieren hingegen die Borker Vereine einen wichtigen Treffpunkt. In dem 120 Quadratmeter großen Saal der Gaststätte probt etwa wöchentlich der Männergesangverein "Union".  Auch eine Kegelbahn gibt es im Alt Bork.

Das Grundstück ist rund 1400 Quadratmeter groß, die Gaststättenräume haben eine Fläche von rund 250 Quadratmetern. Das gesamte Haus wird entkernt. Strom, Wasser und Heizung sollen neu installiert werden. Wetekamp: „Die Außenmauern und die attraktive Giebelfront bleiben erhalten.“ Die Wohnungen würden so weit wie möglich ebenerdig und barrierefrei sein. Es sei beabsichtigt, die Wohnungen nach der Fertigstellung zu verkaufen.

Betrieb läuft bis Dezember weiter

Bis zum 31. Dezember läuft der Betrieb normal weiter. Wie Andrea Repovs erklärte, nehme man bis zum 31. Dezember Reservierungen für Veranstaltungen jeglicher Art an. Seit vielen Jahren gibt es in der Gaststätte einen Senioren-Mittagstisch. Repovs: „Ich werde versuchen, jemanden zu finden, der dieses Angebot fortsetzt.“

Vom Stall zur Gaststätte

Die Familie Repovs übernahm als Pächter 1979 die Gaststätte Alt-Bork. Wirtin Andrea Repovs war damals 15 Jahre alt. Das jetzige Haus stammt aus dem Jahr 1901, doch schon zuvor betrieb seit 1818 Anton Schumacher auf dem Gelände ein Brauhaus.

Zum Gebäude gehörten Stallungen, die von 1904 bis in die 1960er-Jahre die staatliche Deckstelle des Landesgestüts Warendorf gepachtet hatte. Die Inhaber der Gaststätte wechselten. Nach den Familien Ewringmann und Lütke-Holz folgte die Familie Repovs. Andrea Repovs kaufte das Gebäude im Jahr 2000 und baute es um. 

Stimmen zum Ende des Alt Bork

Mario Löhr, Bürgermeister der Stadt Selm: „Der Bevölkerung und der Stadt war bekannt, dass die Eigentümerin die Gaststätte aufgeben wollte. Leider wurde kein Nachfolger gefunden. Ich bedauere sehr, dass die letzte Gaststätte im Ortskern von Bork schließt. Hierdurch wird eine Lücke für alle Gruppen entstehen, ebenso wie für die Borker generell. Herr Wetekamp hat schon in der Vergangenheit Haus Knipping übernommen und baut es zu Wohnraum um. Ich gehe davon aus, dass auch Alt Bork umgebaut wird. Dadurch wird kein Leerstand entstehen, wobei ich deutlich sagen möchte, dass ein Gasthaus mir persönlich lieber gewesen wäre.“

Egon Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des MGV Union: „Für den Gesangsverein ist das ein schwerer Schlag. Wir werden uns nach den Ferien zusammensetzen und überlegen, wie es weiter gehen kann. Sicher ist, dass Chormitglieder nicht zu Proben fahren möchten. Meine Meinung ist, dass auch der Bürgermeister überlegen muss, wie den Borker Vereinen geholfen werden kann. Eine Möglichkeit könnte die Hauptschule sein. Für Vereinswirtin Andrea Repovs habe ich Verständnis. Sie hat immer alles möglich gemacht.“

Heinz-Willi Quante,  Schützen St. Stephanus: „Ich bin tief traurig. Ich weiß auch noch nicht so richtig, wie es weiter geht. Ich kann mir vorstellen, dass wir unsere Jahreshauptversammlung dann in der Gaststätte Klähr ausrichten, denn wir brauchen schon einen großen Saal. Wir müssen gemeinsam überlegen, wie es mit den Vereinen in Bork nach einer Schließung weitergeht. Wir brauchen einen Treffpunkt im Ortskern von Bork.“

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