So oft muss das Selmer Jugendamt einschreiten, wenn Kinder in Gefahr sind

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Wenn das Wohl von Kindern gefährdet ist, muss das Jugendamt eingreifen. Die Stadt hat Zahlen veröffentlicht, wie viele Kinder in den letzten Jahren vom Jugendamt in Obhut genommen wurden.

Selm

, 01.01.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Am Anfang, wenn sie kommen, dann ist der Blick so leer“, beschreibt Christin Schuhmacher den ersten Eindruck, den sie von jedem Pflegekind erhält. Schuhmacher, die eigentlich anders heißt, gehört zu einer von drei Pflegefamilien in Selm. Sie nimmt als Bereitschaftspflegemutter Kinder zu sich, wenn diese schnell von ihren Eltern wegmüssen.

Der Begriff dafür, wenn das Jugendamt einschreitet und das Kind den Eltern entzieht, nennt sich Inobhutnahme. Es ist die vorläufiger Unterbringung des Kindes in einer Notsituation, also wenn körperliche oder seelische Schäden für das Kind zu erwarten sind.

Zahl der Inobhutnahmen bleibt konstant

Wie viele Kinder in Selm in Obhut des Jugendamtes gebracht werden, erklärte der stellvertretende Jugendamtsleiter Benedikt Sträter beim letzten Jugendhilfeausschuss des Jahres im Dezember. 2019 waren es (Stand 26. November) insgesamt 13 Inobhutnahmen im Selmer Stadtgebiet. Das deckt sich auch mit den Fallzahlen aus den vorherigen Jahren. 2018 waren es 14 Inobhutnahmen, 2017 15.

Bevor ein Kind in Obhut genommen wird, gibt es zuvor in der Regel eine Meldung wegen möglicher Kindeswohlgefährdung, die das Jugendamt dann prüft. Sie können zum Beispiel von der Polizei, Lehrern, Nachbarn, Ärzten oder auch von den Eltern selbst oder sogar von den Kindern kommen.

Auch dafür nennt Benedikt Sträter Zahlen: 2019 waren es (Stand 26. November) 70 Anzeigen, 2018 66 und 2017 74. Deutlich mehr waren es 2016 mit 95 Anzeigen. Wieso die Zahl zum Beispiel 2016 bedeutend höher ist, „kann ich mir auch nicht erklären“, sagt Benedikt Sträter. Das könne aber zum Beispiel daran liegen, dass bei einem Fall, wo eine Familie mit mehreren Kindern involviert ist, jedes Kind als Einzelfall aufgeführt wird.

Besonders viele Maßnahmen wegen Kindesmissbrauchs

Bundesweit haben Jugendämter im Jahr 2018 in rund 52.600 Fällen eingegriffen, so Sträter. Die Zahl ist damit im Vorjahresvergleich um knapp 8800 Fälle gesunken.

Eklatant - und zwar um ein Viertel - gestiegen seien dagegen die Schutzmaßnahmen wegen Kindesmissbrauchs. Jugendämter griffen 2018 6100 Mal ein, wenn sie Anzeichen für körperliche und psychische Misshandlungen vorfanden, es war die dritthäufigste Ursache nach Überforderung der Eltern und Inobhutnahme von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen.

Auch wenn die Fallzahlen in den letzten Jahren gesunken sind, so sind sie im Zehn-Jahresvergleich doch massiv gestiegen. Im Jahr 2008 kam es bundesweit zu 32.000 Inobhutnahmen. Mehr als 20.000 Fälle weniger als 2018. Das sei laut Bundesregierung - rechnet man die Zahlen durch unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge heraus - auch darauf zurückzuführen, dass dem Thema Kinderschutz mehr Bedeutung beigemessen wird.

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