Grippeschutzimpfung: Selmer Ärzte geben Empfehlung auch für Kinder

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Die neue Grippesaison steht bevor. Nun gewinnen während der Pandemie die Impfungen an Bedeutung. Ärzte empfehlen, dass sich auch Kinder impfen lassen sollen.

von Kimberly Becker

Selm

, 15.09.2020, 09:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn der Winter näher rückt und auch die Temperaturen sinken, lassen sich viele Menschen wieder gegen die Grippe impfen. Die Grippeschutzimpfung ist in der Regel bisher von älteren Menschen und Personen mit diversen Erkrankungen wahrgenommen worden. Diese beiden Gruppen haben ein anfälligeres Immunsystem - eine Grippe kann für sie einen Krankenhausaufenthalt mit intensiver gesundheitlicher Betreuung zur Folge haben. Das könne mit einer Impfung verhindert werden, erklärt Dr. Michael Stockmann, Internist aus Selm.

Neue Saison

„Die Grippezeit beginnt meistens ab Oktober, wenn das Wetter zunehmend schlechter wird. Das kann auch schon im September der Fall sein", sagt Dr. Stockmann. Mitte September werden die ersten Impfstoffe an die Apotheken geliefert. Die Impfungen würden dann im Oktober und November anfangen. Bis das Serum wirkt dauert es circa 14 Tage. Deshalb lassen sich die ersten Personen meistens schon ab Ende September impfen. Die Wirkung hält dann bis ungefähr April an, also bis die Grippesaison überstanden ist.

Es könne natürlich trotzdem - sehr selten - dennoch zu einem Ausbruch kommen. „Die WHO stellt die Viren zusammen, die in dem Serum enthalten sein sollten, damit eine Grippe möglichst verhindert werden kann. Ob das genau diese Viren sind, kann niemand zu hundert Prozent sagen. Eigentlich liegt die WHO mit der Zusammensetzung des Impfstoffs in den allermeisten Fällen richtig", erkärt Dr. Stockmann.

Impfung nicht nur für alte und kranke Menschen

„Natürlich sollten sich verstärkt alte und kranke Menschen zuerst impfen lassen. Ich empfehle eine Grippeschutzimpfung aber jedem, beziehungsweise möglichst viele Menschen sollten mitziehen", appelliert Dr. Stockmann. Auch Kinder sollen dabei nicht ausgelassen werden, da diese zwar nicht ernsthaft krank würden, aber Kinder könnten den Grippevirus schnell an Menschen mit schwächerem Immunsystem weitergeben. Stockmann erklärt: „Herdenimmunität ist wichtig. Damit haben wir weniger Angriffspunkte für die Grippe." Je höher der Impfgrad sei, desto weniger Chancen habe das Virus. Das bestätigt auch der Amtsarzt des Kreises Unna, Dr. Roland Staudt: „Auch wer nicht selbst erkrankt, kann andere, ebenfalls nicht Geimpfte anstecken und so eine Kettenreaktion auslösen."

Die Hygienemaßnahmen wie Abstände und das Tragen einer Maske helfen zusätzlich dabei, Viren jeglicher Art an der Verbreitung zu hindern.

Zweite Corona-Welle?

Stockmann befürchtet zudem, dass es nochmal zu einem starken Anstieg an Coronainfektionen kommen wird. „Jetzt sitzen alle noch draußen und können besser Abstand halten. In zwei Monaten werden alle spätestens drinnen sitzen, und drinnen ist die Wahrscheinlichkeit höher sich anzustecken", so Dr. Stockmann.

Die Grippe zusätzlich zu Corona in 2020 kann bedenkliche Folgen haben. Der Internist erinnert sich an die Grippewelle in 2017 und 2018, als die Krankenhäuser ihre Belastungsgrenzen erreicht haben. Wenn hohe Corona-Infektionszahlen nun hinzu kommen, sei das nicht gut für die Belastbarkeit der Arztpraxen und Krankenhäuser. Grundsätzlich könne er aber nichts Genaues sagen. Auch Dr. Roland Staudt zieht solch eine Entwicklung in Betracht: „Bei schwerwiegenden Krankheitssymptomen konkurrieren die Influenza- und Covid19-Erkrankten möglicherweise um dieselben Krankenhausbetten.“

Kaum Unterscheidungen möglich

Hinzu kommt, dass eine Corona-Infektion nicht von einer Grippe einfach unterschieden werden kann. Dabei würden dann nur Abstriche helfen, so der Arzt. Abgesehen davon hält das ganze Praxispersonal die Hygienemaßnahmen ein. Anders könne man sich nicht auf die Grippesaison vorbereiten.

Zu Engpässen sei es bisher noch nie in seiner Praxis gekommen, so Dr. Michael Stockmann. Inzwischen habe er zehn Prozent mehr Impfstoff bestellt als durchschnittlich in den Jahren davor. Bisher habe er jeden problemlos versorgen können. Wie groß der Andrang jedoch dieses Jahr sein wird, kann er nicht eindeutig sagen.

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