Ideen für Cappenberg stoßen nicht auf Verständnis, sondern teilweise auf Ablehnung

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38 Häuser auf dem Acker gegenüber der Feuerwehr und Bebauung, wo heute Wald steht: Solche Ideen für Cappenberg fielen bei der Bürgerversammlung am Montag durch. Eine Frage blieb offen.

Cappenberg

, 21.05.2019, 15:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach fast zwei Stunden Diskussion über die Entwicklungsmöglichkeiten von Cappenberg platzt Dr. Peter Kreutzkamp am Montagabend die Hutschnur. Er habe, sagt er, viel Unsinniges gehört an diesem Abend, „zu einer ganz entscheidenden Frage fiel aber noch kein einziges Wort.“

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Das sind mögliche Projekte für Cappenberg

Wie soll sich Cappenberg entwickeln? Die beauftragten Stadtplaner haben mehrere Ideen zusammengetragen. Nicht alle kamen gut an.
21.05.2019
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Der Schlossberg ist steil und daher gefährlich. Soll er gesperrt werden für den Autoverkehr? Das ist ein Vorschlag. Ein andeer, den die Planer favorisieren: Die Freiherr-vom-Stein-Straße sperren.© Sylvia vom Hofe
Verwunschene Gaststätte am Brauereiknapp. nach vielen Jahren des Leerstands denke der Graf über einen Abriss der Schlossklause nach, sagt Olaf Kasper vom Planungsbüro. Der Tennisplatz dahinter bleibe aber bestehen.© Sylvia vom Hofe
Die gräfliche Verwaltung könmnte zu einem Bindeglied zwischen Schloss und Dorf werden. Dort könnte eine sogenannte Vinothek einziehen.© Sylvia vom Hofe
Reif für den Abriss: Die Tennishalle soll verschwinden. An ihrer Stelle können sich die Planer und der Eigentümer, der Graf von Kanitz, aber nicht eine neue Bebauung vorstellen, sondern eine Aufforstung. An andeer Stelle ist dafür eine Abholzung vorgesehen.© Sylvia vom Hofe
Gegenüber der Feuerwehr auf der Rosenstraße sollen Bauplätze ausgewiesen werden. 38 Wohneinheiten, wie eine Skizze der Planer es zeigte, sind aber zu viel,. wie die Cappenberger im Saal meinten.© Sylvia vom Hofe
Dieser Wald schräg gegenüber des Hauses Kreutzkamp soll Platz machen für Bebauung: eine Idee, die nicht auf Gegenliebe stieß.© Sylvia vom Hofe
Hohe Bebaung wie auf der gegenüberliegenden Seite des Cappenberger Damms soll nach einem Vorschlag der Planer auch jenseits des vom-Stein-Denkmals im Wald ermöglicht werden.© Sylvia vom Hofe
Soll die Freiherr-vom-Stein-Straße vom Autoverkehr befreit werden? Die Mitarbeiter des Planungsbüros Planlokal Dortmund können sich das vorstellen. Alternativ ist die Sperrung des Schlossbergs für den Autoverkehr im Gespräch.© Sylvia vom Hofe
Der Vorplatz des Schlosses könnte sich mausern, wie die Planer meinen. Sie haben dabei nicht nur den Platz selbst vor Augen, sondern auch den Kreuzungspunkt Varnhöveler Straße/Schlossberg/Freiherr-vom-Stein-Straße. Er könne durch einen besonderen Asphalt (Gussasphalt) optisch ansprechender gestaltet werden.© Sylvia vom Hofe

Der Cappenberger, dessen Familie schon seit fast 500 Jahren am Ort ansässig ist, möchte wissen, „welche Fördermöglichkeiten es gibt“ und mit wie viel Geld zu rechnen sei. Die Antwort, die er erhält, stimmt Kreutzkamp und seine Nachbarinnen und Nachbarn aber wenig zufrieden.

