Im Vorbeigehen einen Apfel pflücken und in den Mund stecken: Darf man das?

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Reiche Ernte können dieses Jahr nicht nur alle Obstbauern und Kleingartenbesitzer machen. Auch mancher Spaziergänger kann sich an süßen Früchten am Wegesrand erfreuen. Aber: Ist das erlaubt?

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 02.09.2019, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mundraub: Dieser Begriff ist noch in aller Munde. Er steht aber nicht mehr im Gesetz – und das schon seit 1975 nicht mehr. Das bedeutet aber nicht, dass Mundräuber freie Fahrt hätten, im Gegenteil.

Schon in den mehr als 2500 Jahre alten Schriften der Bibel ist vom Mundraub die Rede - und von seiner milden Bewertung. „Wenn du in den Weinberg eines andern kommst, darfst du so viel Trauben essen, wie du magst, bis du satt bist, nur darfst du nichts in ein Gefäß tun“, ist im Buch Deuteronomium nachzulesen. Mit anderen Worten. Für den Eigenbedarf ist der Griff nach den Früchten in Ordnung, mehr darf es aber nicht sein.

„Verbrauchsmittelentwendung“

Als der deutsche Gesetzgeber den Mundraub aufnahm, hat er die Sache nicht ganz so nachsichtig betrachtet. Es handelte sich auch damals um einen Straftatbestand. Nur wenn der Geschädigte der Ehegatte war oder ein enger Verwandter, blieb die Sache straffrei. Sonst konnte auch die sogenannte „Verbrauchsmittelentwendung“ aus persönlicher Not bestraft werden – wenn auch nicht so streng wie ein anderer Diebstahl.

Seit 1975 macht es alledrings keinen Unterschied mehr, ob jemand einen goldenen Kugelschreiber oder einen Apfel klaut: Diebstahl ist Diebstahl. Polizei oder Staatsanwaltschaft werden beim Früchteklau allerdings nur dann aktiv, wenn jemand - in der Regel der Geschädigte - das verlangt. Kommt es zur Verurteilung, drohen eine Geldbuße oder ein Strafbefehl nach Tagessätzen.

Wer sich nicht nur an einem Apfelbaum am Wegesrand bedient, sondern gleich die Ernte einer ganzen Plantage abpflückt und verkauft, muss sogar mit Gefängnis rechnen.

Ungeschoren bleiben alle, die sich auf der Online-Plattform „Mundraub.org“ informieren. Dort werden Bäume und Sträucher bekanntgemacht, die jeder nutzen darf: Die Liste ist aber kurz. Für Selm sind die Wiese am Römerspielplatz mit ihren Obstbäumen sowie Brombeersträucher an der Ernst-Kraft-Straße aufgeführt.

Überblick über gerade reifes Obst im eigenen Garten:

  • Weißer Film bedeutet Frische
    Im Vorbeigehen einen Apfel pflücken und in den Mund stecken: Darf man das?

    © Sylvia vom Hofe

Die Pflaumenernte hat früher begonnen als üblich. Der weißliche Belag auf der Haut der Pflaumen ist ein Kennzeichen, wie frisch sie sind. Er schützt die Früchte vorm Austrocknen.

  • Blaue Frucht des Schwarzdorns

Im Vorbeigehen einen Apfel pflücken und in den Mund stecken: Darf man das?

© Sylvia vom Hofe

Erst gekocht oder nach Frost sind Schlehen, die Früchte des Schwarzdorns, wohlschmeckend. Einst dienten die Dornen bei der Hausschlachtung als Verschluss des Wurstdarms und das Laub als Magentee.

  • Süße, stachelige Brombeeren

Im Vorbeigehen einen Apfel pflücken und in den Mund stecken: Darf man das?

© Sylvia vom Hofe

Die erste Ernte ist bereits eingeholt - von Vögeln und Spaziergängern. Brombeeren haben aber immer noch viele reife Früchte. Aber aufgepasst bei den Dornen, die korrekt Stacheln heißen.

  • Vitamin-C-Bombe Holunder

Im Vorbeigehen einen Apfel pflücken und in den Mund stecken: Darf man das?

© Sylvia vom Hofe

Mal eben naschen - das gilt nicht für den Holunder, auch wenn die Vitamin-C-reichen Beeren schwarz und reif sind. Erst erhitzt sind sie bekömmlich.

  • Nüsse müssen noch warten

Im Vorbeigehen einen Apfel pflücken und in den Mund stecken: Darf man das?

© Sylvia vom Hofe

Die Erntezeit von Haselnüssen ist erst Ende September/Anfang Oktober. Der Schütteltest zeigt, wann es so weit ist. Dann fallen die Nüsse selbst zu Boden.

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