"Ist sie schön?": Im Voodoo-Prozess stehen jetzt abgehörte Telefonate im Fokus

Landgericht Bochum

Im Voodoo-Prozess um Zwangsprostitution in Selm, Castrop-Rauxel und Dorsten hat am Montag ein neues Kapitel begonnen. Nach monatelangen Zeugenbefragungen, geht es nun um abgehörte Telefonate.

Selm, Bochum, Castrop-Rauxel, Dorsten

, 28.01.2019 / Lesedauer: 3 min
"Ist sie schön?": Im Voodoo-Prozess stehen jetzt abgehörte Telefonate im Fokus

Die Angeklagten und ihre Verteidiger im "Voodoo-Prozess" beim Prozessauftakt. © Werner von Braunschweig

Mit dem Eintritt in eine neue Phase der Beweisaufnahme ist am Montag am Bochumer Landgericht der seit Monaten laufende „Voodoo-Prozess“ um Ausbeutung in Bordellen in Selm, Castrop-Rauxel, Dorsten und Umgebung fortgesetzt worden. Nach und nach wollen die Richter der 5. Strafkammer nun einzeln alle abgehörten Telefongespräche in der Verhandlung anhören.

Insgesamt geht es um mehr als 47 Telefonate, die von den Angeklagten bis kurz vor ihrer Festnahme abgefangen worden waren.

"Ist sie schön?"

Das erste aufgezeichnete Telefonat, das am Montag im großen Schwurgerichtssaal abgespielt wurde, geht zurück auf den 18. Oktober 2016. Der zuletzt in Herne lebende Hauptangeklagte (34) war seinerzeit bereits ins Visier der Ermittler geraten, sein Handy zapften sie an.

Am fraglichen Tag telefonierte der Nigerianer gegen 17.52 Uhr gerade mit einem Landsmann, der sich in Nigeria um die Auswahl der Frauen kümmerte. Während des Telefonats, das in der nigerianischen Untersprache „Edo“ geführt wurde, übergibt der Hintermann das Telefon weiter an eine junge Frau. „Ist sie schön?“, fragte der Hauptangeklagte kurz vorher noch seinen Bekannten. Dessen Antwort: „Ja, sie sieht ganz nett aus! Ich schicke Dir später ein Bild von ihr per Whatsapp.“

"Deine Reise geht über Land"

In dem Gespräch mit der später in Deutschland als Prostituierte an verschiedene Bordelle vermittelten Nigerianerin kommt der Hauptangeklagte relativ schnell auf den Punkt. „Ich will, dass du weißt, dass die Reise nach Europa nicht mit dem Flugzeug, sondern über Land geht“, heißt es gleich am Anfang des Gesprächs.

Auch der Preis für die illegale Schleusung wird von dem 34-Jährigen am Telefon gleich genannt: „Einige Leute nehmen 30.000 Euro, ich nehme 25.0000 Euro. Ich bringe dich aber nicht nach Italien, weil das dort nicht mehr so gut läuft. Ich bringe dich nach Deutschland, weil auch ich hier wohne.“

Rückblick: Die Gruppe soll von 2015 bis 2017 mehr als zehn Frauen illegal aus Afrika eingeschleust und anschließend an zahlreiche Bordelle im Ruhrgebiet, auch nach Selm, vermittelt haben.

Vor der wochenlangen Schleusung durch die afrikanische Wüste, das Mittelmeer bis hin ins Ruhrgebiet sollen die Frauen in Nigeria vor einen Juju-Priester zur Einschüchterung ein blutiges Voodoo-Ritual (unter anderem mit Tierblut und abgetrennten Fingernägeln) durchlaufen haben.

Die Angeklagten sind zum Teil geständig. Der Prozess wird fortgesetzt.

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