Eine stolze Zahl: 13 Millionen Euro. So viel will Selm 2021 für Investitionsmaßnahmen ausgeben. Die meisten Projekte setzen den aktuellen Bauboom fort. Ein Vorhaben taucht noch nicht auf.

Selm

, 22.10.2020, 20:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bis auf die Grünen waren sich alle Fraktionen im Selmer Rat einig: Sie tragen den 79-MiIlionen-Haushalt 2021 mit. Der Entwurf, den Kämmerin Sylvia Engemann vorgelegt hatte, bot auch nicht viel Spielraum. Die meisten Maßnahmen im 13-Millionen-Euro-Investitonspaket sind alte Bekannte: Ausgaben für die laufende Sanierung der Kanalisation und der Straßen sowie Bauprojekte, die schon lange im Gespräch sind und zum Aufbruch in der Aktiven Mitte, Selms neuem Zentrum, gehören. Ein Vorhaben, das im Wahlkampf für Gesprächsstoff sorgte, taucht allerdings nicht auf. Hier ein Überblick über die größten Investitionen.

1. Dreifach-Sporthalle am Campus

Spätestens seitdem der Campus-Platz gebaut ist und nagelneue Mehrfamilienhäuser ihn flankieren, ist nicht mehr zu übersehen, wie schmuddelig die alte Dreifachhalle ist. Viele sprechen vom Schandfleck. Das hat nicht nur mit der besprühten Fassade zu tun, sondern auch mit dem sanierungsbedürftigen Innenleben. 3,5 Millionen Euro sieht der Haushaltsplan 2021 dafür vor - nur ein Teilbetrag der Gesamtkosten von mehr als 12 Millionen Euro.

Die Investition war kein großes Thema in den Haushaltsreden - wohl auch, weil die Maßnahme bereits läuft. Im September 2020 war der erste Spatenstich erfolgt. Mitte 2022 soll der Umbau abgeschlossen sein. Die neue Halle, die bis an den Campus heranrutscht, wird dann über eine Tribüne mit 400 Plätzen, einen Saal und eine Gastronomie verfügen: ein lebendiger Treffpunkt im neuen Zentrum, wie die Planer meinen.

2. Neu gestaltetes Bahnhofsumfeld Bork

Dass sich da endlich etwas tun müsse, fordern Politiker aller Fraktionen seit Jahren. Dabei blicken alle zum Bahnhof nach Bork. Einem Haltepunkt, der alles andere ist als ein Aushängeschild für die Stadt. Parkplätze für Autos? Mangelware. Abstellmöglichkeiten für Fahrräder? Mäßig. Möglichkeiten, sich abholen zu lassen? Nicht vorhanden - genauso wenig wie die Möglichkeit, bequem in den Bus zu steigen zur Weiterfahrt.

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1,2 Millionen Euro investiert die Stadt, um die Situation zu verbessern. Am Bahnhof Bork wird auf einer städtischen Fläche ein Park-und-Ride Platz errichtet. Der Bahnhofsvorplatz wird neu gestaltet. Die Maßnahme hat die Stadt als

Förderprojekt angemeldet. Eine Förderzusage steht aber noch aus.

Die Sekundarschule muss wachsen. Um allen Schülerinnen und Schülern ausreichend Platz zur Verfügung stellen zu können, ist ein Anbau nötig.

Die Sekundarschule muss wachsen. Um allen Schülerinnen und Schülern ausreichend Platz zur Verfügung stellen zu können, ist ein Anbau nötig. © Arndt Brede

3. Erweiterung der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule

Die 2014 gegründete Selma-Lagerlöf-Sekundarschule ist auf Wachstumskurs. Der Schulentwicklungsplan sieht die zweite weiterführende Schule in Selm neben dem städtischen Gymnasium durchgängig vierzügig. Dafür ist ihr derzeitiger Gebäudebestand nicht ausgelegt. Deshalb ist eine Erweiterung um drei Klassenräume und eine Mensa nötig. 800.000 Euro sind dafür 2021 vorgesehen, weitere 800.000 Euro im Folgejahr.

4. Ankauf von Flächen im Fährenkamp

800.000 Euro will die Stadt 2021 ausgeben für das Neubaugebiet zwischen Selm und Bork, das so heißt wie die Bergarbeitersiedlung aus den 1920er-Jahren: Fährenkamp. Die Bebauung rückt bis an die Haus-Berge-Straße/Luisenstraße heran. Heute handelt es sich noch um Acker, ab 2022 werden dort Grundstücke erschlossen und vermarktet: Neben dem Neuenkamp rund um den Lidl in Bork und dem Baugebiet am Auenpark handelt es sich um das zurzeit letzte größere Baugebiet, das der Gebietsentwicklungsplan Selm zugesteht. Dass sich die Stadt auf Wachstumskurs dort engagieren will, steht längst fest. Das erste Geld ist auch bereits geflossen: 970.000 Euro, weiteres wird folgen. Allerdings rechnet Selm künftig auch mit Einnahmen durch den Verkauf, 2021 etwa mit 585.000 Euro.

5. Neubau/Sanierung der Schwimmbäder

500.000 Euro stehen im Etat 2021 für das Projekt Neubau Hallenbad und Sanierung des Freibades zur Verfügung: ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn Schwimmbadbau ist eine teure Angelegenheit. Das wissen auch die Verantwortlichen und haben eine Verpflichtungsermächtigung - eine Art Finanzierungsversprechen - über zehn Millionen Euro in den Haushalt eingestellt: eine Riesen-Investition, die aber unter einem Vorbehalt steht.

Nur wenn das Land die Maßnahme mit Fördermitteln unterstützt, wird die Stadt 2022/23 mit den Bauarbeiten an der Badestraße beginnen können. Um damit beginnen zu können, sind Planungen nötig. Dafür sind die 500.000 Euro im nächsten Jahr vorgesehen. Dass es ihnen ein wichtiges Anliegen ist, dass es auch weiter kommunale Schwimmbäder in Selm gibt, hatten Vertreter aller Ratsfraktionen im Vorfeld einhellig erklärt.

Und wo ist die Ortskerngestaltung von Bork?

Das Stadtteilentwicklungskonzept Bork mit der Neugestaltung des Kirchrings hatte im Wahlkampf für Diskussionsstoff gesorgt. Im Haushalt 2021 findet sich dafür aber kein Ansatz. „Für 2022 ist die Objektplanung vorgesehen. Die Umsetzung für 2023“, ist stattdessen im Haushalt zu lesen. Ein Antrag für Städtebaufördermittel sei vorgesehen. Die Stadt hatte in der Vergangenheit die Häuser des Kirchrings gekauft: die Voraussetzung, um im Borker Zentrum tätig werden zu können - ob durch Abbruch der Häuser und Schaffung eines Platzes vor der Kirche, wie es sich die Mehrheit im Rat vorstellen kann, oder durch Sanierung der Gebäude, wie es sich die UWG wünscht.

In jedem Fall entstehen erhebliche Kosten - nach ersten Schätzungen im Finanzierungsplan 720.000 Euro -, für die noch kein Finanzierungstopf gefunden ist: eine Aufgabe für den neuen Stadtrat, der am 12. November zum ersten Mal zusammentritt.

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