Gutachten zum Nordufer des Ternscher Sees liegt vor

Skepsis gegenüber Erweiterung

Die Ratsfraktion von Bündnis90/Die Grünen hat vor einigen Wochen ein Gutachten zum Thema Nordufer am Ternscher See aufgegeben. Nun liegt ein Kurzgutachten von Dr. Götz H. Loos vor. Dieses wollen die Grünen als Grundlage für ihre Argumentation gegen die geplante Umgestaltung des Ternscher Sees nutzen.

SELM

, 21.11.2016, 17:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gutachten zum Nordufer des Ternscher Sees liegt vor

Schuhe aus, Badehose an ? und rein ins Vergnügen. Das Nordufer des Ternscher See zieht immer wieder Menschen an, die in Ruhe ihre Bahnen ziehen wollen. Ein offizieller Badestrand ist hier allerdings nicht.

„Das Gutachten ist auf unserer Internetseite zu finden“, erklärte Grünen-Fraktionsvorsitzende Marion Küpper in einem Gespräch mit der Redaktion. Sie wolle die Bürger ermutigen, bei der Stadtverwaltung Einspruch gegen den Masterplan einzureichen. Der Masterplan liegt im Amtshaus aus, noch könnten Bürger Einwände mitteilen.

Nach Ansicht des Gutachters sollten naturschutzfachliche Maßnahmen im Bereich des Ternscher Sees am bestehenden Gewässer durchgeführt werden. „Dabei ist sogar gutes Einvernehmen zwischen Naturschutz und den Bade- und Liegenutzern am Nordufer herstellbar, sodass aus Naturschutzsicht eine Absperrung des Nordufers für jene Nutzungen sogar als kontraproduktiv für einen Schutz der sandliebenden Organismen-Arten anzusehen ist“, heißt es in dem Fazit.

Ufer als Aufenthaltsort

Dichtes Gebüsch und Hochstauden nützten nur ubiquitären Arten. Dabei handelt es sich um Tier- und Pflanzenarten, die in vielen verschiedenen Biotopen vorkommen können. Vielmehr sollte ein Anreiz geschaffen werden, das Ufer wieder verstärkt zum Aufenthalt zu nutzen, indem die sich nunmehr dort entwickelte Vegetation stark zurückgedrängt und der Zustand von 1985 wieder hergestellt wird.

Der Gutachter befasste sich auch mit einer geplanten Erweiterung. Dieser steht er skeptisch gegenüber. „Die Anlage eines neuen Teilstücks des Ternscher Sees in eine nach wie vor intensiv landwirtschaftlich genutzte Fläche hinein lässt mehr Probleme als Nutzen für naturschutzfachliche Zwecke erkennen“, heißt es in dem Gutachten. Es bestehen in der Praxis erhebliche Zweifel an der Wertigkeit eines hier neu angelegten Gewässerabschnittes. Die Ackernutzung der zur Verfügung stehenden Fläche ist intensiv-landwirtschaftlich: Hier wurden jahrzehntelang hohe Dünger- und Pestizidgaben hinein gegeben.

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Es gibt ökologisch bedenkliche Aspekte

Trotz der Tatsache, dass es sich um einen grobporigen Sandboden handelt, bei dem viele derartige Einträge mit Regenwasser und Tau vergleichsweise schnell in größere Tiefen abtransportiert werden müssen, gibt es ökologisch bedenkliche Aspekte. Sollte in Erwägung gezogen werden, die See-Erweiterung durch Grundwasserspeisung aus diesem Abschnitt hinsichtlich des einzubringenden Wassers zu vollziehen, besteht die grundsätzliche Gefahr einer übermäßigen und unter Umständen für Flora und Fauna nachteiligen Verschmutzung des Gewässers. Sollte eine Verbindung zwischen diesem neuen Abschnitt und dem Hauptteil des Sees geschaffen werden, muss erwartet werden, dass die Einträge aus der ehemaligen Ackerfläche in die Gesamtfläche des Sees vordringen und somit die ohnehin schon sensible Belastungssituation des Gewässers weiter verschärfen werden.

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Auf Anfrage unserer Redaktion kündigte Marion Küpper an, dass die Grünen das Gutachten als Grundlage für ihre Argumentation gegen die geplante Ternscher-See-Umgestaltung nutzen werden.

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