LAFP

Herbert Reul in Bork: „Wünsche mir, dass jeder Polizist nach Selm kommt“

Eine Ausstellung im LAFP in Bork beleuchtet die Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus. NRW-Innenminister Herbert Reul kam zur Eröffnung und richtete mahnende Worte an die Anwesenden.

Es war ein geschichtsträchtiger Tag, an dem NRW-Innenminister Herbert Reul das LAFP in Bork besuchte. Der 1. September wurde dabei nicht zufällig gewählt. Mit dem Überfall auf Polen begann genau an diesem Tag vor 82 Jahren der zweite Weltkrieg. Eine Zeit, in der sich die Polizei mitschuldig machte.

Innenminister Reul eröffnete im Zentrum für ethische Bildung und Seelsorge in der Polizei NRW (ZeBuS) die polizeigeschichtliche Ausstellung „UnRecht & Ordnung – Polizeiliche Macht und persönliche Verantwortung im Nationalsozialismus“.

Vom Nazi bis zum Widerständler

Die Schau an zentraler Stelle beleuchtet das dunkelste Kapitel der deutschen Polizei. „Die Polizei wurde Helfer zu einem menschenverachtenden Regime“, fasst es LAFP-Leiter Michael Frücht zusammen. „Durch Gesetze und Notverordnungen sicherten sich Hitler und die Nationalsozialisten nach 1933 die Macht und setzten die Polizei für ihren Machtausbau ein.“

An verschiedenen Stationen der Ausstellung – von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit – wird die Rolle der Polizei thematisiert. Vom überzeugten Nazi bis zum Widerständler werden die Werdegänge und Schicksale einzelner Polizisten in den Fokus gerückt.

„Die Ausstellung soll zum Nachdenken und Weiterbeschäftigen anregen“, so Herbert Reul. „Es freut mich ganz besonders, dass die Idee aus der Polizei selbst kommt.“

Die Schau zeige, was nie wieder passieren dürfe. „Die Polizei ist Garant des Rechtsstaates. Gerade sie muss sich an Recht und Ordnung halten“, merkt der Minister an. Das war aber auch in der jüngeren Vergangenheit nicht immer so, wie Reul feststellen musste: „Die rechtsextremen Fälle in der Polizei NRW waren zwar einzelne Fälle, aber es gab sie.“

Der politischen Bildung komme eine wichtige Rolle zu. Es müsse einen offenen Umgang und ein Bewusstsein der Vergangenheit geben. „Das Thema Rechtsextremismus muss genauso Pflicht in der Ausbildung sein, wie das Funkalphabet oder die Aufnahme eines Verkehrsunfalls“, fordert der Innenminister. Fest steht bereits: Künftig werden alle Führungskräfte, die im LAFP ausgebildet werden, die neue Dauer-Ausstellung besuchen.

Würde des Menschen ist Eichwert

Herbert Reul geht da noch weiter: „Ich wünsche mir, dass jeder Polizist zur Ausstellung nach Selm kommt.“

LAFP-Chef Michael Frücht mahnt: „Es darf nie wieder passieren, den Staatsapparat für solch perfide, menschenverachtende Ziele zu missbrauchen.“ Daher sei es von besonderer Bedeutung, dass jeder Polizist einen Befehl auf Rechtmäßigkeit prüft. „Die Würde des Menschen ist unser Eichwert“, so Frücht.

Ein Videotrailer im Intranet der Polizei wirbt für die Ausstellung. Neben Führungen durch die Schau soll es künftig auch einen Audioguide geben.

Über den Autor
Volontär
1989 im Ruhrgebiet geboren, dort aufgewachsen und immer wieder dahin zurückgekehrt. Studierte TV- und Radiojournalismus und ist seit 2019 in den Redaktionen von Lensing Media unterwegs.
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Dennis Görlich