Heribert Heitkamp trauert um die St.-Josef-Kirche

Nach Entweihung

Der geplante Abriss der St.-Josef-Kirche bewegt die Menschen. Das wurde während der Entweihung des Gotteshauses am Wochenende deutlich - auch im Gespräch mit Heribert Heitkamp. Er hat eine besondere Beziehung zu der Kirche. Einige der wichtigsten Augenblicke seines Lebens hat er in ihr erlebt.

SELM

, 29.09.2016, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Heribert Heitkamp trauert um die St.-Josef-Kirche

65 Jahre lang hat Heribert Heitkamp im Kirchenchor St. Josef gesungen. In der Kirche wurde er getauft, dort ist er zur Erstkommunion gegangen, dort hat er geheiratet. Dass die St.-Josef-Kirche demnächst abgerissen wird, kann er nicht fassen.

Heribert Heitkamp ist 75 Jahre alt und kann immer noch nicht fassen, dass die Kirche, an die er so viele Erinnerungen hat, entweiht wurde und teilweise abgerissen wird. Er verbindet mit der St.-Josef-Kirche viele Emotionen. Über einige davon spricht er: „Ich bin in Beifang geboren, bin in St. Josef getauft worden.“ Erstkommunion, Firmung, Erlebnisse die ihn geprägt haben. „Ich komme ja aus einem katholischen Elternhaus.“ Seine Kindergartenzeit hat er dort verbracht, wo heute der Pfarrsaal und die Altenbegegnungsstätte sind. „Damals war der Kindergarten dort.“

Die auch räumliche Nähe zur St.-Josef-Kirche intensivierte sich durch die Begegnung mit dem damaligen Organisten der Gemeinde, Wilhelm Oechtering: „Er hat mich gebeten, vor meiner Klasse vorzusingen. Wir waren 20 Sängerknaben. Und weil ich eine sehr hohe Stimme hatte, hat er mich als Solist gefördert.“

Erst Solist, dann Sopran

Und schon seien die ersten Anfragen gekommen, etwa auf Hochzeiten zu singen. „Später bin ich dann in den gekommen.“ Und zwar in den Sopran, eigentlich eine weibliche Stimme. "Ich hatte ja eine sehr hohe Stimme“, erzählt Heitkamp schmunzelnd. „Nach dem Stimmbruch kam ich dann aber in den Tenor.“

Wieder einige Jahre später, Heitkamp war zum jungen Mann gereift, der nächste Meilenstein in seinem Leben: „Im Kirchenchor lernte ich meine Frau Roswitha kennen.“ Im Gotteshaus wurde das Paar getraut. „Es war ein Mittwoch und fast alle 40 Sänger haben die Messe in C von Bruckner gestaltet.“

Wilhelm Oechtering habe ihn dazu gebracht, dem Männergesangsverein beizutreten. 30 Jahre habe er dort mitgesungen. Mit Oechterings Nachfolger Wilhelm Erdmann habe es sehr häufig nach der Chorprobe im Pfarrsaal St. Josef ein gemütliches Beisammensein gegeben. „Er hat dazu öfter sein Akkordeon mitgebracht. Es war eine schöne Zeit.“

Gesang zur Orgel

Auch der nächste Organist, Rudolf Helmes, konnte auf dien Stimmgewalt Heribert Heitkamps bauen. „Ich habe noch einige Jahre gesungen.“ 2012 erhielt er die Urkunde für 65 Jahre als Mitglied im Kirchenchor St. Josef. Zwei Jahre später habe er dann mit dem Singen aufgehört. „Aus gesundheitlichen Gründen.“

Auch wenn seine Stimme den Kirchenraum nicht mehr füllt, klingen bei Heribert Heitkamp doch die vielen Erlebnisse nach: „Ich habe oft genug in der einen Messe vorgebetet, dann habe ich gesungen und in der nächsten die Messe gedient.“

In diesen Tagen wird die Kirchen-Orgel, die seinen Gesang oft genug begleitet hat, abgebaut und in einer Kirche im Bistum Trier wieder aufgebaut. Und irgendwie schließt sich der Kreis irgendwann auch wieder: „Mein Sohn Andreas spielt Querflöte und mein Sohn Christian ist Kirchenmusiker. Christian wird wohl der Erste sein, der die Orgel aus St. Josef in der Kirche spielen darf, wo sie wieder aufgebaut wird.“

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