Gilles Guedeu aus Guinea wurde durch Ausbildung zum Sauerteig-Brot-Fan

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Bewerbungen gab es viele: als Fleischer oder Koch. Schließlich wurde es das Bäckerhandwerk. Oft war es hart, doch Gilles Guedeu kämpfte sich nach seiner Flucht durch und ist heute Bäcker.

Bork

, 22.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gilles Guedeu sagt: „Ich möchte den Menschen zeigen, dass alles möglich ist, wenn man es will.“ Bei dem 30-Jährigen, der ursprünglich aus Kamerun stammt, später in Guinea aufgewachsen ist, war möglich, dass er heute ausgebildeter Bäcker ist. Ende Juni hat er seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Sauerteig- Gebäck findet er zwar noch immer seltsam, aber inzwischen ist er großer Fan davon. „Ich finde es toll, dass ich jetzt etwas zu der Ernährung der Menschen, morgens und abends, beitragen kann“, sagt er. „Wenn ich manchmal deprimiert war, hat mich der Gedanke motiviert, dass auch andere schon früh für mich aufgestanden sind, damit ich Brötchen essen kann. So habe ich das durchgehalten, während viele andere abgebrochen haben.“

Im September 2016 kam Gilles Guedeu unter dramatischen Umständen aus Guinea, über Libyen, im Flüchtlingsboot über das Mittelmeer nach Deutschland. Sein Antrieb: Seinen 2014 geborenen Sohn kennenzulernen. In Guinea war er mit dessen Mutter zusammen gewesen, bevor die überstürzt hatte fliehen müssen. Über Facebook erfuhr er später von der Existenz seines Sohnes.

Nachts im Winter auf dem Fahrrad nach Lünen

Schon nach einem Jahr Aufenthalt in Deutschland und einem viermonatigen Sprachkurs beim Multikulturellen Forum in Lünen, begann er eine Bäckerlehre. Bei Kanne in Lünen. „Es war Oktober, als ich angefangen habe“, erzählt Guedeu. Manchmal braucht er Wortfindungshilfe von Ursula Piepel, die Französisch spricht, und ihn und seine Frau Maria als Mitarbeiterin des Arbeitskreises Asyl von Anfang an unterstützte.

Sie unterstützte ihn bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. „Ich wollte schnell für uns selbst sorgen können und ich wollte bei meiner Frau und meinem Kind bleiben können“, erinnert er sich. Also schrieb er viele Bewerbungen. Kanne lud ihn ein und so fuhr er den ganzen Winter hindurch bei Wind und Wetter und immer nachts mit dem Fahrrad nach Lünen. „Irgendwann ging das nicht mehr“, erinnert sich Ursula Piepel, „und da haben wir uns an darum gekümmert, dass er bei Langhammer seine Ausbildung fortsetzen kann.

Jetzt erst mal richtig Deutsch lernen

„Manchmal war das sehr hart“, sagt Gilles Guedeu. „Das frühe Aufstehen, aber vor allem die Sprache. Beim Bäcker ist es ja sehr wichtig, ganz genau zu sein, weil man mit Lebensmitteln arbeitet. Aber die Lehrer in der Berufsschule haben uns immer sehr unterstützt, sie waren immer ansprechbar.“

Währenddessen wurde sein zweites Kind, eine Tochter geboren. Jetzt möchte er erst einmal besser Deutsch lernen. „Ohne Sprache ist es sehr schwer. Ich möchte für die Kinder und um die Briefe und später dann auch meine Lohnabrechnungen verstehen zu können, erst einmal richtig lernen“, sagt er.

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