Ohne Moos nichts los: Warum mit Zuschüssen erst einmal nicht zu rechnen ist

Die Signale der Bezirksregierung seien eindeutig, versucht es Olaf Kasper. So lange die Stadt Selm ihre finanziellen und personellen Ressourcen gebunden habe, um die Aktive Mitte in Selm zu gestalten, sei nicht mit hohen Zuschüssen für die anderen Ortsteile zu rechnen. Das, so Kasper, sei auch der Grund, warum zurzeit für die größeren Städtebauprojekte für den Ortsteil Bork „Förderperspektiven noch fehlen“. Kurz und bündig: Der Mitarbeiter des Planungsbüros Planlokal in Dortmund, das die Stadt auch bei der Entwicklung der Aktiven Mitte und Borks berät, sieht für Cappenberg keine Chancen, schnell an Geld zu kommen. Dennoch würde es Sinn ergeben, Ideen zu sammeln.

Ideen für Cappenberg stoßen nicht auf Verständnis, sondern teilweise auf Ablehnung

Mit rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern war die Bürgerversammlung sehr gut besucht. Die Stühle reichten nicht aus. © Sylvia vom Hofe

„Die öffentliche Hand ist hier nicht der einzige Akteur“, so Kasper. Dem Grafen von Kanitz etwa gehörten viele Liegenschaften. Und der habe, wie Kasper mitteilte, einiges vor: unter anderem die Schaffung von zwei Wohnbauflächen, wo heute noch Wald ist, zum einen am Buschkamp links neben dem katholischen Pfarrheim, zum anderen gegenüber des Hauses Kreutzkamp neben der heutigen Bushaltestelle. Dieser Vorstoß war schon in vorangegangenen Planungsrunden durchgefallen bei der Bevölkerung.

Bebauung an der Rosenstraße, aber nicht so dicht

Bebauung gegenüber der Feuerwehr an der Rosenstraße - dort, wo viele im Saal den Dorfmittelpunkt sehen, während die Dortmunder Planer ihn eher bei Haus Kreutzkamp erkennen - ist allgemein erwünscht, am liebsten verbunden mit einem Kreisverkehrsplatz. Der, so Kasper, sei allerdings sehr teuer und lohne sich nur bei einem größeren Projekt. Wie das aussehen könnte, erschreckt aber die Menschen Saal: „Verdichtete Bebauung mit 38 Wohneinheiten will hier niemand“, sagt Olaf Kasper nach einer Pause. Tiny Houses, also Mini-Häuser, offenbar auch nicht.

Während der Sommermonate pfeilen die Stadtplaner weiter an Ideen für Cappenberg.

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So kommentiert Redakteurin Sylvia vom Hofe das Thema:

Alter Wein aus neuen Schläuchen

Wein ist ein wichtiges Thema in Cappenberg. Dort gibt es einen Weinberg, Weinkeller und vielleicht bald schon eine Vinothek in den gräflichen Verwaltungsräumen. Bei so viel Weinverstand sollten es alle besser wissen: Alter Wein gehört nicht in neue Schläuche gefüllt! Genau das ist aber während der Bürgerversammlung am Montag passiert.

Immer wieder waren Bürgerinnen und Bürger von Cappenberg aufgerufen, Ideen für ihren Ortsteil zu sammeln: 2009, 2011, 2014 - und und jetzt wieder. Immer wieder haben sie klar gesagt: Bebauung ja, aber keine Waldrodung. Genau diesen ökologischen Wahnsinn - Wald für Bebauung zu opfern - schlagen die Städteplaner jetzt erneut vor, und das gleich an zwei Stellen: schräg gegenüber von Haus Kreutzkamp und am Buschkamp.

Alter Wein, der immer wieder serviert wird, schmeckt deshalb nicht besser. Ganz im Gegenteil: eher schal und abgestanden. 100 Cappenbergerinnen und Cappenberger im Saal, die aktiv an der Entwicklung ihres Ortsteils mitarbeiten wollen, hätten etwas Spritzigeres verdient.

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