Glasfaser-Ausbau steht auf der Kippe in Selm

rnGlasfaser-Ausbau

Bis Ende Oktober konnten sich interessierte Selmer und Selmerinnen melden, die einen Glasfaser-Ausbau möchten. Doch nur wenige haben das getan. Woran hat es gelegen?

Selm

, 19.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ralf Odenhage (50) würde sich darüber freuen, wenn sein Haus über einen Glasfaseranschluss verfügen würde. Der Selmer sieht es als eine Investition in die Zukunft. „Ich bin schon seit Langem im Home-Office und habe zum Beispiel Meetings über Zoom. Falls meine Kinder ins Homeschooling kommen, müssen sie mit ihren Geräten auch ins Internet“, sagt Odenhage. Dann könnte es mit der Datenmenge schon mal knapp werden.

Aber auch selbst, wenn Corona keine Rolle mehr spielt, hat er noch weitere Gründe: „Vielleicht will ich mein Haus in 20 Jahren verkaufen und wenn hier ein Glasfaseranschluss liegt, dann ist das natürlich eine signifikante Wertsteigerung.“ Die technischen Möglichkeiten seien dann schließlich andere: Die Kaffeemaschine lasse sich vielleicht nur noch online bedienen und auch andere Haushaltsgegenstände sind vielleicht so miteinander verbunden, dass schnelles und datenstarkes Internet unerlässlich ist.

„Vorvermarktungsquote noch nicht erreicht“

Als also der zu Eon gehörende Anbieter innogy (jetzt Westenergie) angekündigt hatte, Im Ortsteil Selm Glasfaser verlegen zu wollen, hatte sich Odenhage das Angebot direkt angeschaut. „Ich habe ein bis zwei Wochen gewartet und Preise verglichen“, erklärt der Selmer. Sein Ergebnis: Der neue Vertrag mit 100 mbit, den er dann über Westenergie abschließen würde, sei geringfügig teurer als der vergleichbare aktuelle Vertrag, den er bei der Telekom hat. Dafür bekommt er aber Glasfaser. Weitere Kosten würden nicht anfallen, da Westenergie die Anschlussgebühren von 1600 Euro zahlen würde.

Es gibt aber ein Aber: Damit der Glasfaser-Ausbau überhaupt gestartet wird, müssen mindestens 40 Prozent der 8900 Selmer Haushalte einen Vorvertrag abschließen. Nur so würde sich der Ausbau überhaupt wirtschaftlich lohnen, macht Westenergie-Sprecherin Katrin Frendo deutlich. Die Deadline für den Vorvertrag war eigentlich der 31. Oktober. Diese Frist wird nun aber verlängert, wie Frendo auf Anfrage sagt. „Wir haben bei dem Projekt die Vorvermarktungsquote noch nicht erreicht“, sagt Frendo.

Deswegen sei die Aktion zunächst auf unbestimmte Zeit verlängert worden. Die Konditionen, also auch die Übernahme der Anschlussgebühr, seien noch dieselben, erklärt Frendo. Konkret bedeutet das, dass bislang gerade einmal fünf Prozent der Selmer Haushalte einen Vorvertrag für den Glasfaser-Anschluss abgeschlossen hätten. „Das ist leider jenseits der Wirtschaftlichkeit“, sagt Frendo. Allerdings liefen gerade auch noch Gespräche mit Wohnungsbau-Unternehmen, so Frendo. Wenn sie entsprechende Vorverträge schließen würden, kämen mit einem Schlag viele Haushalte hinzu. Deswegen laufe die Aktion auch weiter, ob der Glasfaser-Ausbau kommen wird, ist mit der bisherigen Quote aber mehr als fraglich.

Schwierige Bedingungen durch Corona

Woran es gelegen hat? Ralf Odenhage kann sich vorstellen, dass manch einer sich durch die Deadline unter Druck gesetzt gefühlt hat, „manche denken vielleicht, das ist wie bei einer Drückerkolonne“, sagt er. Er hat das so aus seinem Umfeld wahrgenommen. Vielleicht war manch einem auch der über zwei Jahre laufende Vertrag, der aktiv würde, sobald die Glasfaserleitung liegt, zu teuer im Vergleich mit ihrem aktuellen Anbieter, vermutet Odenhage. Er selbst empfindet die Bedingungen als fair.

Corona hätte sicher nicht geholfen, sagt Katrin Frendo, schließlich waren ursprünglich Mitarbeiter von Haus zu Haus gegangen, um potentielle Interessenten zu informieren. Es habe aber auch einige Online-Bürgerveranstaltungen gegeben, doch die hätten ebenfalls nicht zu vielen Rückläufen geführt. Vielleicht hätten die Menschen gerade in Corona-Zeiten auch einfach andere Gedanken, als sich mit Internetanschlüssen zu befassen, vermutet die Pressesprecherin.

Informationen zum Thema: Wer sich noch über das Thema Glasfaser informieren möchte, kann das auf der Website www.eon.de/selm tun. Oder unter der Informationshotline 0800-33-000-33
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