Im Ruhestand: Selmer bildet Lehrer in Mexiko fort

Ehrenamtliches Engagement

Aus dem Berufsleben ausscheiden und die Füße erstmal hochlegen? Nichts für Ludger Maas. Erst vor Kurzem ist er aus Mexiko zurückgekommen. Dort war Maas als ehrenamtlicher Senior-Experte im Einsatz: Der Beginn einer Karriere, die nicht in Euro bezahlt wird, sondern mit Anerkennung.

SELM

04.04.2017 / Lesedauer: 3 min
Im Ruhestand: Selmer bildet Lehrer in Mexiko fort

In einer Pressekonferenz erzählt Ludger Maas (Mitte) in Mexiko über seine Aufgabe als Seniorexperte.

"Egal ob Bäckermeister, Ingenieur, Lehrer, Schlosser, Arzt, Mann oder Frau - jeder wird gebraucht", sagt er. Ludger Maas kann ein Vorbild sein. Nach seiner Pensionierung im vergangenen Jahr suchte der Selmer nach einer sinnvollen Aufgabe. Fündig wurde er beim Senior-Experten-Service (SES), einer Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. 

Vom ersten Angebot - in Ruanda Fertigungsmaschinen zu produzieren - war Maas eher enttäuscht, weil die erst hätten repariert werden müssen. Das nächste Angebot war es dann: In Mexiko sollte der Lehrer mit 40-jähriger Berufserfahrung am Leopold-Hoesch-Kolleg in Dortmund Berufsschullehrer fortbilden. Maas nahm an einem allgemeinen Einführungsseminar teil. Zuhause fing er an, ein Programm zu entwickeln.

Eine Reise ins Ungewisse

Aber er wusste nicht genau, was ihn vor Ort eigentlich erwarten würde. "Ich bin mit einem flauen Gefühl im Magen nach Mexiko geflogen", gesteht er trotz seiner internationalen Erfahrungen. Als Lehrer hatte der Selmer für einen internationalen Austausch von Berufsschülern gekämpft.

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Ludger Maas als Seniorexperte in Mexiko

Ludger Maas ist vier Wochen lang als Senior Experte in Mexiko gewesen. Dort hat er Berufsschullehrer unterstützt und sein Wissen weitrergebgeben. Als er wieder zuhause angekommen ist, fühlt er sich gut. "Irgendwie ist eine Lücke ausgefüllt worden", sagt der 66-jährige Lehrer und Maschinenbauingenieur. Seine Tipps kamen in den mexikanischen Schulen gut an. Die Berufsschulen seien zwar schlecht ausgestattet, aber die Lehrer und Schüler versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Nun erinnert sich Maas an seine Zeit in Mexiko zurück.
24.03.2017
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Ludger Maas wollte gerne mit dem Fahrrad zur Schule fahren und auf den Chauffeur verzichten, doch da war er in Hermosillo ein absoluter Exot. Der Chauffeur fuhr hinterher. Er hatte den Auftrag. aufzupassen.© Foto: Ludger Maas
Lehre von der Lehre: Maas im Unterricht.© Foto: Ludger Maas
Ludger Maas schaut genau hin.© Foto: Ludger Maas
Die Berufschullehrer im Unterricht.© Foto: Ludger Maas
Die Chemie stimmte! Gute Stimmung bei der gemeinsam Arbeit.© Foto: Ludger Maas
In Mexiko gab Maas sein Wissen vier Wochen lang weiter.© Foto: Ludger Maas
Zwei Berufschullehrer bei einem von Maas geplanten Rollenspiel im Unterricht.© Foto: Ludger Maas
Wieder daheim: "Eine Lücke hat sich gefüllt", meint er bei seiner Heimkehr..© Foto: Petra Kriegler
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Immerhin kann er Englisch und etwas Spanisch. Nach einer Übernachtung in Mexiko-Stadt ging es für Maas weiter nach Hermosillo, der Hauptstadt des Bundesstaates Sonora an der Grenze zu den USA. Für sechs Berufsschulen, die bis zu 400 Kilometer auseinander liegen, war er zuständig. Erste Informationen erhielt er von einer Dolmetscherin. Erna Wruck-Guerrreo erklärte ihm Zusammenhänge und Hintergründe.

Die Lehre von der Lehre

Dadurch erfuhr Maas, dass in den Schulen Schüler in den verschiedensten Berufen ausgebildet werden: Zum Beispiel Kosmetikerinnen, Schlosser oder Schweißtechniker. Seine Aufgabe bestand darin, den Lehrern Tipps für den Unterricht zu geben. Schnell merkte Ludger Maas, dass die mexikanischen Kollegen keine pädagogische Ausbildung hatten. Deshalb legte er den Schwerpunkt auf das Thema "Weg vom Frontalunterricht".

In seiner ersten Stunde mit mehr als 50 Lehrern aus zahlreichen Sparten versuchte er den Einstieg in mit Lockerungsübungen. Danach übte er mit seinen mexikanischen Kollegen Rollenspiele. "Ziel der Übungen war, die Schüler zu motivieren", erinnert sich Maas.

Das Beste aus der Lage machen

Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich deutlich von denen in Deutschland. Die mexikanischen Berufsschulen sind sehr schlecht ausgestattet. Die Schüler müssen die Verbrauchsmaterialien mitbringen, sonst können sie keine praktischen Übungen machen. Trotzdem versuchen die Lehrer und die Schüler, das Beste aus der Situation zu machen."

Obwohl die wirtschaftliche Situation schwierig ist, seien die Menschen sehr gastfreundlich. Die Organisation wollte Maas in Hotels unterbringen - der bekam allerdings Angebote von den Familien der Direktoren, die er gerne annahm. "So habe ich viel mehr über das Land erfahren, ich habe die Kultur kennengelernt und bin auch mal zum Tanzen gegangen.

Die Zeit in Mexiko hat Maas geprägt und "extrem viel gebracht". Er sei zufriedener zu Hause angekommen. "Irgendwie ist eine Lücke gefüllt worden. Es war gut, mal wieder richtige Anerkennung zu erfahren." Und da spielt es für Maas keine Rolle, dass die Seniorexperten kein Geld für ihre Arbeit bekommen. Allerdings musste er auch nicht draufzahlen. "Die Kosten für Flug und den Aufenthalt werden übernommen".

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