Hasselner Kapelle wird innen und außen saniert

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Die Hasselner Kapelle in Selm ist seit Jahrhunderten über die Ortsgrenzen hinaus bekannt – als Wallfahrtskapelle. Menschen aus der ganzen Region brachten hier ihre Anliegen vor. Jetzt ist die Kapelle selbst der Patient. In ihr bröckelt und schimmelt es. Die Gemeinde ruft Restauratoren zur Hilfe – das kostet.

BORK

, 08.04.2017 / Lesedauer: 3 min
Hasselner Kapelle wird innen und außen saniert

Auf den ersten Blick sieht die barocke Kapelle noch sehr gut erhalten aus.

„Die Gesamtkosten für die Maßnahme an der Kapelle in Hassel betragen 56.000 Euro“, sagt Anke Lucht, Sprecherin des Bischöflichen Generalvikariats Münster. 42.000 Euro davon übernehme das Bistum. Den Rest muss die katholische Kirchengemeinde St. Ludger Selm aufbringen – durch Spenden.

 

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Anliegen der ganzen Stadt

„Wir rufen jeden Monat zu einer Sonderkollekte auf“, sagt Pfarrer Claus Themann. Die unter Denkmalschutz stehende Kapelle ohne Elektrizität und Heizung sei „ein Ort der Geschichte unseres Glaubens“. Dieses kleine, sieben mal vier Meter große Gotteshaus zu erhalten, sei ein Anliegen nicht nur der Gläubigen des Ortsteils Bork-Hassel, sondern der gesamten Stadt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht es in der Hasselner Kapelle aus

07.04.2017
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Eines der Kirchenfenster in der Kapelle.© Foto: Sylvia vom Hofe
Ein Blick auf den schadhaften Boden.© Foto: Sylvia vom Hofe
Putz blättert.© Foto: Sylvia vom Hofe
In dem kleinen Gotteshaus gibt es keine Elektrizität. Kerzen haben daher große Bedeutung.© Foto: Sylvia vom Hofe
Grün ist die Decke.© Foto: Sylvia vom Hofe
Ein Blickauf den Altarsockel.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Schelle zeigt: Hier wird noch immer Gottesdienst gefeiert.© Foto: Sylvia vom Hofe
Diese holzernen Beine sind Ausdruck des Dankes geheilter Beter.© Foto: Sylvia vom Hofe
Hinein in die Kapelle, die meistens verschlossen ist.© Foto: Sylvia vom Hofe
Durch den Rundbogen über der Tür fällt zusätzliches Licht in die Kapelle.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Hasselner Kapelle an der Lünener Straße in Bork.© Foto: Sylvia vom Hofe
Eine kleine Glocke hängt am Giebel.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Wappen des Stifters, Johann Engelbert von Ketteler, Propst von Cappenberg, ist kaum noch zu erkennen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Geschichte der Kapelle in Bronze gegossen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Kapelle von hinten.© Foto: Sylvia vom Hofe
Rund um das kleine Gotteshaus sickert das Wasser in die Erde - und von dort ins Mauerwerk.© Foto: Sylvia vom Hofe
Ein Blick auf diese Wand zeigt, dass Renovierungsbedarf besteht.© Foto: Sylvia vom Hofe
Auf den ersten Blick sieht die barocke Kapelle noch sehr gut erhalten aus.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der nähere Blick zeigt: Der Sandstein ist schon sehr verwittert.© Foto: Sylvia vom Hofe
Rote Ziegelsteine müssen teilweise ersetzt werden.© Foto: Sylvia vom Hofe
Aus Bork kommend fällt der Blick auf die Problemseite der Kapelle.© Foto: Sylvia vom Hofe
Einst war die Kapelle ein Ziel für Wallfahrten. Daran erinnern noch die sogenannten Votivgaben. Votum heißt auf Latein Gelübde. Die Beter hatten ein gelübde abgelegt, wenn sie von einer Krankheit geheilt würden.© Foto: Sylvia vom Hofe
Weitere Votivgaben - dieses Mal Arme aus Holz.© Foto: Sylvia vom Hofe
23 Votivgaben hängen in der Kapelle.© Foto: Sylvia vom Hofe
Kerzen sorgen für Licht.© Foto: Sylvia vom Hofe
Sein Alter verrät das Holz.© Foto: Sylvia vom Hofe
Schadhaft: der Putz.© Foto: Sylvia vom Hofe
Ein Blick in die Kapelle.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der romanische Jesus: eine Kostbarkeit.© Foto: Sylvia vom Hofe
Maria steht links unter dem Kreuz.© Foto: Sylvia vom Hofe
Johannes steht auf der rechten Seite.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Fenster auf der andeen Seite.© Foto: Sylvia vom Hofe
Schlagworte Selm

Die Kapelle ist schon seit Jahrhunderten über die Ortsgrenzen hinaus bekannt – als Wallfahrtskapelle. Die Menschen aus der ganzen Region strömten zu dem mehr als 800 Jahre alten Kreuz und brachten vor ihm ihre Anliegen vor. Manch einer leistete dabei ein Gelübde, wie Fredy Niklowitz, Leiter des Lünener Stadtarchivs und Vorstandsmitglied des Borker Heimatvereins berichtet. Das sei wohl schon seit Errichtung der ersten Kapelle 1379 an dieser Stelle so gewesen. Sicher nachweisen lässt es sich aber ab 1750. Aus dieser Zeit stammen die hölzernen Beine und Arme an der Wand: sogenannte Votivgaben. Dieser Name leitet sich ab von dem lateinischen Wort votum: zu deutsch Gelübde. Beter versprachen bei Heilung eine solche fromme Gabe.

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„Im 30-jährigen Krieg wurde die ursprüngliche Kapelle ein Opfer der Flammen“, sagt Nikowitz. Ein Neubau erfolgte 1725 durch Johannes Engelbert von Ketteler, dem Probst zu Cappenberg. Der mächtigste Kirchenmann weit und breit ließ sein Wappen im Giebel des Neubaus verewigen. Was es zeigt, lässt sich mittlerweile aber nicht mehr erkennen. „Der Sandstein ist verwittert“ sagt Architektin Christa Rethmann aus Selm.

Startschuss fällt nach Ostern

Wer sich das Gotteshaus von außen ansieht und nicht nur über die Lünener Straße vorbeifährt, erkennt schnell weitere Schadstellen: Der weiße Putz ist dunkelgrau. Die roten Ziegelsteine sind abgeplatzt. Wegen fehlender Dachrinnen und Fallrohre – „die waren damals nicht üblich“ – laufe das Wasser an den Wänden hinab und sammele sich am Fuß des Gebäudes, so Rethmann. „Da müssen wir ran“ – mit Bagger.

Innen gibt es bis Herbst, wenn alles fertig sein soll, ebenfalls viel zu tun: Risse, Schimmel, Ruß. Die Arbeiten beginnen nach Ostern mit dem Ausräumen der Innenausstattung – inklusive der 23 Arme und Beine.

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