Haustier-Boom in Corona-Zeiten? So erleben Tierheime die Coronakrise

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Seit Corona ist die Nachfrage nach Haustieren scheinbar groß. Stimmt das - und werden die im Frühjahr erworbenen Tiere in die Tierheime in Selm und Umgebung nun zurückgebracht?

18.10.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

In den vergangenen Monaten hat sich durch Corona vieles geändert - vor allem der Umfang der Zeit, die die Menschen zu Hause verbringen. Und damit wuchs bei vielen scheinbar der Wunsch, sich endlich den Traum vom Haustier zu erfüllen; oder mithilfe von diesem die Einsamkeit zu vertreiben, die zwischen Lockdown, Quarantäne und Homeoffice nicht selten auftritt.

Die Nachfrage nach Haustieren habe sich in der ersten Hälfte des Jahres 2020, im Vergleich mit der Vergangenheit, bei den Tierfreunden Lüdinghausen mindestens verdoppelt, sagt Maria Eichel vom Verein „Tierfreunde Lüdinghausen und Umgebung“. Sie fügt jedoch hinzu: „Nicht aber die Zahl der Tiere, die wir tatsächlich vermittelt haben.“

Mischlingshund Lex ist während der Krise zu den Tierfreunden aus Lüdinghausen und Umgebung gekommen - und ist dadurch einer der, im Vergleich mit der Vergangenheit, deutlich weniger gewordenen Hunde, die in diesem Jahr und somit während der Corona-Zeit ins Tierheim gebracht wurden.

Mischlingshund Lex ist während der Krise zu den Tierfreunden aus Lüdinghausen und Umgebung gekommen - und ist dadurch einer der, im Vergleich mit der Vergangenheit, deutlich weniger gewordenen Hunde, die in diesem Jahr und somit während der Corona-Zeit ins Tierheim gebracht wurden. © Verena Halten

Das zeigen auch die Zahlen: Von September bis Dezember 2019 wurden 18 Hunde und 44 Katzen vermittelt. Von Januar bis Mitte Oktober 2020 45 Hunde und 92 Katzen. Das Team des Vereins habe laut Eichel nämlich bei den Beratungsgesprächen, zu denen zwar keine Zahlen vorliegen, die aber zahlreicher waren als in der Vergangenheit, ganz genau hingeschaut. Noch genauer als sonst?

Ein Zuhause für das Tier - nicht ein Tier für den Interessenten

„Nein, nicht wirklich“, sagt Eichel, denn die Tierfreunde schauen immer genau hin. Etwas, das laut Birgit Kalle, Sprecherin des Kreises Unna, auch beim Tierheim des Kreises Unna der Fall ist, auch wenn die Nachfrage hier in den vergangenen Monaten nicht merklich größer ausgefallen ist. Das Tierheim wolle immerhin, dass es später sowohl dem Tier als auch dem Besitzer gut geht. „Wir suchen immerhin ein Zuhause für das Tier“, sagt auch Eichel - und nicht ein Tier für den Interessenten. Wie genau stellen die Mitarbeiter das an?

Indem sie Nachfragen stellen wie etwa die, wie lange ein Interessent arbeiten muss und wer sich während dieser Zeit um das Haustier kümmert. Oder dann, wenn der Interessent krank wird oder in den Urlaub fährt. Allerdings hat der Verein in den vergangenen Wochen und Monaten etwas genauer auf die Antworten geschaut, die die Interessenten auf diese Fragen gaben.

Diese zeigen laut Eichel nämlich oft, wie gründlich sich der Interessent die Anschaffung seines Tieres überdacht hat. Aktuell haben viele Menschen viel Zeit, aber das sei nicht für immer so. Und genau das scheinen viele Menschen laut Eichel auszublenden. Entweder machen sie sich da gar keine Gedanken um die Zeit nach Corona oder sie hoffen, „dass das so bleibt, wie es jetzt ist.“ Oft werde da nur bis nächstes Jahr gedacht. „So ein Tier wird aber älter“, sagt Eichel.


Natürlich gab es auch Ausnahmen. Interessenten, die glaubwürdig klangen und sich die Anschaffung trotz Corona gut überlegt hatten. Menschen, denen der Verein also ein Tier vermittelt habe - in der Hoffnung, dass dieses nicht nach der Krise wieder den Weg zurück ins nächstbeste Tierheim findet. „Man kann den Menschen ja leider nur vor den Kopf schauen“, sagt Eichel. Demnach wisse sie nicht, ob so mancher ihr nur das erzählen würde, was sie hören will. „So genau kann man das ja leider nicht prüfen“, sagt Eichel.

Und wie sieht es aktuell aus? Die Nachfrage sei bisher nach wie vor groß und es wurden nur wenige Tiere ins Heim gebracht. Vor allem bei Hunden sei eine Differenz zu den Vorjahren spürbar, sagt Kalle und sie vermutet, „das könnte daran liegen, dass die Menschen jetzt mehr Zeit für ihre Tiere haben.“ Das habe eventuell so manchen Gedanken, dass Tier aus Zeitmangel ins Tierheim zu bringen, zerschlagen. Beziffern ließe sich dies jedoch nicht, „da führen wir keine Statistiken zu.“

Katze Shirin sucht, wie viele Tiere im Tierheim der "Tierfreunde Lüdinghausen und Umgebung" ein neues Zuhause. Dieses sollte aber bestenfalls von Dauer sein und nicht nur für die Zeit der Krise.

Katze Shirin sucht, wie viele Tiere im Tierheim der "Tierfreunde Lüdinghausen und Umgebung" ein neues Zuhause. Dieses sollte aber bestenfalls von Dauer sein und nicht nur für die Zeit der Krise. © Verena Halten

Auch Eichel kann allerdings bestätigen, dass sich momentan merkbar weniger Menschen von ihren Hunden trennen. Darüber hinaus habe der Verein keinen Unterschied bemerkt. Es gebe wie auch in den Jahren zuvor viele Katzenbabys, das liege aber nicht an Corona. Die Krise sei ja aber noch nicht vorbei, „es wird ja gerade eher wieder schlimmer“, wirft Eichel ein. Sie schließe nicht aus, dass die große Rückgabewelle noch kommt, auch wenn sie hofft, dass das nicht der Fall sein wird.

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