Handlungskonzept Cappenberg: Ein Nein, drei Jas

Interaktive Karte

Wie soll sich Cappenberg entwickeln? Darüber sollen nicht auswärtige Städteplaner entscheiden, sondern die Cappenberger selbst. In diesem Jahr nimmt das Integrierte Handlungskonzept – ein Instrument zur Ortsteilplanung und Städtebauförderung – Fahrt auf. Als erstes hat sich die CDU zu Wort gemeldet und vor einem großen Fehler gewarnt.

CAPPENBERG

, 18.03.2017, 08:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Masterplan Stadt Selm sind erste Vorschläge enthalten für Cappenbergs Entwicklung - unsere interaktive Karte gibt einen Überblick: 

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„Wir haben uns genau angeschaut, was der Masterplan Selm für Cappenberg vorsieht“, sagt Andreas Wißmann, Vorsitzender der Ortsunion Cappenberg, im Gespräch mit unserer Redaktion. Zur Erinnerung: Das Essener Planungsbüro DTB hatte im März vor drei Jahren Ideen für alle drei Ortsteile gebündelt: ein 100-seitiges Papier, von dem zehn Seiten Cappenberg gewidmet sind. Besonders ein Vorschlag darin lässt die CDU rot sehen.

1. Nein zum Wohnen im Wald:

Das regen die Planer von DTB an. Und das regt die CDU auf. „Ein klares Nein zu dem Vorhaben der Abholzung des Waldes mit anschließender Bebauung im Bereich Bushaltestelle gegenüber von Kreutzkamp.“ Das hat die Ortsunion ihrem Forderungskatalog vorangestellt. Dass die Planer an anderer Stelle – auf der Fläche der Tennishalle hinter der Wohnstraße Am Sägeplatz – neuen Wald anlegen wollen, ändert an dieser Ablehnung nichts.

2. Ja zum Wohnen zwischen den beiden Ortskernen:

Auf die DTB-Anregungen zur Schließung von Baulücken (am Buschkamp links neben dem Bischof-Vieter-Haus und auf dem einstigen Minigolfplatz an der Ecke Am Stierksken/Freiherr-vom-Stein-Straße) geht die CDU nicht ein. Der Vorschlag der Planer, hinter Kreutzkamp links vom Cappenberger Damm Baugrundstücke zu schaffen, deckt sich dagegen mit dem CDU-Wunsch, den alten Dorfkern (Kreutzkamp) in Richtung neuer Dorfkern (Freiwillige Feuerwehr an der Ecke Cappenberger Damm/Rosenstraße) zu erweitern.

Im Forderungskatalog zum Thema Wohnen stehen noch Betreutes Wohnen, die Sicherung des Gastronomiestandortes Kreutzkamp, die Sicherung von Kita und Grundschule im Ortskern und ein neues Dorfgemeinschaftshaus. „Das Projekt Dorfladen, das wir schon einmal aufgegriffen hatten, sollten wir weiterverfolgen, um die Versorgung vor Ort zu sichern“, so Wißmann.

3. Ja zu besserer Anbindung:

Die CDU wünscht sich einen Kreisverkehr, wo die Rosenstraße auf den Cappenberger Damm mündet „zwecks Verkehrsberuhigung und Anschlussbebauung“. Die Straße Immenbrock solle saniert und in Richtung Baugebiet Mälzerstraße erweitert werden. Für den Buschkamp, der zu Schule und Kita führt, wünscht sich die Union einen Ausbau. Außerdem seien bessere Radwegeverbindungen nötig (unter anderem beidseitig vom Schloss bis zur Überwasserstraße).

4. Ja zum Kulturstandort:

Das Schloss Cappenberg soll Teil der Schlösserroute werden(siehe 3 Fragen). Wichtig ist der Union das langfristige Bekenntnis zum Schloss als Ausstellungs- und Museumsstandort. Es sei „eine echte Landmarke“, so Wißmann. Der Brauereiknapp mit der Waldschule solle künftig nicht nur Anlaufpunkt für Pädagogen und Naturfreunde jeden Alters sein, sondern auch für Touristen. An der Straße, an der die Schlossklause seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf liegt, wünscht sich die CDU wieder Gastronomie.

 

  

Drei Fragen an Michael Kösters, Vorstandsmitglied Münsterland e.V.

Warum liegt Cappenberg mit seiner historisch bedeutenden Schlossanlage nicht auf der 100-Schlösserroute?

Ohne Frage ist Schloss Cappenberg ein lohnenswertes Ziel. Es lag bis vor etwa zehn Jahren ja auch an unserer Schlösserroute. Die war damals allerdings rund 1500 Kilometer lang und damit viel zu lang. Denn die Radler fuhren mitunter Tage lang, ohne ein Schloss zu sehen. Das haben wir geändert: gekürzt und komprimiert. Das Ergebnis ist eine mit 950 Kilometern eigentlich immer noch zu lange Route – ohne Cappenberg.

Spielen auch finanzielle Gründe eine Rolle, dass ausgerechnet Cappenberg gestrichen wurde?

Das ist nicht der Hauptgrund, aber ich müsste lügen, wenn ich behauptete, dass es gar keine Rolle spielt, ob eine Stadt bei uns im Verein Mitglied ist oder nicht. Selm ist nicht Mitglied. Und ich hätte Mühe, Mitgliedskommunen zu erläutern, warum sie gestrichen würden von der Route, Selm aber nicht. Dass die Mitgliedschaft bei uns attraktiv ist auch wenn man nicht zum Kerngebiet des Münsterlandes gehört, zeigt ja Werne. (Anmerkung der Redaktion: Die Mitgliedschaft kostet pro Jahr 5000 Euro für eine Stadt mit 10.001 bis 75.000 Einwohner).

Gibt es denn Chancen, dass Cappenberg wieder eines der rund 100 Schlösser auf der beliebten Radroute wird?

Grundsätzlich schon. Ich kann aber jetzt noch nicht sagen, wann wir das nächste Mal das Programm überarbeiten werden. Schließlich bedeutet jede Veränderung der Route, dass auch alle Flyer und Prospekte verändert werden müssen. Gleiches gilt auch für die Beschilderung.

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