Hohe Strafen im Bandidos-Prozess gefordert

Gegen Selmer Rocker

Im Drogen-Prozess gegen einen 46 Jahre alten Rocker aus Selm und weitere Angeklagte aus den Reihen der Bandidos haben die Anwälte am Freitag ihre Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft forderte hohe Haftstrafen - die Verteidiger der Bandidos teilweise hingegen sogar die Einstellung des Verfahrens.

SELM/MÜNSTER

19.06.2016, 10:20 Uhr / Lesedauer: 1 min

Drastische Freiheitsstrafen forderte Staatsanwalt Andeas Wigger am Freitag im Bandidos-Prozess am Landgericht Münster: je zehneinhalb Jahre für den angeklagten Selmer Bandido und einen holländischen Angeklagten. Der zweite Holländer soll neun Jahre und acht Monate hinter Gitter, der ehemalige Rockerpräsident sogar zehn Jahre und zehn Monate.

Für einen britischen Bandido beantragte der Staatsanwalt sieben Jahre und zehn Monate, unter anderem wegen eines Raubüberfalls auf einen Südkirchener Großdealer. Fünf Jahre und zehn Monate schließlich soll ein 51-jähriger Bandido aus Rheine bekommen.

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Staatsanwaltschaft: Taten seien erwiesen

Staatsanwalt Wigger bezeichnete seinen Kronzeugen als glaubwürdig und den Rauschgifthandel, den Drogenschmuggel sowie den Betrieb von Marihuana-Plantagen als erwiesen. Er begann sein Plädoyer mit den Vorwürfen gegen den 46-jährigen Selmer. Der habe in seiner Halle ein Amphetamin-Labor betrieben, den Schmuggel nach Finnland mit organisiert sowie in Selm umfangreichen Amphetamin-Handel betrieben. Auch habe er ein M16-Maschinengewehr besessen.

Dies sah Ralph Giebeler, einer der drei Rechtsanwälte des Selmers, völlig anders. Er beantragte die Einstellung des Verfahrens. Der Prozess verstoße gegen rechtsstaatliche Grundsätze. Strafkammer, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten ein faires Verfahren verhindert. Beweisanträge seien abgeschmettert, wichtige Informationen zurückgehalten worden, so Giebeler: „Wir Verteidiger sind hinters Licht geführt worden.“ Das grenze an Willkür. 

Einstellung des Verfahrens - oder Freispruch?

Sollte die Kammer das Verfahren nicht einstellen,  forderte der Anwalt Freispruch für seinen Mandanten, denn: „Der Kronzeuge hat ständig gelogen. Es ist schlimm, dass die Behörden das mitgemacht haben und ihm dafür auch noch Zeugenschutz gewähren."

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Rechtsanwalt Friedrich-Karl-Schramm, der den 51-jährigen Rheiner Bandido vertritt,  beantragte für diesen eine milde Strafe von höchstens drei Jahren und Haftverschonung. Sein Mandant habe als einziger vor Gericht ausgesagt und zwei Taten gestanden. Zwei weitere  Anklagepunkte bestreite er. Die anderen Vorwürfe gegen ihn seien mittlerweile aus der Welt. Den Angriffen auf die Strafkammer schloss sich Schramm nicht an. Am kommenden Dienstag werden die anderen Rechtsanwälte plädieren.

Befangenheitsanträge abgelehnt
Vor dem Plädoyer des Staatsanwaltes waren drei Ablehnungsanträge der Anwälte des Selmers, des Engländers und des Rockerchefs gegen den Vorsitzenden der Strafkammer Dr. Jochen Dyhr, seine beiden Beisitzerinnen und die beiden Schöffen behandelt worden. Die Vertretungsrichter der 3. Großen Strafkammer hatten diese Befangenheitsanträge zurückgewiesen. Informiert haben sie darüber allerdings neben dem Staatsanwalt nur die Verteidiger, die die Ablehnung erklärt hatten. Dies wiederum rügte Rechtsanwalt Stephan Kreuels, der einen der beiden Niederländer verteidigt.

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