Der so genannte „Gelbe Schein“ - die Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung ist auf Papier bald Geschichte. © picture alliance / dpa
Gelber Schein

Gelber AU-Schein: Das ändert sich ab 1. Oktober bei der Krankschreibung

Ab dem 1. Oktober wird der gelbe AU-Schein digital. Für Patienten könnte damit einiges an Aufwand wegfallen. Doch ganz so einfach ist es nicht, wie eine Anfrage bei Ärzten und Krankenkassen zeigt.

Jeder Arbeitnehmer kennt die drei Scheine, die er bei einer Krankschreibung erhält: Einen für den Arbeitgeber, einen für die Krankenkasse und einen für die eigenen Unterlagen. Krank sein bedeutet also erstmal auch etwas Verwaltungsaufwand. Die Scheine müssen zur Krankenkasse und zum Arbeitnehmer. Das alles soll aber wegfallen – zumindest perspektivisch. Die Details dazu klären wir in Fragen und Antworten.

Was genau ändert sich für mich als Patient in Bezug auf die AU?

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) wird komplett digital. Allerdings in zwei Schritten. Ab dem 1. Oktober 2021 sollen die Krankschreibungen direkt digital an die Krankenkassen verschickt werden können. Ab dem 1. Juli 2022 dann auch an den Arbeitgeber.

Also muss ich als Patient meine Krankschreibung ab morgen nicht mehr zur Krankenkasse schicken?

Theoretisch ja. Praktisch sieht das aber anders aus. Denn noch nicht alle Praxen haben die entsprechende Technik dazu. Eine Übersicht, welche Praxen in der Region ab dem 1. Oktober startklar für die digitale AU sind, liegt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) nicht vor, sagt Sprecherin Vanessa Pudlo auf Anfrage. „Wir haben die Hardware hier“, sagt zum Beispiel Dr. Antje Münzenmaier, Ärztin aus Selm. Wie einsatzbereit die Technik aber wirklich am 1. Oktober ist, sei noch offen. „Wir warten noch auf ein Update, damit es läuft“, sagt Münzenmaier auf Anfrage. „Wir werden das Quartal wahrscheinlich zum Üben nutzen.“ Hinzu kommt außerdem: Auch die Krankenkassen müssen bereit für die Technik sein. „Ich weiß auch noch nicht, bei welcher Krankenkasse es klappt“, sagt Münzenmaier.

Was sagen denn die Krankenkassen dazu?

Zumindest die beiden größten Krankenkassen in Deutschland – das sind die Techniker Krankenkasse (TK) und die Barmer – geben an, bereit für die Umstellung zu sein. „Für diesen Start sind wir gerüstet und sehen das sehr positiv“, sagt Tobias Klingen, NRW-Sprecher bei der Barmer. Schließlich würde so Aufwand für die Patienten wegfallen. Allein bei der Barmer ersetze der digitale „gelbe Schein“ perspektivisch pro Jahr etwa sieben Millionen Krankschreibungen auf Papier. Bei der TK habe man bereits im August alles eingerichtet, um bereit für die jetzige Umstellung zu sein, sagt NRW-Sprecher Christian Elspass. Bei der Krankenkasse hofft man nun, dass auch die Arbeitgeber sich gut vorbereiten, um die technischen Voraussetzungen für die Übermittlung zu schaffen.

Kommt die Umstellung zur digitalen AU eigentlich plötzlich?

Nein. Ein Gesetzespaket, in dem diese Umstellung von der Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde, war schon im Mai 2019 verabschiedet worden. Aber auch wegen der zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie hatte der Kassenärztliche Bundesverband (KBV) darauf hingewirkt, den Start nach hinten zu verschieben. Eigentlich sollten die Übermittlung durch die Arztpraxen an die Krankenkassen schon am 1. Januar 2021 starten, der elektronische Versand an den Arbeitgeber sollte ursprünglich am 1. Januar 2022 erfolgen.

Und wie finden die Arztpraxen den digitalen Umstieg, der bedeutet für sie schließlich einen Mehraufwand?

„Die Pandemie ist schicksalhaft, die Digitalisierung ist lange geplant“, sagt Antje Münzenmaier aus Selm. Sie sagt: „Wenn man Corona mitgemacht hat, wird man ruhiger“, die Umstellung nimmt sie also gelassen hin. Dieses Feedback aus der Ärzteschaft hat auch Vanessa Pudlo von der KVWL erhalten: „Man hat gar nichts gegen die Digitalisierung, aber wenn das nötige Handwerkszeug nicht geliefert wird, wird es schwierig“, sagt Pudlo. „Die Ärzte würden sich wünschen, dass die Geräte auf Herz und Nieren getestet und dann auch pünktlich geliefert werden.“

Wie sieht denn die Situation aktuell in den Arztpraxen aus?

„In den letzten Wochen ist etwas Ruhe eingekehrt“, sagt Vanessa Pudlo. Auch dadurch, dass weniger Impfungen für die Ärzte anstehen. Allerdings wird sich das wohl schnell wieder ändern: Jetzt startet die Grippe-Saison, die Hoch-Saison für Ärzte, wie Pudlo sagt. Außerdem sind ab dem 1. Oktober auch alle Impfzentren geschlossen, die Hausärzte treten an ihre Stelle. „Wie sich das auswirken wird, ist noch nicht ganz klar.“

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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