Geldstrafe für mutmaßlichen Selmer Reichsbürger

Urteil am Amtsgericht Lünen

Ein mutmaßlicher Reichsbürger aus Selm ist am Freitag verurteilt worden. Während der Mann sich über Gewalt der Polizei beschwerte, warfen die Richter ihm Lügen vor. Eine Sorge konnten die Richter allerdings nicht ausräumen.

Lünen/Selm

, 05.01.2018, 16:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Geldstrafe für mutmaßlichen Selmer Reichsbürger

Der mutmaßliche Reichsbürger aus Selm (l.) stand am Freitag vor Gericht. Foto: Jörn Hartwich

Ein mutmaßlicher Reichsbürger aus Selm ist am Freitag zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden. Das Urteil lautet auf Verstoß gegen das Waffengesetz und Abgabe einer falschen Eidesstattlichen Versicherung.

Der Prozess fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor dem Lüner Amtsgericht, auf dem Flur und im Gerichtssaal hatten sich Polizeibeamte positioniert. Der Angeklagte selbst war bereits im Dezember festgenommen worden, weil er zu einem früheren Gerichtstermin nicht erschienen war.

Angeblich praktisch mittellos

Als der Richter ihn zu Prozessbeginn fragte, ob er die deutsche Staatsangehörigkeit besitze, antwortete der 54-Jährige mit „Nein“ und fügte hinzu: „Ich bin Deutscher, nicht deutscher Staatsangehöriger.“

Im Prozess ging es um ein Gewehr, das der Geschäftsmann aus Selm unerlaubt besessen haben soll. Außerdem soll er einen Gerichtsvollzieher bei der Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung belogen haben. Dort hatte der 54-Jährige angegeben, praktisch nichts zu besitzen. Tatsächlich waren bei einer Durchsuchung jedoch Goldmünzen und über 200.000 Euro Bargeld gefunden worden. Außerdem sollen ihm zwei Immobilien gehören.

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Im Prozess hatte der Angeklagte die Vorwürfe zurückgewiesen. Das Gewehr gehöre seinem Schwiegervater, er habe sie lediglich in einem Waffenschrank, der ebenfalls nicht mehr ihm gehöre, aufbewahrt. Die Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung sei von ihm „erpresst“ worden. Man habe ihn gefesselt in einen Streifenwagen der Polizei gesetzt, wobei er wegen einer früheren Verletzung schwere Schmerzen gehabt habe. „Das war Folter“, sagte der Selmer im Prozess. Außerdem dürften Bargeld, Wertgegenstände und Immobilien nicht zugerechnet werden. Alles gehöre praktisch schon seinen Kindern.

Waffe nicht gefunden

Den Richter konnte er damit allerdings nicht überzeugen. „Sie haben uns angelogen“, sagte er bei der Urteilsbegründung. „Sie sind ein vermögender Mann.“ Das sichergestellte Gewehr wurde mit dem Urteil endgültig eingezogen. Was Gericht und Polizei allerdings Sorge bereitet: Der Selmer soll noch eine zweite Waffe haben, die bei der Wohnungsdurchsuchung aber nicht gefunden worden war.

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