In Selm waren Flüchtlinge in Hungerstreik getreten

Kritik an Unterbringung

Keine richtigen Wohnungen, keine Möglichkeit, selbst zu kochen, kein Sikh-Tempel in der Nähe: Nichts von dem, was man ihnen in Leverkusen versprochen hatte, sahen zehn Flüchtlinge aus Indien in der Notunterkunft an der Selmer Industriestraße erfüllt. Deshalb waren sie in den Hungerstreik getreten.

SELM

, 14.05.2017, 17:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Selm waren Flüchtlinge in Hungerstreik getreten

Die Flüchtlinge schlafen aus Protest draußen und haben der Stadt einen Brief geschrieben.

An die „Stadt mit Freiraum“ haben die Männer am Samstag einen handschriftlichen Brief auf Englisch geschickt. Unserer Redaktion haben sie am Samstag via Facebook eine Kopie zukommen lassen.

Sechs Monate hätten sie bereits in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Leverkusen in Containern verbracht, heißt es dort auf Englisch – ohne die Möglichkeit, sich indisches Essen zuzubereiten. In Selm sollte alles besser werden, „und jetzt sind hier wieder Container und keine vernünftigen Häuser“. Sie könnten kein Brot mehr sehen, schreiben sie und möchten endlich selbst kochen.

Arbeitskreis hatte gewarnt

„Davor hatten wir die Stadt gewarnt“, sagt Hans Hoppe, Sprecher des Arbeitskreises Asyl Selm. Die Möglichkeit, selbst kochen zu können, sei enorm wichtig. Die Verantwortlichen hätten beim Bau des Ende April in Betrieb gegangenen Containerdorfes aber auf eine zentrale Versorgung gesetzt. Firma Kanne sorgt fürs Catering an der Industriestraße.

Hoppe und seine Mitstreiter kennen die streikenden Männer nicht persönlich. Wie es der Arbeitskreis angekündigt hatte, kümmern sich die Mitglieder um die Flüchtlinge, die in Selm außerhalb des Containerdorfes untergebracht sind. „Damit haben wir schon genug zu tun“, so Hoppe. Die Menschen in der neuen Unterkunft hätten Betreuung – durch das DRK-Team um Unterkunftsleiter Lothar Kirschner.

Unhaltbare Versprechungen gemacht 

Kirschner wird sich am Montag zu der Situation äußern, wie er mitteilte. Stadtsprecher Malte Woesmann tat es bereits am Sonntag: „Der Brief der Flüchtlinge hat uns erreicht.“ Bürgermeister Mario Löhr habe die Männer bereits am Sonntagmorgen besucht. Im Gespräch sei klar geworden, dass der Gruppe in Leverkusen unhaltbare Versprechungen gemacht worden seien. „Klar, dass sie enttäuscht sind.“ Am Montag werde Löhr das Gespräch mit ihnen fortsetzen – im Amtshaus.

Die Position der Inder ist klar: „Wenn hier keine Abhilfe geschaffen wird, dann wollen wir wieder nach Leverkusen. Wir haben niemals irgendwelche Schwierigkeiten gemacht, also helft uns bitte.“ Am Sonntagabend haben die Protestierenden den Hungerstreik aufgegeben - sie essen und trinken wieder. Draußen schlafen, wollen sie aber weiterhin.

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