Bei Rot bleibst du stehen, bei Grün darfst du gehen. Das weiß jedes Kind - die Mädchen und Jungen, die zur Overberg-Grundschule gehen auch. Sie müssen jetzt aber ganz schnell umlernen.

Selm

, 25.09.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Grün strahlt es von der anderen Seite der Kreisstraße herüber - und dann auch noch in Sichthöhe der Kinder. Dass es sich um ein Fahrradsymbol handelt, ist aus der Entfernung kaum auszumachen. Dass Fußgänger, die die Kreisstraße überqueren wollen, gar nicht gemeint sind mit dem Signal, ebenfalls nicht. „Diese Ampel ist ein echtes Ärgernis“, sagt Schulleiterin Christine Jücker. Und ein gefährliches dazu.

„Sie zeigt durchgängig grün“, sagt Rolf Suhre von der nts Ingenieurgesellschaft Münster. Er ist zuständiger Projektleiter für die Gestaltung des Campusplatzes. Dazu gehört auch die neue Bushaltestelle vor der Overbergschule. Sie ist zwar fertig, „die VKU sieht sich aber nicht in der Lage, sie anzufahren“, so Suhre während der Sitzung des Stadtplanungsausschusses.

Wie das kreiseigene Verkehrsunternehmen gegenüber dieser Redaktion bestätigt, verhinderten die vielen Bauarbeiten in der Stadt - insbesondere die auf der Kreisstraße - dass die Busse die Haltestelle schon anführen. Suhres Team hat deshalb noch keine Glaswände in das Wartehäuschen einsetzen lassen, damit sie auch nicht Ziel von Vandalen werden. Die neue Radfahrerampel ist aber schon im Betrieb. „Leider“, wie Schulleiterin Jücker sagt.

„Kein Fehler“

„Aber nicht mehr lange“, wie Rolf Suhre im Ausschuss verspricht. Das war am Donnerstagabend. Am Dienstagnachmittag strahlt es immer noch leuchtend grün. „Verkehrsrechtlich ist das kein Fehler.“ Diese Feststellung ist Suhre wichtig. Es handele sich um eine Radfahrerampel. Deshalb sei das eine Lichtzeichen auch so niedrig angebracht: auf Radlerhöhe - und damit auch zugleich auf Kinderhöhe. So lange kein Bus einbiege in den neuen Wartebereich, stehe die Ampel auf Grün. Sobald Busse kämen, wechsele sie auf Rot. Das wird aber in den nächsten Monaten noch nicht der Fall sein.

Kinder, die die Kreisstraße queren - zum Beispiel, nachdem sie auf dem Parkplatz des Jugendheims St. Josef bei den Eltern aus dem Auto gestiegen sind - , sehen vor der Overbergschule zwei Ampeln: die Fußgängerampel gerade vor ihnen und etwas tiefer die Fahrradampel. Deren Grün strahlt aber verwirrend hell hinüber: ein gefährlicher Reiz, insbesondere für die noch unerfahrenen Erst- und Zweitklässler. „Das hat mich total überrascht“, sagt Suhre. Er nehme das aber ernst. Dem Stadtplanungsausschuss hat er bereits seine Lösung präsentiert, die - erst einmal umgesetzt - dauerhaft Bestand haben soll.

Hoffen auf baldige Lösung

Der Name: Rot-Gelb-Dunkel-Schaltung. Mit anderen Worten: „Wenn kein Bus kommt, bleibt die Ampel dunkel.“ Wenn er kommt, wechselt sie erst auf Gelb und dann auf Rot - und die Fahrradfahrer haben stehen zu bleiben. Für die Fußgänger auf der Kreisstraße hat das keine Bedeutung.

Schulleiterin Jücker kann es gar nicht erwarten, bis die von Suhre beauftragten Techniker des Ampelherstellers so weit sind. „Lieber gestern als heute“, sagt sie. Schon manche gefährliche Situation habe sie beobachtet. „Ich kann nur hoffen, das nicht noch wirklich etwas passiert.“ Sie und das Lehrerkollegium beugen vor -mit Begehungen. Vor Ort zeigen die Lehrkräfte den Kindern auf welche Ampel sie zu achten haben - und auf welche eben nicht. Aber nicht nur die Radfahrampel macht Jücker Sorgen, wenn es um die neue Bushaltestelle vor der Schule geht.

Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen - „sowohl unsere Schüler als auch die des Gymnasiums“, so Jücker -, benutzten die Buszufahrt als Parkplatz für ihr Elterntaxi, inklusive Beschleunigungsstreifen. Die Folge: gefährlicher Autoverkehr da, wo Kinder die Straße queren. Jücker hat bereits Abhilfe organisiert. Noch in dieser Woche, sagt sie, werde die Stadt Baken aufstellen, die die Zufahrt verhinderten. „Leider glauben viele, das alles erlaubt ist, bis es nicht wirklich verboten ist.“

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